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Erhebung
52 Frauen in Sparkassenvorständen
Die kommende Frauenquote der Bundesregierung wird Sparkassen vorerst nicht treffen. Dabei gibt es in der Gruppe noch viel zu tun. Aktuelle Zahlen der SparkassenZeitung zeigen, dass es in 47 der 376 Sparkassen Frauen in den Vorstandsetagen gibt. In fünf Bundesländern liegt der Anteil derzeit noch bei Null.

Derzeit werden 16 Sparkassen bundesweit von einer Frau als Vorstandsvorsitzender geführt. Von aktuell 906 Sparkassenvorständen sind 52 weiblich. Das ergibt eine aktuelle Recherche der SparkassenZeitung. Bei drei regionalen Sparkassenverbänden und in fünf Bundesländern (Brandenburg, Bremen, Hamburg, Saarland und Schleswig-Holstein) gibt es kein einziges Institut mit einer Frau im Vorstand. Gegenüber den 329 Sparkassen, bei denen ausschließlich Männer im Vorstand sitzen, gibt es das nur bei drei Sparkassen.

Die Sparkassen sind laut einer Sprecherin des Bundesfamilienministeriums bei den geplanten Regulierungen der Bundesregierung ausgenommen. Sparkassen seien keine Bundesunternehmen, hieß es. Doch die öffentlich-rechtlichen Institute sollten dennoch einen Blick auf die Regelungen werfen, die in einem zweiten Schritt künftig durchaus Sparkassen betreffen könnten.

Frau bei mehr als drei Mitgliedern im Vorstand Pflicht

Die große Koalition hat sich auf eine gesetzlich vorgeschriebene Mindestbeteiligung von Frauen in Unternehmensvorständen geeinigt. Justiz- und Familienministerium sowie Unionsvertreterinnen teilten Ende vergangener Woche mit, dass erstmals Vorgaben für mehr Frauen in Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen gemacht werden.

Bei mehr als drei Mitgliedern muss danach künftig ein Mitglied eine Frau sein. Allerdings beschloss die Arbeitsgruppe der Koalition damit keine feste Frauenquote – denn auch in einem größeren Vorstand kann es theoretisch bei einer Frau bleiben. Ein Kabinettsbeschluss ist im Dezember geplant.

Für die Unternehmen mit Mehrheitsbeteiligung des Bundes wurde eine Aufsichtsratsquote von mindestens 30 Prozent und ebenfalls eine Mindestbeteiligung in Vorständen vereinbart. Bei den Körperschaften des öffentlichen Rechts wie den Krankenkassen und bei den Renten- und Unfallversicherungsträgern sowie bei der Bundesagentur für Arbeit soll ebenfalls eine Mindestbeteiligung eingeführt werden. "Hier gilt künftig: ab zwei Vorständen eine Frau", sagte CDU/CSU-Fraktionsvize Nadine Schön. "Das ist ein großer Schritt für mehr Diversität." Familienministerin Franziska Giffey (SPD) sprach von einem "historischen Durchbruch".

Sparkassenvorstände zu 95 Prozent Männer

Nach der Erhebung der SparkassenZeitung sind es derzeit 28 Sparkassen mit mehr als drei Vorstandsmitgliedern. Davon haben fünf zumindest eine Frau im Vorstand, 23 sind ohne weibliche Besetzung. Sollte die Regelung künftig einmal Sparkassen umfassen, gäbe es hier Handlungsbedarf. Würde die drastische Quote von mindestens einer Frau ab zwei Vorständen gelten, fehlten den Instituten mehrere hundert weibliche Führungskräfte.

In den Regionen sind die aktuellen Frauenanteile in der Vorstandsebene äußerst unterschiedlich. Am höchsten fällt der Wert für Mecklenburg-Vorpommern aus. Die neun Institute im Nordosten haben mit 35 Prozent mehr als ein Drittel Frauen in der obersten Führungsriege. Berlin erreicht mit einer Frau im Vierervorstand der Hauptstadtsparkasse 25 Prozent. In Niedersachsen und Sachsen sind es immerhin zehn Prozent und damit nahezu doppelt so viele wie im Bundesdurchschnitt. Der liegt bei 5,7 Prozent. (mit rtr)

Thomas Rosenhain
– 26. November 2020