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Nach dem Cross Mentoring ist vor der Karriere

Nach wie vor sind Frauen in Führungspositionen deutlich unterrepräsentiert. Die rheinischen Sparkassen wollen das ändern.

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Mehr Frauen in Karrierepositionen zu bringen, ist leichter gesagt als getan. In den rheinischen Sparkassen finden sich nur 7,22 Prozent Frauen im Vorstand (Stand: Ende 2018). Und das, obwohl die Sparkassen im Rheinland mit einem Anteil von 61,42 Prozent Frauen an der Gesamtheit aller Beschäftigten überwiegend weiblich sind.

Die Sparkassen im Rheinland und der Rheinische Sparkassen- und Giroverband (RSGV) wissen: Ohne gezielte Maßnahmen wird sich an den Zahlen nicht viel Signifikantes ändern. Daher wollen sie mehr Frauen in Führungs- und Karrierepositionen bringen. Cross Mentoring zwischen den rheinischen Sparkassen ist die erste von ihnen ergriffene Maßnahme: Potenzialträgerinnen sollen sichtbar gemacht, auf ihrem individuellen beruflichen Karriereweg gestärkt und letztlich gefördert werden.

Dieses Ziel ist zudem der Überzeugung geschuldet, dass es für die Sparkassen betriebswirtschaftlich von Vorteil ist, die Frauen zu halten, in deren Aus- und Weiterbildung sie viel Geld investiert haben. Bestärkt werden sie darin von DSGV-Präsident Helmut Schleweis, der anlässlich der RSGV-Strategietagung Ende August den Vorständinnen und Vorständen der rheinischen Sparkassen sagte: „Alle Sparkassen bilden Frauen aus, aber viele nutzen noch nicht das Potenzial von Frauen im Management. Betriebswirtschaftlich betrachtet ist das reine Verschwendung – also nicht nachhaltig.“

Hierarchiefreie Partnerschaft

Aktuell läuft die zweite Runde Cross Mentoring, die im April gestartet ist. Von den 29 rheinischen Instituten nehmen 16 Sparkassen mit 20 Mentees und Mentorinnen / Mentoren teil, darunter viele Vorstandmitglieder. Für die Dauer eines Jahres arbeiten die einzelnen Tandems, Mentee und Mentorin / Mentor, in einer hierarchiefreien Partnerschaft zusammen.

Die Betonung liegt auf hierarchiefrei: Unabhängig vom eigenen Status begleitet die Mentorin oder der Mentor die Mentee, steht ihr mit Rat und Tat zur Seite. Über die Inhalte der Zusammenarbeit entscheidet vorrangig die Mentee. Nicht die Mentorin oder der Mentor „macht mal“, sondern die Mentee definiert eigenverantwortlich die für sie wichtigen Fragen.

Mitte Oktober findet das „Bergfest“ der zweiten Runde statt. Das heißt, sechs Monate des gemeinsamen Arbeitens werden dann schon vorbei sein. Jedes Tandem soll für sich schauen, ob es sich auf dem richtigen Weg befindet oder noch einmal nachjustiert werden muss. Denn: Cross Mentoring im Rheinland ist kein nettes Geschenk für die Mentees, keine „Schönwetterveranstaltung“. Am Ende der zwölf Monate Cross Mentoring soll sich für sie beruflich etwas geändert haben.

Und? Gibt es nun Karriereschritte im Rheinland oder bleibt nach dem Ende des Cross-Mentoring-Jahres alles beim Alten? Um diese Frage zu beantworten, lohnt ein Blick auf die ersten rheinischen Absolventinnen, deren Cross-Mentoring-Jahr von Oktober 2017 bis Oktober 2018 lief. Um es vorwegzunehmen: Cross Mentoring funktioniert.

Nachfolgend einige exemplarische Erfolgsgeschichten

Sparkasse Düren

 
Katharina Herkenrath: „Neues Verständnis für meine Rolle als Führungskraft“. © Herkenrath

Katharina Herkenrath war nach verschiedenen Stationen in der Sparkasse Düren zuletzt Leiterin des Geschäftsbereichs Privatkunden in einem großen Beratungscenter und für den Service und die Beraterinnen und Berater im Mengengeschäft verantwortlich. Seit Anfang Oktober leitet sie ein eigenes Beratungscenter.

Herkenrath sagt, dass ihr die Teilnahme am Cross-Mentoring-Programm definitiv bei diesem Schritt geholfen hat, weil „ich durch die Kleingruppencoachings ein neues Verständnis für meine Rolle als Führungskraft entwickelt habe. Außerdem habe ich bis heute Aussagen und Anekdoten meines Mentors im Ohr, die mir in der täglichen Führungsarbeit schon in verschiedenen Situationen geholfen haben.“

Darüber hinaus hält sie den Austausch mit den anderen Mentees für einen großen Gewinn: „Aus dem Erfahrungsaustausch mit den anderen Mentees habe ich vor allem eine Erkenntnis mitgenommen: Egal in welchem Alter man Führungskraft wird, wie viel Erfahrung man mitbringt oder welche Karriere man bereits absolviert hat - wir alle haben die gleichen Themen, die uns im Umgang mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beschäftigen. Zu wissen, dass man mit diesen Herausforderungen nicht die einzige auf weiter Flur ist, war eine tolle Erfahrung.“

Stadtsparkasse Düsseldorf

 
Barbara Pöll: „Andere Perspektiven einnehmen und neue Denkansätze entwickeln.“ © Sparkasse

Die Mentee der Stadtsparkasse Düsseldorf, Barbara Pöll, war zu Beginn des Cross Mentorings Leiterin der Gruppe „Personalbetreuung“. In dieser Funktion führte sie neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zum 1. November 2018, nach Beendigung des Cross Mentoring-Programms, übernahm sie die Leitung der Abteilung „Service Center Personal“.

Zusätzlich zu ihren bisherigen Themen verantwortet sie fortan auch die Themenfelder Gehalt & Lohnsteuer, HR-IT und Personalcontrolling. Hiermit einher ging die Erweiterung der Führungsspanne auf 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, inklusive ihres Nachfolgers als Gruppenleiter. 

Ein besonderer Nutzen aus dem Cross Mentoring-Programm war für sie die Möglichkeit, „andere Perspektiven einzunehmen und hieraus neue Denkansätze entwickeln zu können. Diese helfen mir, die Erwartungshaltung meiner Gesprächspartner noch besser zu antizipieren, um frühzeitig die richtigen Impulse anstoßen zu können." Der von Offenheit und Vertrauen geprägte Austausch mit ihrer Mentorin bildete hierfür die Voraussetzung. 

Aber nicht nur die Zusammenarbeit mit ihrer Mentorin hat für sie einen großen Mehrwert gehabt, sondern auch der Kontakt mit den anderen Mentees: „Sich mit den Mentees aus anderen Häusern zu vernetzen, neue agile Herangehensweisen zu erfahren und Wissen zu teilen habe ich als sehr bereichernd empfunden. Ich freue mich, dieses Netzwerk zu vertiefen und weiter auszubauen."

Sparkasse Duisburg

 
Kathrin Weber: „Vertrauen in meine Fähigkeiten gestärkt.“

Mit Beginn des Cross-Mentoring-Jahres hat Kathrin Weber als Gruppenleiterin im Bereich Vermögensmanagement gearbeitet. Schon im April 2018 übernahm sie eine neue Position, und zwar die Leitung des Kultur- und Digitalbüros. Hinter dem Kulturbüro verbirgt sich die Aufgabe, gemeinsam mit einem externen Unternehmen, der RMW Consulting, an der Unternehmenskultur zu der Sparkasse Duisburg zu arbeiten.

In ihrer Funktion als Leiterin des Kulturbüros ist Kathrin Weber das Bindeglied zwischen RMW und der Sparkasse. Zudem obliegt es ihr, gemeinsam mit den entsprechenden Fachabteilungen Veränderungen anzustoßen und umzusetzen sowie die Kommunikation zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu fördern, so dass diese immer mit den aktuellen Informationen zu den Themen versorgt sind. Insbesondere Letzteres nimmt einen breiten Raum ein.

Das Digitalbüro verfolgt das Ziel, die Sparkasse Duisburg digitaler zu gestalten. Insgesamt 25 Kolleginnen und Kollegen arbeiten einige Stunden im Monat neben ihren eigentlichen Aufgaben mit Kathrin Weber daran, die von ihnen erstellte digitale Agenda umzusetzen (zum Beispiel digitale Mitarbeiterfitness, digitaler Führerschein für alle). Über ihre Cross-Mentoring-Zeit sagt Weber, dass ihre Mentorin ihr sehr dabei geholfen hat, „das Vertrauen in meine Fähigkeiten zu stärken. Sie hat mich dazu motiviert, das durchzuziehen, was ich mir schon lange vorgenommen habe. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.“

Sparkasse Hilden • Ratingen • Velbert

 
Netzwerk ausgebaut und „um spannende Facetten bereichert“: Melanie Hagler.

Melanie Hagler, Mentee der ersten Runde Cross Mentoring im Rheinland und zu der Zeit Personalreferentin der Sparkasse Hilden • Ratingen • Velbert, ist mit Beginn des Jahres 2019 stellvertretende Abteilungsleiterin Personal geworden. Zum Cross-Mentoring-Programm sagt sie: „Das Cross-Mentoring-Programm hat mich auf meinem Weg begleitet, mich ermutigt, ihn sicher zu gehen und mir Aufwind gegeben.

Es war eine tolle, faszinierende Erfahrung und hat meinen Horizont erweitert. Die Abwechslung und Vielfalt haben das Programm ausgemacht und Menschen miteinander verbunden. Somit konnte ich mein Netzwerk mit Hilfe des Cross-Mentoring-Programms nicht nur ausbauen, sondern darüber hinaus um spannende Facetten bereichern." 

Stadtsparkasse Oberhausen

 
Alexa Schwarz: „Der eigenen beruflichen Ziele, aber auch der eigenen Verantwortung stärker bewusst geworden.“ © Sparkasse

Alexa Schwarz, Mentee der Stadtsparkasse Oberhausen, war zuletzt von Mai 2009 bis Ende Mai 2019 in der Sparkassenfiliale Sterkrade am Sterkrader Tor tätig, zunächst als Gruppenleiterin des Servicebereichs, seit 2015 als stellvertretende Filialleiterin mit 38 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Nebenbei absolvierte sie ein Studium zur Sparkassenbetriebswirtin, das sie Ende 2016 erfolgreich beendete.

Anfang Juni des laufenden Jahres hat sie die Leitung der Filiale Bermensfeld übernommen, in der sie für 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erstmalig allein verantwortlich ist. Als einen besonders interessanten Part ihres beruflichen Werdegangs bezeichnet sie ihre Teilnahme am ersten Durchgang des RSGV-Cross-Mentoring-Programms 2017/2018. Da es für die Stadtsparkasse Oberhausen wichtig ist, Potenzialträgerinnen sichtbar zu machen, konnten Alexa Schwarz und Sandra Tuchen, die zweite Mentee der Stadtsparkasse in dem Jahrgang, ihre Erfahrungen aus dem Cross-Mentoring-Programm der zweiten Führungsebene und sogar vor dem Verwaltungsrat präsentieren.

Der begeisterte Bericht aus erster Hand – „dank Cross Mentoring sind wir uns der eigenen beruflichen Ziele, aber auch der eigenen Verantwortung auf dem Weg dahin noch einmal stärker bewusst geworden“ – stieß bei den männlich dominierten Gremien auf großes Interesse und regte zu einem intensiven Austausch an. Die nächste Präsentation in einer weiteren Führungskräfterunde ist deswegen bereits geplant.