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Was macht…Thomas Neiße
Mord im Bankenviertel
Der frühere Deka-Investment-Manager Thomas Neiße hat einen Wirtschaftskrimi geschrieben. Ähnlichkeiten mit realen Personen seien rein zufällig.

Im Wirtschaftsleben geht es nicht immer friedlich zu. Jüngstes Beispiel für Kriminalität ist die betrügerische Pleite von Wirecard. Aber auch ohne kriminelle Energie wird im Wettstreit der Unternehmen mit harten Bandagen gekämpft, man denke nur an die Familienfehde der Piechs und Porsches. Bei diesem absurden Kräftemessen versuchen zwei Weltkonzerne, sich gegenseitig aufzukaufen.…

In Thomas Neißes Wirtschaftskrimi „Tanz der Banken“ geht es um zwei Phantasie-Banken, die  sich gegenseitig in Besitz nehmen wollen. Die Übernahmeschlacht wird zum Krieg und endet mit Mord und Totschlag, gefallenen Managern und zerstörten Existenzen.

„So spannend kann also Wirtschaft sein“, schreibt eine Leserin, und mancher Glückwunsch zum gelungenen Romandebüt kommt auch von den Ex-Kollegen aus der Sparkassen-Finanzgruppe. „Darüber habe ich mich natürlich besonders gefreut“, sagt Neiße.

 

Thomas Neiße mit seinem Buch

Grundthema Übernahme kennt Neiße aus eigener Erfahrung

Gleichwohl ist es ein trübes Licht, das der heute 72-Jährige mit seiner spannenden Geschichte auf den Frankfurter Bankensektor wirft. Der Leser spürt gleichwohl die intime Kennerschaft, die das geschilderte Milieu so realistisch erscheinen lässt.

Neiße winkt ab: „Mein Buch ist ein fiktiver Roman, Ähnlichkeiten mit realen Personen sind rein zufällig.“ Doch weil Neiße Geschäftsführer und Vorstand großer Geschäftsbereiche von Bankhäusern war, liegt die Frage nach realen Hintergründen nicht ganz fern.

Sehr real nennt Neiße das Grundthema des Buchs. In seinem Berufsleben habe er manche Übernahme selbst erlebt oder zumindest beobachtet: „Nach meiner Erfahrung ist es sehr schwierig, Unternehmen miteinander zu verschmelzen.

Dies ist die Bühne, auf der sich die Motive meiner Figuren ins Destruktive verkehren, das Unternehmensheil aus den Augen verloren wird und plötzlich Menschen gegen Menschen kämpfen. Diese Probleme sind sicherlich real, meine Geschichte aber ist Phantasie.“

Brüche prägen auch Neißes Biographie

Umbrüche und Abgründe, die die Romanfiguren zu einer wie fremdgesteuerten Schicksalsgemeinschaft werden lassen, kennzeichnen auch Neißes eigene Biographie. Ein stabiles familiäres Umfeld blieb ihm verwehrt.

Chancen gab es wenige, doch er biss sich durch. Eine Lehre zum Schriftsetzer war der erste Schritt ins Berufsleben, in der Abendschule und im Abendgymnasium holte er neben dem Job die Hochschulreife nach.

Erst spät kam er an die Universität, studierte VWL und startete neu – diesmal als Analyst bei Deutsche Bank Research. Stromlinienförmig verlief die Karriere aber auch danach nicht: „Ich war ein Freigeist und bin gerne Risiken eingegangen. Durch meinen Lebensweg wusste ich, dass man dem Schicksal mit Fleiß und Beharrlichkeit ein Schnippchen schlagen kann“.

Neun Jahre Leiter der Deka Investment

Nach einem Zwischenspiel als Leiter Asset Management bei der damaligen Bayerischen Vereinsbank, der späteren Hypovereinsbank, sprang er ins kalte Wasser und gründete eine eigene Aktien-Ratingagentur. 2004 kam er zur Dekabank, leitete neun Jahre lang Deka Investment. Seit 2010 war er Präsident des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI).

Zwei Jahre harte Arbeit und das nächste Buch entsteht gerade

Die Idee zum Buch hatte er schon länger im Kopf, allerdings zeigte sich schnell, dass eine fast 400 Seiten starke Geschichte nicht im Vorbeigehen fertig wird.

„Das Schreiben macht mir natürlich in erster Linie Freude, ist aber gleichzeitig harte Arbeit. Handlungsstränge müssen weitergeführt werden, Figuren müssen sich nachvollziehbar entwickeln, die Dialoge müssen stimmig sein."

Es habe darum zwei Jahre gedauert, bis der Roman fertiggestellt war, obwohl er fast jeden Tag etliche Stunden dran gesessen habe. Das tut Neiße zurzeit wieder, denn der nächste Roman ist schon in Arbeit.

 

Thomas Neiße: Tanz der Banken / Ein Wirtschaftskrimi. R. G. Fischer Verlag 2020, 372 Seiten, 26,90 Euro

 

3. Dezember 2020