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BBL_Bankstellennetz 2020
Pandemie beschleunigt Zweigstellenabbau
Der harte Lockdown im vergangenen Frühjahr hat einen deutlichen Digitalisierungsschub ausgelöst. Er wirkt sich auf alle Bankgeschäfte und damit auch auf die Entwicklung der Zweigstellen aus.

Die Daten der Bundesbank zeigen einen deutlich beschleunigten Abbau von Bankstellen in 2020: Danach sind im vergangenen Jahr in Deutschland 2605 beziehungsweise 9,2 Prozent der Bankstellen1 weggefallen. Im Vorjahr waren es -1.286, beziehungsweise -4,3 Prozent.

Das ist der höchste Wert der vergangenen 20 Jahre. Allenfalls 2006 gab es einen Abbau in vergleichbarer Höhe mit -8,2 Prozent – zurückzuführen auf den Zweigstellenabbau der Postbank.2

Auch 2020 wird die Dynamik überwiegend getrieben vom Nachfolgeinstitut der Postbank beziehungsweise der Deutschen Bank, wenngleich auch genossenschaftliche Banken und Sparkassen ihr Zweigstellennetz stärker ausgedünnt haben als im Vorjahr.

Die aktuelle Situation hat den Anpassungs- und Kostendruck, unter dem die gesamte Branche steht, noch verstärkt: Der über die Pandemie ausgelöste Digitalisierungsschub führt zu einer deutlich beschleunigten Verlagerung der Bankgeschäfte von stationären zu medialen Kanälen. Zu erwarten ist, dass kostenintensive Standorte künftig noch weniger genutzt werden als bisher.

Dynamik des Bankstellenabbaus hoch

In der letzten Dekade sind insgesamt 36 Prozent der Bankstellen in Deutschland (siehe Abb. 1) abgebaut worden – seit 2012 mit steigender Intensität. Die kurzfristige Abschwächung in 2013 ist ausschließlich auf den Anstieg von Partnerfilialen der Postbank zurückzuführen und deshalb für die Gesamtentwicklung nicht relevant.

Während der Abbau bei den Kreditinstituten im vergangenen Jahr milder verlaufen ist (-38; -2,2 Prozent; Vorjahr: -66, -3,7 Prozent), hat die Dynamik bei den Zweigstellen recht deutlich zugenommen: 2020 sind fast zehn Prozent der Bankfilialen (absolut 2567) weggefallen.

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Auch langfristig ist der Rückgang bei Zweigstellen ausgeprägter als bei Kreditinstituten (seit 2010: -36,9 gegenüber -19,8 Prozent). Vermutlich sind infolge der Pandemie einige Fusionspläne zunächst zurückgestellt worden.

Zweigstellen während des Lockdowns vorübergehend zu schließen, hat dagegen in einigen Fällen dazu geführt, kostenintensive und wenig genutzte Stand­orte schneller als ursprünglich geplant zu überprüfen. Ein Teil der Filialen ist somit nach dem Lockdown erst gar nicht wieder in Betrieb genommen worden.

Zum Jahresende 2020 verzeichnet die Bundesbank für den deutschen Bankenmarkt 1679 Kreditinstitute und 24.100 Zweigstellen.


Gedämpfte Entwicklung bei Kreditinstituten

Bei den Kreditinstituten geben unverändert die genossenschaftlichen Banken das Tempo vor. Die Zahl ihrer Institute sinkt um 26 beziehungsweise 3,1 Prozent auf 818. Wie allerdings schon in den vergangenen beiden Jahren fällt der Abbau 2020 moderater aus als im Vorjahr (-34 Institute, -3,9 Prozent).

Seit 2010 ist der genossenschaftliche Sektor insgesamt um gut 28 Prozent geschrumpft (siehe Abb. 2). Das sind im Durchschnitt rund 31 Fusionen im Jahr – bezogen auf die letzten fünf Jahre sogar fast 40.

Anders als die Sparkassen verfügen die Kreditgenossenschaften über viele überwiegend kleinere Institute mit einer durchschnittlichen Bilanzsumme von 1,31 Milliarden Euro (Stand: 12/2020)3 – als Ergebnis des Konzentrationsprozesses mit steigender Tendenz (2019: 1,16 Milliarden Euro; 2010: 617 Millionen Euro). Auf den Gesamtmarkt bezogen, stellt der genossenschaftliche Sektor fast die Hälfte aller Kreditinstitute in Deutschland.

Die Zahl der Sparkassen ist 2020 um drei beziehungsweise 0,8 Prozent auf 377 Institute (Vorjahr: -6 Institute, -1,6 Prozent) gesunken. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Sparkassen über Fusionen um 52 (gut zwölf Prozent) reduziert. Das sind im Durchschnitt knapp fünf Fusionen pro Jahr.

Rein rechnerisch verfügen Sparkassen über eine durchschnittliche Bilanzsumme von 3,88 Milliarden Euro pro Institut. Auch hier steigt die durchschnittliche Größe aufgrund der Fusionen (2019: 3,53 Milliarden Euro; 2010: 2,52 Milliarden Euro).4

Seit Jahresbeginn 2021 hat die Dynamik allerdings wieder zugenommen. In den ersten drei Monaten gab es insgesamt fünf Fusionen. Die Sparkassen verfügen damit aktuell inklusive Berliner Sparkasse (die die Bundesbank seit 2018 nicht mehr zu den Landesbanken zählt) über 372 Institute.

Auch bei den Kreditbanken verzeichnet die Bundesbank 2020 weniger Fusionen als im Vorjahr (-4, -1,5 Prozent; Vorjahr: -7, -2,5 Prozent). Die Zahl der Großbanken reduziert sich um eine (das Nachfolgeinstitut der Postbank, DB Privat- und Firmenkundenbank, geht in der Deutschen Bank auf), Regional- und sonstige Kreditbanken verringern sich moderat um zwei Institute (-1,3 Prozent, Vorjahr: -5, -3,2 Prozent).

Die Zahl der Institute von Zweigstellen ausländischer Banken sinkt lediglich um eine beziehungsweise 0,9 Prozent (Vorjahr: -2, -1,7 Prozent). Insgesamt ist der Sektor in den vergangenen zehn Jahren um zehn Prozent geschrumpft – das sind im Durchschnitt gut zwei Fusionen pro Jahr

Starke Dynamik bei Zweigstellen

Die meisten Zweigstellen sind im vergangenen Jahr im privaten Bankensektor abgebaut worden: Hier sind insgesamt 1148 Filialen (-15,7 Prozent) weggefallen – ein deutlicher Einbruch nach der sehr moderaten Entwicklung im Vorjahr (-131, -1,7 Prozent).

Der größte Teil davon geht mit -1073 Zweigstellen (-17,3 Prozent) auf das Konto der Großbanken – laut Bundesbank überwiegend zulasten der Deutschen Bank (-869), in geringerem Maße auch der Commerzbank (-180).

Regional- und sonstige Banken verzeichnen einen Nettoabbau von 73 Zweigstellen (-6,0 Prozent). Die Anzahl Zweigstellen ausländischer Banken nimmt um zwei (-1,2 Prozent) ab. Die Kreditbanken verfügen damit insgesamt noch über 6453 Zweigstellen.

Die genossenschaftlichen Banken verzeichnen ebenfalls einen deutlich stärkeren Abbau als im Vorjahr: 706 Filialen sind geschlossen worden (-8,3 Prozent; Vorjahr: -471, -5,3 Prozent). Für 2020 sind der Bundesbank noch 7765 Zweigstellen gemeldet worden.

Die Sparkassen haben im Vergleich der Bankengruppen 2020 die wenigsten Zweigstellen geschlossen (-653, -7,3 Prozent). Dennoch ist auch hier der Abbau im Vergleich zum Vorjahr forcierter verlaufen (2019: -521, -5,5 Prozent). Sie verfügen zum Jahresende 2020 inklusive Berliner Sparkasse über 8318 Filialen bundesweit.

Alle Bankengruppen haben damit ihr Zweigstellennetz in den vergangenen zehn Jahren stark reduziert: Die Entwicklung bei genossenschaftlichen Banken und Sparkassen ist nahezu identisch verlaufen, mit Spitzen jeweils 2016, 2017 und 2020. Insgesamt ist jeweils ein gutes Drittel der Zweigstellen über diesen Zeitraum abgebaut worden. Rund vier Prozent pro Jahr, wie Abbildung 2 zeigt.

Bei den Kreditbanken war der Abbau in der Regel moderater, unterbrochen von massiven Abschlägen in den Jahren 2012, 2018 und 2020, die jeweils überwiegend auf die Postbank (beziehungsweise Deutsche Bank) zurückzuführen sind.

Insgesamt wurde die Zahl der Zweigstellen in diesem Sektor über das letzte Jahrzehnt um gut 40 Prozent reduziert – pro Jahr um durchschnittlich -4,5 Prozent. Bis einschließlich 2017 haben die Kreditbanken mit minus 20 Prozent deutlich unter diesem Wert gelegen.

Der Aufbau von Zweigstellen bei den Großbanken – bedingt durch die Partnerfilialen der Postbank – hatte sich 2013 dämpfend auf die Gesamtentwicklung ausgewirkt. Mit den starken Einbrüchen 2018 und 2020 liegen die Werte jetzt über denen des genossenschaftlichen und des öffentlich-rechtlichen Sektors (siehe Abb. 2).

Sparkassen betreiben jede dritte Zweigstelle in Deutschland

Aufgrund des starken Filialabbaus im privaten Bankensektor verschieben sich die Anteile 2020 deutlich in Richtung Sparkassen und genossenschaftliche Banken. Die Sparkassen verfügen mit knapp 35 Prozent weiterhin über das größte Zweigstellennetz in Deutschland (siehe Abb. 3), gefolgt vom genossenschaftlichen Sektor mit 32 Prozent.

Sparkassen sind damit weiterhin gut in der Fläche vertreten. Die Schließung von Filialen ging auch nicht zulasten einzelner Räume. Die Verteilung zwischen den unterschiedlichen Siedlungsgebieten (städtisch, ländlich, Regionen mit Verstädterungsansätzen) ist, wie Abbildung 4 belegt, über die letzten zehn Jahre weitgehend stabil geblieben.

Fazit und Ausblick

Auch für das Jahr 2021 ist ein stärkerer Abbau an Zweigstellen zu erwarten. Die Überprüfung von Standorten ist – ausgelöst durch die Schließungen 2020 – ohne Zweifel noch im Gang. Darüber hinaus gibt es bereits Ankündigungen von Deutsche Bank und Commerzbank, ihr jeweiliges Netz über die nächsten Jahre massiv auszudünnen.

Infolge der Pandemie nutzen Kunden noch mehr als schon bisher mediale Kanäle für ihre Bankgeschäfte. Für wichtige Anlageentscheidungen jedoch, das zeigen Umfragen, legen Bankkunden weiterhin Wert auf persönliche Beratung.

Filialstrukturen sind deshalb in den vergangenen Jahren nicht nur ab-, sondern auch umgebaut worden: Kleine, überwiegend serviceorientierte Strukturen werden durch größere, besser ausgestattete Filialen abgelöst, die umfassende Beratungsleistungen anbieten können.

Dieser Strukturwandel von der Zahlungsverkehrs- zur Beratungsfiliale lässt sich an der Entwicklung der Filialgrößen während des letzten halben Jahrhunderts nachvollziehen (siehe Abb. 5): 1970 lag der Schwerpunkt der Sparkassenfilialen noch auf den Kleinstfilialen mit einem/-r Beschäftigten – rund die Hälfte der Zweigstellen hatte diese Größe. Seither lässt sich eine schrittweise Entwicklung zugunsten größerer Einheiten beobachten.

Die Frage ist, inwieweit künftig auch die Beratung zunehmend über andere Kanäle abgedeckt werden wird – Banken und Sparkassen bieten die Möglichkeit zur Video- oder Online-Beratung bereits seit einiger Zeit an. Auch hier können die Erfahrungen des vergangenen Jahres zu einer weiteren Verschiebung der Kundenpräferenzen führen, die sich mittelfristig dann auch auf die Entwicklung der stationären Infrastruktur auswirken.

Autorin
Annette Ringwald ist Referentin beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in Berlin.

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  • 1. Die Zusammenstellung der Daten im Text wie auch in den Grafiken folgt der Nomenklatur der Bundesbank in der Bankenstatistik. Dort wird das genossenschaftliche Zentralinstitut den „Banken mit Sonderaufgaben“ zugeordnet und die Wertpapierhandelsbanken der Gruppe „In der monatlichen Bilanzstatistik nicht erfasste Bankengruppen“.
  • 2. Eigentlich: Rückzug aus Postagenturen (siehe Bankstellenbericht der Bundesbank 2006).
  • 3. Quelle: Bundesbank Bankenstatistiken I.3. Aktiva und Passiva nach Bankengruppen.
  • 4. 2010 noch ohne Berliner Sparkasse.
Annette Ringwald
– 18. Mai 2021