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Change-Management / Kommentar
Das Erste-Hemdknopf-Prinzip
Kennen Sie das „Erste-Hemdknopf-Prinzip“? Wenn man falsch anfängt, kann man am Ende nie richtig rauskommen. So ist es auch, wenn sich Sparkassen fit für die Arbeitswelt 4.0 machen wollen.

Bedingt durch die Digitalisierung, die Konkurrenz von Fintechs und zuletzt Corona reorganisieren Häuser aller Größen ihre Strukturen und Prozesse im Formel-1-Tempo. New-Work-Konzepte werden eingeführt. Agiles Management heißt in immer mehr Instituten die neue Führungsdevise, Abteilungen und Teams werden neu zusammengestellt, Abläufe völlig neu gestaltet und neue Software-Programme sowie neue Kollaborations-Methoden eingeführt.

Für viele Mitarbeiter sind solche Änderungen eine große Herausforderung. Sie sind verunsichert und sorgen sich darüber, ob sie mit all den Neuerungen klarkommen. Offener und verdeckter Widerstand ist die Folge, worunter Betriebsklima und Produktivität leiden. Ich meine: Die Mitarbeiter sträuben sich nicht aus bösem Willen gegen Change-Vorhaben, sondern weil eine gleichermaßen banale wie grundlegende Erkenntnis aus der Veränderungsforschung missachtet wird.

Das „Wollen“ ist ein wichtiger Faktor

Wenn Veränderungen gelingen sollen, reicht es nämlich nicht, nur die erforderlichen neuen Kompetenzen oder Methoden zu vermitteln. Entscheidend ist, dass neben dem Können auch das Wollen vorhanden ist. Anders formuliert: Wenn Menschen etwas nicht wollen (egal aus welchen Gründen), dann ist jedes Change-Projekt zum Scheitern verurteilt. Doch genau dieser Fehler wird fast immer begangen: Das „Wollen“ wird bei den meisten Veränderungsvorhaben nicht betrachtet.

Man investiert Zeit und Geld in die Wissensvermittlung, bucht mehrtägige Canvas-, Design-Thinking- und Lego-Serious-Play-Workshops, schickt Manager zum Achtsamkeitsseminar an den Tegernsee und holt sich teure Keynote-Speaker ins Haus. Mit welchem Ergebnis? Mit einem ernüchternden!

Wichtig: Die Mitarbeiter ernst nehmen

Denn: Es geht nicht nur darum, Open Space, World-Café, Brainwriting, Daily-Stand-ups, Sprints oder andere Werkzeuge zu beherrschen. Das allein langt nicht, genauso wichtig ist es, das „Wollen“ ernst zu nehmen. Oben muss man richtig anfangen: Erst muss die „richtige“ Einstellung da sein, bevor Veränderungen eingeleitet und neue Kompetenzen vermittelt werden. Ein agiles Mindset ist erforderlich, wenn Veränderungen erfolgreich umgesetzt werden sollen. Erst pflügt der Bauer das Feld, bevor er sät!

Erläutern Sie zuerst die Hintergründe und verdeutlichen Sie, nach welchen Regeln in der neuen Arbeitswelt gespielt wird, bevor Sie dann die erforderlichen Kompetenzen schulen sowie trainieren - das rät unser Autor Prof. Martin-Niels Däfler.

 

Wie erreicht man ein agiles Mindset?

Folglich lauten die wirklich spannenden Fragen: Was ist ein agiles Mindset, und wie lässt es sich erreichen? Lassen Sie uns dazu ein kleines Gedankenspiel machen. Angenommen, Sie wären Trainer einer Fußballmannschaft und müssten Ihr Team jetzt davon überzeugen, ab sofort „Schulterball“ zu spielen. Was müssten Sie tun, damit Ihre Mannschaft in dieser neuen Sportart erfolgreich ist?

Nun, Sie sollten zunächst gut begründen, warum denn überhaupt ein neues Spiel gespielt wird – schließlich hat Fußball bisher doch gut funktioniert. Weiterhin wäre es angebracht, die Spielregeln zu erläutern, die bei Schulterball gelten.

Wenn Sie dies getan haben, sollten Sie die Spieler mit der Art und Weise vertraut machen, wie man geschickt Schulterball spielt, um als Sieger den Platz zu verlassen. Und schließlich würden Sie mit Ihrer Mannschaft regelmäßig trainieren, bis Sie die Schulterball-Champions-League gewonnen haben.

Regeln der neuen Arbeitswelt erklären

Auf den Punkt gebracht: Berücksichtigen Sie das Erste-Hemdknopf-Prinzip und fangen bei Ihren Change-Vorhaben richtig an. Erläutern Sie zuerst die Hintergründe und verdeutlichen Sie, nach welchen Regeln in der neuen Arbeitswelt gespielt wird, bevor Sie dann die erforderlichen Kompetenzen schulen sowie trainieren.

Zum Autor: Prof. Dr. Martin-Niels Däfler lehrt als hauptamtlicher Professor an der FOM Hochschule in Frankfurt/Main. Daneben ist er als Redner, Trainer sowie Berater tätig. Sein kostenloses E-Booklet „Agiles Mindset“ erhalten Sie, wenn Sie ihm eine E-Mail schicken an: prof@daefler.de

Professor Martin-Niels Däfler
– 12. November 2020