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Preisträger des Förderkollegs / Interview
„Was gestern unmöglich schien, ist heute selbstverständlich“
Julian Gödde und Simon Janikowski haben unterschiedliche Studien- und Lehrgänge höchst erfolgreich durchlaufen. Wie beide erklären, wirkten sich coronahalber angestoßene Prozesse günstig auf die Weiterbildung aus. Doch es gebe auch Risiken.

Die Stiftung für die Wissenschaft hat auch in diesem Jahr dem Jahresbesten beim Abschluss des MBA-Studiengangs im Programm Lehrinstitut mit MBA an der Hochschule für Finanzwirtschaft & Management einen Preis verliehen. Preisträger ist Julian Gödde von der Kreissparkasse Steinfurt.

Zudem wurde zum zweiten Mal ein Bestenpreis beim Verbandsprüferexamen ausgelobt, der in diesem Jahr an Simon Janikowski ging. Jankowski ist an der Prüfungsstelle des Sparkassenverbands Bayern tätig.

Herr Gödde, warum haben Sie sich für den Studiengang Lehrinstitut mit MBA entschieden?

Julian Gödde: Die Auswahl von möglichen Fortbildungen im Anschluss an mein Bachelorstudium erfolgte in enger Abstimmung mit der Personalabteilung der Kreissparkasse Steinfurt. Grundsätzlich stand relativ schnell fest, dass ich mich innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe weiterbilden möchte.

Das Lehrinstitut mit seiner langen Tradition oder ein klassisches Studium an der S-Hochschule waren die naheliegendsten Optionen. Weil beide Studiengänge zusammengelegt wurden, fiel mir die Wahl sehr leicht.

 

Preisträger Julian Gödde. Ihm stehen künftig bei der Kreissparkasse Steinfurt berufliche Optionen offen.


Haben sich Ihre Erwartungen an die Ausbildung erfüllt?

Gödde: Es war es schwer einzuschätzen, was mich wirklich erwartet. Meine größte Hoffnung war, dass wir trotz der Neugestaltung ein gutes Netzwerk unter den Studierenden aufbauen können – was wir rückblickend definitiv geschafft haben.


Wie war es bei Ihnen, Herr Janikowski. Was hat Sie bewogen, eine Ausbildung zum Verbandsprüfer zu machen?

Simon Janikowski: Als Kind der Sparkassen-Finanzgruppe und eingefleischter Kreditler mit Führungsverantwortung war es mir ein wichtiges Anliegen, ab einem gewissen Zeitpunkt einen Blick über den gewohnten Tellerrand hinaus werfen zu können.


Welche Fragen haben Sie dabei beschäftigt?

Janikowski: Wie ticken andere Sparkassen? Wie sind deren Aufbau- und Ablauforganisationen strukturiert und wie sind die verschiedenen Betriebsbereiche einer Sparkasse im Detail miteinander verzahnt? Dabei stellte sich für mich schnell heraus, dass speziell die weitgefächerte Tätigkeit des Verbandsprüfers es ermöglicht, Fragen dieser Art zu beantworten.

Das trägt entscheidend dazu bei, den eigenen Horizont und Erfahrungsschatz ungemein zu erweitern. Somit wurden auch meine Erwartungen und Ansprüche hinsichtlich dieser Aus- und Fortbildung in keinem Fall enttäuscht.

 

Preisträger Simon Janikowski begrüßt den Digitalisierungstrend in der Ausbildung, hält aber auch informellen Austausch und persönlichen Kontakt für wichtig.


Sie beide sind für Ihre hervorragenden Studienleistungen von der Stiftung für die Wissenschaft ausgezeichnet worden. Was bedeutet Ihnen diese Anerkennung?

Gödde: Ehrlicherweise habe ich zu keinem Zeitpunkt mit dieser Auszeichnung gerechnet. Ich freue mich natürlich sehr, dass die intensiven Jahre im Studium zusätzlich in dieser Form honoriert werden.

Janikowski: Als ich über die Auszeichnung informiert wurde, habe ich mich sehr gefreut. Es zeigt, dass sich entsprechendes Engagement auch in schwierigen Zeiten, wie wir sie derzeit durchleben, lohnt und auch entsprechend gewürdigt wird.


Wie können Sie den Preis in der Praxis zu nutzen, gerade auch mit Blick auf die schwierigen Zeiten?

Janikowski: Eine konkrete Planung steht derzeit noch aus. Wichtig ist mir, dass der Einsatz des Bestenpreises gezielt meinem neuen beruflichen Umfeld dienlich ist und mit einem praxisorientierten Mehrwert verbunden ist.

Gödde: Durch die lange Frist, in der ich den Preis verwenden kann, fühle ich mich zurzeit noch nicht gedrängt, einen Notfallplan für die aktuellen Umstände zu entwerfen. In ersten Gesprächen mit meinem Vorstand wurde bereits Rückendeckung für verschiedene Optionen signalisiert, was mir zusätzlich die Möglichkeit gibt, alles Weitere ganz in Ruhe auf mich zukommen zu lassen.    


Wie beeinflusst die Coronapandemie die Abläufe in den Studien- und Weiterbildungsangeboten. Wie sehen Studierende die Veränderungen?

Janikowski: Hier lässt sich eine Verstärkung des Trends zum dezentralen mobilen Lernen und Arbeiten erkennen. Was gestern in regional agierenden Unternehmen wie den Sparkassen noch unmöglich schien, ist heute selbstverständlich.

Die voranschreitende Digitalisierung erlaubt gänzlich neue Wege der Wissensvermittlung sowie der orts- und zeitunabhängigen Arbeitsverrichtung.

Diese Entwicklung ist insgesamt zu begrüßen, wobei die Erfahrungen aber auch regelmäßig zeigen, dass ein gänzlicher Verzicht auf einen persönlichen kommunikativen Austausch nicht zielführend ist. Insbesondere leiden der informelle Gedankenaustausch und das Social Networking stark unter den derzeitigen Einschränkungen.

Zudem sind komplexe oder auch kritische Themengebiete in einer Face-to-Face-Situation oftmals leichter zu vermitteln und zu klären, als es bei der Nutzung rein digitaler Medien möglich wäre. Hier gilt es letztlich einen sinnvollen Mix zu finden.


Gödde: Die Corona-Pandemie hat uns gezwungen, gewachsene Strukturen und Prozesse von heute auf morgen neu auszurichten und die Digitalisierung stark voranzutreiben.

Trial-and-Error und kurze Entscheidungswege waren dabei fundamental wichtig. Oft ging es nicht mehr darum, ob wir etwas möglich machen, sondern wie wir das schaffen. Ich hoffe, dass wir einen Teil dieser Dynamik und Experimentierfreudigkeit auch in Zukunft beibehalten.

19. November 2020