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Bilanz/Bayerische Sparkassen
Rekorde und viele neue Online-Kunden
Die Pandemie verändere die Zahlungsgewohnheiten, teilt der Sparkassenverband Bayern mit. Viele Kunden brauchten für ihre Bankgeschäfte keine Filiale mehr. Verbandspräsident Professor Ulrich Reuter präsentierte in der Bilanz viele Rekordzahlen.

Das Kreditvolumen der bayerischen Sparkassen ist im Vorjahr um 5,8 Prozent gewachsen und hat mit dieser höchsten Rate der vergangenen zehn Jahre erstmals die Rekordmarke von 150 Milliarden Euro überschritten, teilt der Sparkassenverband Bayern mit.

Auch das Kreditneugeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen habe zum Jahresende 2020 fast 20 Milliarden Euro betragen, ein Plus von 18,2 Prozent im Vorjahresvergleich. 2,1 Milliarden Euro oder 9970 Anträge fielen auf vermittelte staatliche Förderkredite.

„Gutes Krisenmanagement, die rasche Anpassung der Prozesse an die Ausnahmesituation und eine überaus effektive Unterstützung im Lockdown für Privat- und Unternehmenskunden haben die Kunden noch enger an ihre Sparkassen gebunden“, sagte Professor Ulrich Reuter, Präsident des Sparkassenverbands Bayern, bei der Präsentation der Bilanzzahlen. Das Augenmerk richte sich nun auf die Nachsorge bei Engpässen und auf die Begleitung des Aufschwungs nach der Pandemie.

 

Professor Ulrich Reuter, Präsident des Sparkassenverbands Bayern: „Effektive Unterstützung im Lockdown für Privat- und Unternehmenskunden haben die Kunden noch enger an ihre Sparkassen gebunden.“

Er rechne bei fortschreitenden Impferfolgen mit einer Belebung der Wirtschaft ab Jahresmitte, sagte Reuter: „Der Zinsüberschuss wird zwar weiter sinken, doch wir arbeiten sehr intensiv an den Kosten.“

Reuters Prognose: „Die Sparkassen in Bayern können im angelaufenen Jahr ihre Ergebnisse stabilisieren. Der Rückgang des Betriebsergebnisses wird sich meiner Überzeugung nach verlangsamen, weil viele Maßnahmen greifen.“

Reuter: Wirtschaft braucht keine „Dokumentations-Orgien“

Vor allem unterstützten Bayerns Sparkassen den Strukturwandel, indem sie die ökologische Transformation der bayerischen Wirtschaft finanzierten, sagte Reuter und kritisierte den Action Plan on Sustainable Finance der EU-Kommission als sehr bürokratisch. Für viele Unternehmen und ihre Kreditinstitute sei jetzt eine sehr viel detailliertere Dokumentation erforderlich.

„Wir müssen bald eine klare Grenze ziehen zwischen notwendiger Standardisierung auf der einen und Überregulierung auf der anderen Seite“, sagte Reuter. Nach Mifid II jetzt die „Dokumentations-Orgien“ noch weiter zu verschärfen, sei „nicht ökologisch und schreckt potenzielle Anleger für nachhaltige Investments eher ab“, sagte Reuter.

Regulierungserleichterungen waren hilfreich

Den Sparkassen habe im vergangenen Jahr die Aussetzung von Berichtspflichten, von Vor-Ort-Prüfungen und vielen bürokratischen Anforderungen geholfen, den operativen Betrieb aufrechtzuerhalten.

Aber selbst die Beibehaltung der Erleichterungen könne die überhöhte Belastung der Sparkassen nicht ausgleichen, sagt Verbandspräsident Reuter. Als Regionalbanken brauchten Sparkassen dringend mehr Verhältnismäßigkeit in der Regulierung, „besonders vor dem Hintergrund der EZB-Zinspolitik“.

Einlagenüberhang wird zum betriebswirtschaftlichen Problem

Die Einlagen der bayerischen Sparkassen stiegen auf 187,6 Milliarden Euro, das Wachstum war mit 7,2 Prozent ebenfalls auf einem Zehnjahreshoch. Allein im Dezember flossen den bayerischen Sparkassen Einlagen in Höhe von 3,1 Milliarden Euro zu.

Die täglich fälligen Sichteinlagen stiegen dabei um 14 Prozent an. Dieses starke Wachstum werde vordringlich von Privaten getragen, doch auch Unternehmen steigerten ihre Sichteinlagen um knapp ein Fünftel.

Das habe das Problem des Einlagenüberhangs in doppelter Weise verschärft, sagte Reuter. Die Ersparnisse nähmen schnell zu, gleichzeitig verschärfe die EZB-Geldpolitik die Situation.

Digitalisierungstrend immer dynamischer

Die Präferenz der Kunden verlagere sich zusehends zu digitalen Kanälen, erläuterte Roland Schmautz, Vizepräsident des Sparkassenverbands Bayern. Im Verlauf des Jahres 2020 schlossen 500.000 Sparkassenkunden in Bayern einen neuen Onlinebanking-Vertrag ab.

 

Roland Schmautz, Vizepräsident des Sparkassenverbands Bayern: Viele Kunden präferieren digitale Kanäle.

 

Auch Unternehmenskunden erledigten immer mehr Bankgeschäfte ausschließlich online und nutzten seltener ihre Bankfiliale, so Schmautz. Die Coronabeschränkungen verstärkten diesen Trend noch. Dementsprechend sei die Zahl der personenbesetzten Geschäftsstellen und Beratungscenter in Bayern auf 2009 gesunken, das seien 8,7 Prozent weniger als 2019.

„Doch wir wissen auch um die Kundengruppe, die nicht onlineaffin ist und weiterhin persönlichen Zugang wünscht“, sagte Schmautz. Deshalb bleibe die Sparkasse in Bayern in der Fläche präsent, wenn auch in veränderter Dichte: „Gerade bei großen Finanzierungen, in der Altersvorsorge und Vermögensberatung, aber auch im Firmenkundengeschäft schätzen viele unserer Kunden das persönliche Gespräch sehr“, so Schmautz.

25. März 2021