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Coronakrise – Alltag von Sparkässlern Teil2
Improvisationstalent bleibt gefragt
Etwas Normalität ist vielerorts in den Alltag zurückgekehrt. Doch von gewohnten Abläufen kann in Coronazeiten keine Rede sein. Das zeigt sich im Büro wie beim Urlaub.

Stefanie Verfürth hat ihren Humor nicht verloren. „Wir haben es überlebt, keiner in der Familie hat sich infiziert, und umgebracht haben wir uns auch nicht“, sagt die Mitarbeiterin der Sparkasse Nürnberg. Die Krise hat der Familie (Foto oben) schon einiges abverlangt. Nach dem Skiurlaub in Südtirol folgte sofort die Quarantäne, dann vier Monate Homeoffice, davon drei Monate kombiniert mit Fulltime-Homeschooling.

Als sei das nicht genug, hatte Stefanie Verfürths Mann noch einen Fahrradunfall auf dem Weg zur Arbeit. Der Leiter der Geschäftsstelle in Nürnberg-Ziegelstein verstärkte deshalb wochenlang das Homeoffice-Homeschooling-Team. Bis Ende Juni hatte die Sparkasse Nürnberg den Krisenfall ausgerufen, seitdem kehren die Mitarbeiter sukzessive zurück.

Leere Tische in einer Taverne in Mykonos-Stadt: Wegen der Corona-Pandemie machen viele Urlaub in Deutschland –  auch viele Sparkassenmitarbeiter.

„Nach Absprache mit der Abteilung komme ich an einem festen Tag in die Zentrale“, sagt Stefanie Verfürth, die im Unternehmensbereich Kredit-Consult arbeitet. In ihrem Büro seien aktuell nur zwei statt vier Kollegen. Noch sei ihr Arbeitspensum so hoch wie gewöhnlich.

Doch das könnte sich bald ändern. Nur noch bis Ende September ist die Insolvenzantragspflicht wegen Covid-19 ausgesetzt. „Danach könnte die Zahl der Insolvenzen in unserem Geschäftsgebiet deutlich zunehmen und mit ihr die Kreditabwicklung“, fürchtet Verfürth.

Internationales Geschäft: Problemfall Lieferketten

Trotz Ende des Lockdowns ist auch Reinhard Pasch überzeugt: „International gesehen sind wir noch mitten in der Pandemie. Die Krise ist noch nicht zu Ende.“ Eigentlich hatte der Abteilungsleiter S-International bei der Sparkasse Pforzheim Calw schon für das erste Halbjahr mit einem Rückgang im internationalen Geschäft gerechnet.

„Das ist zwar nicht eingetreten. Aber die Delle wird vermutlich mit einer Verzögerung kommen“, zeigt sich der 49-Jährige überzeugt.

Aktuell laufe eine breit angelegte Werbekampagne auf zahlreichen Kanälen, etwa in Newslettern, Blogs, im IHK-Magazin oder auch in Anzeigen. Mit dem Slogan „Risiken managen - Vertrieb stärken“ möchte die Sparkasse aus Baden-Württemberg den Sinn ihrer Kunden für die gestiegenen Risiken schärfen.

„Es ist ungewiss, ob der Zulieferer oder Kunde zum Beispiel aus der Türkei noch so gut ist wie gestern. Wer sich heute nicht absichert, lässt dem Risiko freien Lauf.“

Der Sparkasse Chemnitz gehen auch in der Krise die guten Ideen nicht aus. Die Sachsen haben bei zwei Geschäftsstellen im Kassenraum Automaten mit Bio-Eiern aufgestellt. Weitere Sparkassen interessieren sich bereits für das im Vorjahr gestartetete Konzept. 

Digitale Lösungen bevorzugt

Dass die Pandemie durchaus Positives gelehrt hat, findet auch Mirko Ruhenstroth, Regionalleiter bei der Stadtsparkasse München (SSKM). Bewährt hätten sich die kürzeren Servicezeiten für Zahlungsverkehr und ähnliche Anliegen, die die SSKM nach Ausbruch der Coronakrise zum Schutz von Kunden und Mitarbeitern eingeführt hatte: Montag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 12:30 Uhr sowie Dienstag von 14 bis 16 Uhr und Donnerstag von 14 bis 18 Uhr.

Diese Zeitfenster behält die SSKM bei. „Gleichzeitig weiten wir die Zeit für Beratungsgespräche aus, um anspruchsvolle Finanzfragen etwa zur Altersvorsorge, Geldanlage oder zu Immobiliengeschäften persönlich führen zu können“, sagt Ruhenstroth.

Von August an seien die Berater in den Filialen von 9 bis 18 Uhr (montags bis donnerstags) und freitags bis 16 Uhr erreichbar, nach Absprache zudem vor 9 Uhr und nach 18 Uhr. Wie viele seiner Kollegen hat der Regionalleiter beobachtet, dass seine Kunden viel stärker als früher Telefon und digitale Lösungen nutzten, was mehr Freiräume für die persönliche Beratung schaffe.

Sieben von zehn Privatkunden der SSKM nutzen inzwischen Onlinebanking. Und von Januar bis Juni 2020 stieg die Zahl bargeldloser Zahlungen um rund 30 Prozent auf 1,6 Millionen Transaktionen pro Monat.

Im August hätte es in die USA gehen sollen. Diese Reise hat Mirko Ruhenstroth von der Stadtsparkasse Münchenn gestrichen und erholt sich jetzt lieber in Bayern.

Urlaubspläne in Pandemie-Zeiten

Ordentlich durcheinandergewirbelt hat die Pandemie die Urlaubspläne der Deutschen. 53 Prozent planten zwischen Juni und September keine Reise, ergab eine Umfrage der Berliner Sparkasse unter Hauptstadtbewohnern. Im Sommer des vergangenen Jahres waren es hingegen nur 39 Prozent.

„Gut ein Drittel hat die Coronakrise auch finanziell zu spüren bekommen, und andere bleiben zu Hause, weil ihnen die Lage zu unsicher ist“, sagt Alexander Fest, Direktor für private Kunden bei der Berliner Sparkasse. Zehn Prozent hatten sogar bereits einen Trip geplant, diesen aber wieder storniert.

Zu ihnen gehört auch Sven Mücklich. „In diesem Sommer sollte es nach Vorder- und Zentralasien gehen. In Kasachstan wollten wir uns unbedingt die neue Hauptstadt Nur-Sultan (bis 2019 Astana) und in Aserbaidschan Baku und einzelne Regionen im Land anschauen.“

Er habe die Reisepläne dann geändert und mit seinem Mann eine Vielzahl an touristischen Sehenswürdigkeiten im Geschäftsgebiet besucht.  „In der Umgebung von Chemnitz gibt es viele Burgen und gute Rad- und Wanderrouten. Zudem waren wir einige Tage in Magdeburg und Umgebung unterwegs.“ Die Änderung der Reisepläne hat Mücklich nicht bereut. 

Infektionszahlen sind entscheidend

Familie Verfürth aus Nürnberg hält indes an ihren Urlaubsplänen fest. „Wir sind Camper und fahren mit unserem Wohnwagen wie geplant Ende August für drei Wochen nach Kroatien ans Meer“, sagt Stefanie Verfürth. „Wir brauchen jetzt alle mal Tapetenwechsel.“

Einziger Wermutstropfen: Das Land auf dem Balkan ist zwar gut durch die Krise gekommen, aber zuletzt sind die Infektionszahlen gestiegen. Ein Risiko will die Familie natürlich nicht eingehen. „Wir beobachten das, und wenn es uns zu gefährlich erscheint, bleiben wir zuhause oder wählen ein anderes Ziel.“

Überzeugte Camper: Familie Verfürth reist in diesem Jahr mit dem Wohnwagen nach Kroatien.

Auch Reinhard Pasch von der Sparkasse Pforzheim Calw lässt sich von der Pandemie nicht die Ferien vermiesen. „Wir fahren zwei Wochen in die Bretagne, haben allerdings noch offengelassen, ob wir zum Abschluss wie geplant zwei Tage einen Stopp in Paris einlegen.“ Die deutlich höheren Infektionszahlen beim europäischen Nachbarn schrecken Pasch nicht. „Wir bewegen uns nicht in großen Menschenmengen.“

Mirko Ruhenstroth von der Stadtsparkasse München musste hingegen umplanen. „Beide Kinder sollten eine Woche auf Klassenfahrt gehen. Die wurde aber ersatzlos gestrichen, damit fiel mein geplanter Italien-Urlaub aus.“

Im August sollte es dann in die USA gehen. Auch diese Reise hat Ruhenstroth gestrichen und erholt sich jetzt lieber in Bayern.

Teil 1 der Serie über Sparkässler und die Coronapandemie lesen hier.

 

Eli Hamacher
– 31. Juli 2020