Zurück
Chancengleichheit / Best of ...
Frauen und die Finanzgruppe
Die Mehrheit ist weiblich, die Zukunft auch? Eine kleine Bestandsaufnahme zum Internationalen Frauentag.

Seit genau 100 Jahren wird am 8. März der Internationale Tag der Frau gefeiert. Sind einstige Ziele wie das Frauenwahlrecht längst Normalität, ist die Chancengleichheit für viele noch immer nicht vollständig erreicht. Auch in der Sparkassen-Finanzgruppe sind die Posten ungleich verteilt: Zwei Drittel der Gesamtbelegschaft sind Frauen, über die Hierarchiestufen hinweg nimmt dieser Prozentsatz kontinuierlich ab – im Vorstand sind es dann noch gut fünf Prozent.

Eine Erhebung des Kollegen Thomas Rosenhain hat ergeben, dass lediglich 16 von bundesweit 372 Sparkassen von einer Frau als Vorstandschefin geführt werden. Von insgesamt über 900 Sparkassenvorständen in Deutschland sind ganze 52 weiblich.

Vor fünf Jahren hatten wir in der SparkassenZeitung ein Interview abgedruckt, das dieser Asymmetrie nachspüren sollte. Eine Sparkassenmitarbeiterin hatte vier Kinder bekommen. Nach ihrer Elternzeit fand man im Institut keine Verwendung mehr für sie und löste den Arbeitsvertrag schließlich auf. Über Umwege – die diplomierte Betriebswirtin arbeitete unter anderem als Sekretärin – kämpfte sie sich zurück in die Sparkasse und ist dort mittlerweile Managerin im ­Depot A.

Kritik hinter vorgehaltener Hand

Über ihre Erfahrungen hatte sie ein Buch geschrieben, unter einem Pseudonym. Auch das Interview führten wir nicht unter ihrem Klarnamen. Kritik, so ihre Erfahrung, sei in der Sparkassen-Finanzgruppe nicht willkommen. Unsere aktuelle Recherche anlässlich des Internationalen Frauentags hat diese Haltung bestätigt: Auch wenn sich Frauen in der Tagungspause und in geschlossenen Foren zum Teil deutlich Luft machen über männliche Präsenzkultur und „gläserne Decken“, will man diese Kritik in der SparkassenZeitung nicht wiederholen.

Prägnante Aussagen bekommt man fast ausschließlich von Frauen aus der Spitzengruppe. So forderte Irene Dullinger, neue Vorstandschefin der Sparkasse Regensburg, in einem Interview unlängst eine deutliche Konsolidierung der Verband- und Verbundstruktur. Marlies Mirbeth und Tanja Müller-Ziegler, Vorstandsfrauen aus München und Berlin, erzählten in einem Gespräch von Exotenstatus und ungeschriebenen Regeln und sagten klar: Alte Rollenbilder und Alphatier-Klischees müssen weg.

Thomas stellt Michael ein

Sabine Schölzel, im Vorstand der Sparkasse Lüneburg, sprach in einem Interview den sogenannten Thomas-Kreislauf an, der besagt, dass Manager bei Stellenbesetzungen oft unbewusst nach Ähnlichkeit und größtmöglicher Reibungslosigkeit streben. Männer rekrutieren also Männer. Was das mit Thomas zu tun hat? Im Jahr 2017 waren 93 Prozent aller deutschen Vorstände von Dax-Unternehmen männlich – und es gab mehr Vorstände, die Thomas oder Michael hießen (49), als es insgesamt Frauen gab (46).

Was aber können Arbeitgeber tun, um mehr Frauen an der Führung zu beteiligen? Experten raten dazu, leistungsfähige und -willige weibliche Talente gezielt anzusprechen und zu fördern, zum Beispiel in Mentoring-Programmen, wie das einige Verbände und Sparkassen bereits tun. Über das Mentoring des Westfälisch-Lippischen und des Rheinischen Sparkassenverbands oder der Sparkasse Nürnberg hatten wir berichtet.

Auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) hatte vor einigen Jahren ein bundesweites Mentoring-Programm ins Leben gerufen. Die ehemaligen Teilnehmerinnen haben das erfolgreiche Netzwerk „S-FiF“ gegründet, das sich regelmäßig trifft und weiterbildet. Zuletzt haben sich die Frauen mit DSGV-Präsident Helmut Schleweis zum Austausch getroffen.

Unternehmenskultur ist Chef*innensache

Konsequent auf paritätisch mit Männern und Frauen besetzte Führungsgremien und Doppelspitzen setzt Bernadett Fasshauer-Kotte. Sie ist Co-Leiterin des Newsrooms der Sparkassen-Finanzgruppe und Mitglied der Geschäftsleitung im Sparkassen-Finanzportal. In einem Kommentar sagt sie, Chancengleichheit müsse in der Unternehmenskultur verankert werden und sei damit klar Chef*innensache.

Bei der Versicherungskammer sind Führungspositionen, die auch in Teilzeit und/oder im Tandem ausgefüllt werden können, mittlerweile ebenfalls fester Programmpunkt in der Personalarbeit. Schließlich sind Frauen noch immer weitaus stärker in Erziehung und Pflege eingebunden als Männer. Ob Betriebskindergarten, flexible Arbeitszeit oder mobiler Arbeitsplatz: Jedes Angebot des Arbeitgebers, das die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert, hilft weiblichen Karrieren.

Was bei der Recherche zum Thema außerdem auffällt: Je jünger die Gesprächspartnerinnen, desto weniger sehen sich diese als Frauen benachteiligt, wie Aussagen von Sparkässlerinnen beweisen, die Stefanie Schlünz und Annelie Lawrenz vom Newsdesk zusammengetragen haben.

Und zuletzt sollte nicht vergessen werden: Viele Frauen fühlen sich in der Finanzgruppe einfach gut aufgehoben – für sie bedeutet Beruf schlichtweg ein nettes Team, ein wohnortnaher Arbeitsplatz und die Möglichkeit, in Teilzeit tätig zu sein. Die „drei Damen von der Sparkasse“, mit denen die Kollegin Anke Bunz gesprochen hat, könnten repräsentativ für eine große, stille Mehrheit stehen.

Silvia Besner
– 8. März 2021