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Private Haushalte
Weniger Insolvenzen – Zahl könnte bald steigen
Die Zahl Privatinsolvenzen in Deutschland verringerte sich im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,4 Prozent. Doch die Krisenfolgen könnten sich schon bald bemerkbar machen.

Die Privatinsolvenzen in Deutschland verringerten sich im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,4 Prozent. In den ersten sechs Monaten des Jahres mussten 38.695 Verbraucher eine Insolvenz anmelden. Das waren so wenige wie seit 2004 nicht mehr.

Zu diesem Ergebnis kommt der Informationsdienstleister Crifbürgel im Schuldenbarometer für das erste Halbjahr 2020. In der ersten Jahreshälfte sei in Summe bisher kaum ein Effekt der Coronakrise auf die Entwicklung der Privatinsolvenzen zu sehen.

Vor der Krise seien die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für viele Verbraucher noch gut gewesen. Der Rückgang der Privatinsolvenzen lag wie in den vergangenen Jahren vor allem an der niedrigen Arbeitslosenquote in Deutschland.

Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit werden Insolvenzzahlen in die Höhe treiben

Im Vergleich zum Vorjahr habe sich die Zahl der Arbeitslosen im Juni 2020 mittlerweile aber um 637.000 Personen oder 29 Prozent erhöht. Zudem wurde bis Juni für mehr als elf Millionen Menschen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt.

Für das zweite Halbjahr erwartet Crifbürgel daher bis zu 85.000 Privatinsolvenzen in Deutschland, im nächsten Jahr könnten es mehr als 100.000 werden. Wenn die Arbeitslosigkeit ansteige, werde es wieder mehr Insolvenzen geben. Auch der starke Anstieg von Kurzarbeit werde die Insolvenzzahlen  erhöhen.

Bereits jetzt gelten etwa 6,8 Millionen Bürger als überschuldet. Für viele könnte ein Schock auf der Einkommensseite für ein erhöhtes Risiko einer Privatinsolvenz sorgen. Zudem haben Soloselbstständige und Honorarkräfte aus unterschiedlichsten Branchen von einem Tag auf den anderen ihr komplettes Einkommen verloren.

Bremen und Niedersachsen als Insolvenzhochburgen

Die nördlichen Bundesländer sind auch 2020 stärker von Privatinsolvenzen betroffen als der Süden Deutschlands. Bremen führte die Statistik im ersten Halbjahr 2020 mit 90 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohnern an. Es folgt Niedersachsen mit 68 Insolvenzfällen je 100.000 Einwohner.

Im Bundesdurchschnitt wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 47 Privatpleiten je 100.000 Einwohner angemeldet. Über diesem Schnitt rangieren auch die Länder Sachsen-Anhalt (63), Schleswig-Holstein (62), Saarland und Hamburg (je 56). Am wenigsten Privatinsolvenzen meldeten im ersten Halbjahr Bayern (30 Fälle je 100.000 Einwohner), Baden-Württemberg (35) und Thüringen (36).

In der Statistik der absoluten Privatinsolvenzzahlen stehen Nordrhein-Westfalen (8.825), Niedersachsen (5454) und Baden-Württemberg (3929) an der Spitze. In vier Bundesländern sind die Fallzahlen angestiegen, allen voran Bremen mit einem Plus von 8,3 Prozent.

Deutlich verringert haben sich die Fallzahlen hingegen in Mecklenburg-Vorpommern (minus 19,4 Prozent), Hamburg (minus 18,0 Prozent), Schleswig-Holstein und Saarland (jeweils minus 16,7 Prozent) und in Thüringen (minus 16,0 Prozent).

3. September 2020