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Stiftungsprojekt in Sambia
„Mein Herz schlägt für die Menschen vor Ort“
Reinhold Hörnle, Mitarbeiter der Kreissparkasse Biberach, koordiniert in Sambia Projekte der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation. Das südafrikanische Land sei ihm zur zweiten Heimat geworden, sagt Hörnle im Interview.

Seit  März 2019 ist Reinhold Hörnle, Vermögensberater Firmenkunden bei der Kreissparkasse Biberach, freigestellt, um Projekte der Sparkassenstiftung in Sambia zu begleiten. Im März 2020 kehrte Hörnle coronahalber nach Deutschland zurück und arbeitet seitdem zu Hause für die Stiftung.

Herr Hörnle, was hat Sie vor eineinhalb Jahren dazu bewogen, in Biberach alle Zelte abzubrechen und in eines der ärmsten Länder der Welt zu gehen?

Reinhold Hörnle: Das Fernweh. Ich bin seit über dreißig Jahren im Bankwesen tätig und in dieser Zeit auch viel gereist. Mein Traum war allerdings, auch mal in einem fernen Land zu leben und zu arbeiten.

Diesen Traum habe ich 2008 als Entwicklungshelfer in Uganda verwirklicht, wo ich über fünf Jahre war. Bei der Kreissparkasse Biberach habe ich die Option bekommen, für Projektarbeiten der Sparkassenstiftung verfügbar zu sein.

 

Hörnle erklärt bei einem Schulwettbewerb, was Sparen bewirken kann.

Was tun Sie bei der Stiftung?

Hörnle: Die Sparkassenstiftung suchte kurzfristig einen Projektleiter für ihre Aufgaben in Sambia, der ohne große Vorbereitungszeit starten konnte. Die Kreissparkasse Biberach war bereit, die Stiftung zu unterstützen und mich für die Aufgabe freizustellen. Dieses Angebot habe ich dankbar angenommen.

Was sind Ihre Aufgaben in Sambia?

Hörnle: Ich steuere und koordiniere als Projektleiter vor Ort die Aufgaben der Stiftung. Die Stiftung arbeitet eng mit der Zentralbank von Sambia zusammen. In den Räumen der Bank in Lusaka, der Hauptstadt von Sambia, haben wir auch unser Büro.

Wie können Stiftungsprojekte Menschen den Weg aus der Armut weisen?

Hörnle: Die Stiftung führt Projekte in allen Bankbereichen durch, konzentriert sich aber auf vier Schwerpunkte: Training und Personalentwicklung, Finanzielle Bildung, Finanzierung kleinster, kleiner und mittlerer Unternehmen und die Entwicklung regionaler Institute.

 

Hörnle koordiniert beispielsweise Planspiele und interaktive Trainings.

Viel Arbeit für ein Team von vier Mitarbeitern.

Hörnle: Wir bekommen das hin über ein gut funktionierendes Netzwerk, das die Stiftung in den vergangenen Jahren aufgebaut hat und verschiedene Projekte, die über einen begrenzten Zeitraum laufen und von einzelnen Sparkassen begleitet werden.

Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer Arbeit?

Hörnle: In der Vermittlung von Grundwissen. Wir bilden Trainer aus und zertifizieren sie. Diese fungieren als Multiplikatoren und geben ihr Wissen an Gruppen und Organisationen weiter.

Dazu setzen wir unterschiedliche Planspiele ein, die sich beispielsweise an Banken, Mikrofinanzinstitute, Kleinunternehmer, Landwirte und private Haushalte richten. Außerdem arbeiten wir mit dem National Museum in Lusaka zusammen, wo wir Schulklassen spielerisch finanzielle Grundbildung und den Spargedanken vermitteln.

Auch führen wir Schülerwettbewerbe zum Thema Geld und Sparen durch. Darüber hinaus organisieren wir eine Woche der Finanzkompetenz, haben den Weltspartag eingeführt, organisieren Radiosendungen für Marktfrauen, Radio-Quiz-Shows für Jugendliche und sind auf Ausstellungen präsent.

 

Hörnle mit einem Kollegen aus dem Fußballteam beim Banker Sports Day in Lusaka.

Wie ist die Resonanz auf diese Angebote?

Hörnle: Die Nachfrage nach einer Zusammenarbeit mit uns und unseren Schulungen ist riesig und die Resonanz der Teilnehmer einfach überwältigend. Die Leute sind so dankbar, dass wir sie unterstützen.

Am Ende eines Trainings beispielsweise wird nicht einfach nur applaudiert. Oft singen die Teilnehmer noch zum Abschluss oder führen einen Tanz auf. Das gibt der Arbeit eine ganz andere Erfüllung.

Wer finanziert die Projekte?

Reinhold Hörnle: Die Stiftungsarbeit selbst wird aus Stiftungserträgen und Spenden der Mitgliedssparkassen getragen.

Für die einzelnen Projekte gibt es Fördermittel vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, von der KfW, der EU, der Weltbank und von anderen Organisationen.

Wir schließen mit unseren Projektpartnern Verträge, in denen alle Leistungen definiert sind. Denn wir erwarten von unseren Partnern Eigenanteile, indem sie beispielsweise die Verpflegung der Teilnehmer übernehmen.

Corona ist leider auch in Sambia ein Thema. Die Schulungen und Trainings sind Präsenzveranstaltungen, Sie arbeiten in Deutschland und zu Hause. Wie geht es weiter?

Reinhold Hörnle: Die Lage ist insbesondere für unsere Trainer dramatisch, denn ihnen sind die Einnahmen weggebrochen. Zur Existenzsicherung haben wir virtuelle Klassenräume organisiert, um Schulungen anbieten zu können.

Das war aber nicht so einfach und hat uns vor große Herausforderungen gestellt. Es gibt ja nicht überall Internet und Strom. In einem Flüchtlingscamp an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo fand jetzt erstmals wieder ein Präsenz-Training mit Hygieneauflagen statt.

Demnächst wollen Sie wieder nach Sambia reisen. Geht das Projekt weiter?

Hörnle: Ja. Das aktuelle Projekt, für das ich von der Kreissparkasse freigestellt worden bin, endet im Dezember. Ich habe mich entschieden weiterzumachen, die nächste Projektphase von Januar 2021 bis Ende Juli 2023 zu leiten und werde daher leider schweren Herzens bei der Kreissparkasse ausscheiden. Denn mein Herz schlägt jetzt für die Menschen in Sambia.

Das Interview ist in "Interna", Mitarbeitermagazin der Kreissparkasse Biberach, erschienen.

 

Bildergalerie:

Finanzwissen anhand von Planspielen
Bei verschiedenen interaktiven Trainings für Selbstständige (Landwirte, Geschäftsleute, Handwerker und andere) und private Haushalte wird den Teilnehmern finanzielles Grundwissen vermittelt und ihre unternehmerischen Fähigkeiten gestärkt. Ziel ist beispielsweise das erfolgreiche und nachhaltige Bewirtschaften einer Farm.

Ursel Straub-Neumann, Kreissparkasse Biberach
– 23. November 2020

Sandra R.

Toll 😊