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Finanzbildung
Sparkassenwissen in die Welt tragen
Ein Programm von der Deutschen Sparkassenstiftung und Förderkolleg soll helfen, junge Sparkassentalente rund um den Globus zu entsenden. Corona hat das im vergangenen Jahr erschwert - doch die Teilnehmer sind dennoch von dem Programm überzeugt.

Das Personalförderprogramm der Deutschen Sparkassenstiftung für internationale Kooperation und des Förderkollegs der Stiftung für die Wissenschaft (vormals Eberle-Butschkau-Stiftung) wurde stark von der Pandemie getroffen, aber die Idee lebt: Es geht darum, junge, kluge Köpfe aus der Sparkassen-Finanzgruppe in ausgewählte Projektländer der Deutschen Sparkassenstiftung rund um den Globus zu entsenden, damit sie dort ihr Wissen einbringen können.

Aufgrund der Pandemie wurde das „Treffen der Generationen“, das normalerweise in Bonn stattfindet, Ende Februar zum ersten Mal in den virtuellen Raum verlegt. Bei dem Treffen der Generationen geht es darum, dass „alte“ und „neue“ Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammenkommen, um ihre Erfahrungen auszutauschen.

„Ein ausgefallenes Jahr“

Niclaus Bergmann, Geschäftsführer der Deutschen Sparkassenstiftung für internationale Kooperation, berichtete, dass für die Bewerbungsrunde 2020/21 nur 17 Bewerbungen eingegangen seien, statt der normalerweise üblichen 40 bis 50 Bewerbungen. Dies sei vorwiegend der Pandemie geschuldet – ebenso die Tatsache, dass von der Vorjahresrunde, in der zwölf Kandidatinnen und Kandidaten ausgewählt wurden, nur ein Bewerber seinen Einsatz in der Türkei antreten konnte. Auch dieser musste aufgrund der Pandemie schon Mitte März letzten Jahres vorzeitig beendet werden.

Die Rückmeldungen seitens der entsendenden Institute seien aber weiterhin sehr positiv. Man gehe davon aus, dass mit Beendigung der Pandemie auch wieder mehr Kandidatinnen und Kandidaten ihr Interesse an einer Mitarbeit in den Projekten anmelden würden. In diesem Jahr wurden sechs Gewinnerinnen und Gewinner ausgewählt, die voraussichtlich in Mexiko, Usbekistan, im Kaukasus, in Indonesien, der Mongolei und im südlichen Afrika eingesetzt werden. Bergmann betonte aber: „Wir werden niemanden in ein Land schicken, in dem die Situation gefährlich ist oder werden könnte.“

Klaus Krummrich, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung für die Wissenschaft, bedauerte mit Blick auf die Pandemie-Situation 2020: „Das war ein ausgefallenes Jahr.“ Es sei sehr schade, dass man sich auch jetzt noch nicht persönlich treffen und austauschen könne. Das Programm, das nun schon im achten Jahr liefe, sei aber auf jeden Fall ein Erfolgsprogramm, denn wo sonst könne man im Ausland auf diese Weise praktische Erfahrungen sammeln und dabei ganz konkret Menschen vor Ort helfen.

Seit dem Startschuss des Programms im Jahr 2014 haben über 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der „Sparkassenfamilie“ diese Chance ergriffen. Doch nicht nur die Nachwuchstalente profitieren von dem Personalförderprogramm: Auch die Kolleginnen und Kollegen in den Projektbüros in 50 Ländern der Deutschen Sparkassenstiftung schätzen die Unterstützung durch die Nachwuchsfachkräfte in der Projektarbeit vor Ort sehr.

Nach der Kurzvorstellung der Gewinnerinnen und Gewinner für das Jahr 2021 hätten normalerweise die Erfahrungsberichte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem letzten Jahr auf der Tagesordnung gestanden. Da jedoch nur Benjamin Schliebener, Kollegiat des Förderkollegs und während seines damaligen Masterstudiums Werkstudent der Sparkasse Bamberg, seinen Einsatz in der Türkei antreten konnte, berichteten auch Fabian Ohl und Patrick Schmidt aus ihren Erfahrungen im Jahr 2019.

Fabian Ohl mit ugandischen Kindern.

Fabian Ohl von der Stadtsparkasse Düsseldorf war 2019 in Uganda und erzählte: „Die projektbezogene Arbeit in einem Entwicklungsland beinhaltet viele spannende Aufgaben, bei denen man sehr eigenständig und kreativ arbeiten kann. Der Umgang mit äußerst unterschiedlichen Fragestellungen, einer fremden Sprache und aus der heimischen Welt nicht erwartbaren Hindernissen trägt aus meiner Sicht in kürzester Zeit zur Persönlichkeitsentwicklung und -reifung bei. Außerdem erhält man die Chance, an Orte zu kommen und Einblicke in eine fremde Kultur zu erhalten, die man sonst nur schwerlich bekommen würde.“

Patrick Schmidt von der Sparkasse Bodensee konnte gleich in vier zentralasiatischen Ländern (Kirgisistan, Turkmenistan, Tadschikistan, Usbekistan) als Dozent in Fachseminaren für Führungskräfte lokaler Banken einen wichtigen Beitrag für den Erfolg der Projektarbeit leisten. Er betonte: „Für mich war es eine fantastische Gelegenheit, innerhalb der Sparkassenorganisation berufliche Auslandserfahrung zu sammeln. Es war ein unvergleichbar tieferes Eintauchen in die einheimischen Kulturen als bei jeder Urlaubsreise.“

Patrick Schmidt erklärt in einem Seminar in Turkmenistan die Sparkassen-Finanzgruppe.

Er sei mit völlig anderen Sorgen und Problemen konfrontiert worden und musste spontan und flexibel reagieren. Dies präge auch nach seiner Rückkehr den Alltag weiterhin. Schmidt: „Ich kann den Austausch auch deswegen empfehlen, da seitens der Deutschen Sparkassenstiftung eine hervorragende Vorbereitung, Organisation und Betreuung vor Ort gewährleistet wurde.“

Finanzbildung für Geflüchtete

Im Anschluss berichtete Benjamin Schliebener, der als einziger seinen Aufenthalt in der Türkei Anfang 2020 angetreten hatte. Er war dort im Projekt „Finanzielle Inklusion von Flüchtlingen und aufnehmenden Gemeinden in der Türkei“ tätig, das die Deutsche Sparkassenstiftung seit 2019 im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchführt.

70 Millionen Geflüchtete gebe es derzeit weltweit – davon befänden sich rund vier Millionen allein in der Türkei, berichtete Schliebener. Dies seien überwiegend syrische Flüchtlinge, die zum größten Teil langfristig in der Türkei bleiben würden. Insofern sei es wichtig, dieser Gruppe Zugang zum Gesundheitswesen, zu Bildung, Arbeit und wirtschaftlichen Chancen zu verhelfen.

Die Deutsche Sparkassenstiftung engagiere sich hier mit finanzieller Bildung für die Geflüchteten und fördere deren unternehmerische Aktivitäten insbesondere durch die Vernetzung mit dem türkischen Finanzdienstleistungssektor. Er habe bei der Entwicklung von Trainingsmodulen für Geschäftsentwicklungspläne für Start-ups und E‑Commerce mitgewirkt und unterstütze bei der Entwicklung des Webportals für das Projekt.

Auch Schliebener wurde dann von der Pandemie ausgebremst. Als bekannt wurde, dass die Grenzen geschlossen würden, flog er kurzfristig schon nach wenigen Wochen wieder nach Deutschland und arbeitete die verbleibende Zeit seines geplanten Einsatzes aus dem Home-Office in Deutschland. Dies sei sehr schade gewesen, betonte er, aber die Arbeit von Deutschland aus habe sich dann im Laufe der Zeit auch eingespielt.

 

Bewerbungsschluss Ende September

Wer im Bankenmarkt der Zukunft vorne bleiben möchte, der benötigt qualifizierte Mitarbeiter. Klugen Köpfen attraktive Perspektiven zu bieten, wird darum auch für Sparkassen immer wichtiger. Ein praxisbezogener Auslandseinsatz erweitert den Horizont und das persönliche Potenzial. Pro Jahr vergeben die Deutsche Sparkassenstiftung und das Förderkolleg der Stiftung für die Wissenschaft deshalb fünf bis zehn Stipendien an künftige Führungskräfte sowie die Kollegiaten und Alumni des Förderkollegs. Es ist vorgesehen, dass die Gewinnerinnen und Gewinner für jeweils vier bis acht Wochen in einem der weltweiten Projekte der Sparkassenstiftung tätig sind.

Infolge der Corona-Pandemie konnte der größte Teil der Teilnehmenden aus 2020 den Auslandseinsatz bislang nicht antreten.

Soweit es möglich ist, sollen diese Einsätze in der zweiten Jahreshälfte 2021 nachgeholt werden. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf die diesjährige Ausschreibung, die wie gewohnt im Sommer stattfinden wird mit Bewerbungsschluss zum 30. September 2021. Ansprechpartner für Interessenten ist Cornelia.mueller@sparkassenstiftung.de.

Christina Heuft, Deutsche Sparkassenstiftung
– 9. April 2021