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Ausbildungsjahr 2020
Corona trifft Azubis
Die Industrie- und Handelskammern melden 14 Prozent weniger Ausbildungsverträge bis Ende September. Bei den Sparkassen sind die Zahlen besser – aber weniger Azubis sind es auch hier.

Betriebe und Schulabgänger haben in diesem Jahr schwerer zueinander gefunden als in den Vorjahren. Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres hatten 259.837 junge Menschen ihren Vertrag unter Dach und Fach. Klingt viel – ist aber deutlich weniger als in den zurückliegenden Jahren. Von 25 Schülern mit dem Wunsch nach einer Lehrstelle gehen mindestens drei leer aus.

Größerer Rückgang als 2008

Der Rückgang fällt in Corona-Zeiten höher aus als in der Finanzkrise. Die Gründe sind vielfältig. So sind Ausbildungsbranchen wie Hotellerie und Gastgewerbe aktuell besonders von den Einschränkungen durch Corona betroffen. Betriebe, die nicht wissen, ob sie über den Winter kommen, tun sich dann auch schwer mit einer mehrjährigen Zusage in Form eines Ausbildungsvertrags.

Die Kammern und auch die Sparkassen berichten aber vor allem von praktischen Problemen. Jobmessen, Personalgespräche, Schnupperpraktika - all das war nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Deshalb verzeichnen auch die Sparkassen einen Einbruch bei den Neueinstellungen von Auszubildenden. Nach zwei sehr guten Jahren mit Zuwächsen von acht Prozent und mehr gab es im Ausbildungsjahr bis Oktober 2020 ein Minus von 5,6 Prozent.

Sparkassen bleiben stärkster Ausbilder

Für 2019/20 hatten die Sparkassen im Ausbildungsbereich bereits vorsichtiger geplant, aber immer noch mit einem Zuwachs bei den Neueinstellungen gerechnet. Der ließ sich nun nicht umsetzen. 

Innerhalb der deutschen Finanzwirtschaft bleiben die Sparkassen trotzdem der größte Ausbildungsbetrieb im deutschen Kreditgewerbe. 53 Prozent aller angehenden Bankkaufleute lernen ihr Handwerk bei einer Sparkasse. 4874 Neueinstellungen, davon 4705 Auszubildende und 169 Trainees, haben in diesem Jahr einen Ausbildungsvertrag einer Sparkasse erhalten. Leicht gestiegen ist die Zahl derjenigen Azubis der Sparkassen, die ein duales Studium aufnehmen – sie liegt inzwischen nahe 500.

Besonderes Jahr für alle Azubis

Es scheint also doch so etwas wie einen Corona-Jahrgang unter den deutschen Azubis zu geben. Zumindest werden viele junge Menschen erst verspätet in die Arbeitswelt starten können. Bis Jahresende rechnen die Industrie- und Handelskammern noch mit Nachrückern. Vor allem im Handwerk werden gerade „auf den letzten Drücker“ noch Plätze besetzt, meldet der ZDH.

Diejenigen aber, die schon „drin“ sind im Arbeitsleben, haben ebenfalls ein ganz besonderes Jahr hinter sich - oft mit mehr Verantwortung und viel Praxis. Das gilt gerade auch für junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sparkassen. Sie waren 2020 auf der sicheren Seite.

 

 

Anke Bunz
– 16. November 2020