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Digital / 5 Fragen an...
Einfach mal loslegen
Innovationen erfordern Entschiedenheit und Schnelligkeit – sowie den Mut, Dinge auszuprobieren: Das erläutert Jan Rossmanit, Chief Digital Officer der Braunschweigischen Landessparkasse, im „Inside Digitale Agenda 2.0“-Podcast.

Herr Rossmanit, wie ist das Thema digitale Innovationen in der Braunschweigischen Landessparkasse strategisch und organisatorisch verankert?

Jan Rossmanit: Obwohl wir die Stelle des Chief Digital Officer bereits recht früh geschaffen haben, bin ich nicht der einzige, der sich in unserem Haus um Digitalthemen kümmert. Digitalisierung muss von allen vorangetrieben und zum Selbstverständnis werden. Wir sehen all unsere Aktivitäten, die wir im Rahmen der Digitalisierung anstoßen, immer als Teamaufgabe.

Beispielsweise haben wir mittlerweile über 60 digitale Multiplikatoren in den Filialen implementiert, die unsere Themen mit vorantreiben. Weiterhin haben wir ein Projekt aufgesetzt, in dem über 50 Kolleginnen und Kollegen aktiv daran beteiligt sind, digitale Lösungen umzusetzen, zu screenen und einzuführen. Wir sind seit Beginn an Beiratssparkasse im S-Hub, unter anderem, um Know-how abzuschöpfen.

Und schließlich haben wir mit meiner Gruppe „Strategieumsetzung, Change & Digitalisierung“ eine Organisationseinheit geschaffen, in der alle diese Funktionen gebündelt werden, um Digitalisierung nachhaltig voranzutreiben.

Welche Innovationen haben Sie durch diese gemeinschaftliche Arbeit umgesetzt – und mit welchem Erfolg?

Rossmanit: Wir haben etwa mit der Sparkasse Paderborn-Detmold eine eigene Anwendung entwickelt, die sich „Wishable“ nennt und dabei auch mit Start-ups zusammengearbeitet. Es gehört viel Mut zu solchen Initiativen, da anfangs unklar ist, ob das Projekt ein Erfolg wird. Meines Erachtens ist es sehr wichtig, in einem Trial-and-Error-Prinzip zu arbeiten und zu akzeptieren, dass nicht immer alles optimal läuft und stattdessen aus Fehlern zu lernen.

 

Wishable ist ein virtuelles Sparschwein, das mit individuellen Spartipps motiviert, ein angegebenes Ziel – z.B. Urlaub, neues Sofa oder Laptop – zu erreichen. 


Dieses Jahr wollen wir außerdem einen auf künstlicher Intelligenz basierenden internen Chatbot aufbauen und dazu gemeinsam mit der Finanz Informatik in eine Pilotierung einsteigen. Ziel dahinter ist es, eine Art digitalen Vertriebssupport aufzubauen, damit Mitarbeitende im Vertrieb sehr schnell eine Antwort auf ihre Fragen im Beratungsalltag erhalten – analog zum Chatbot Lina für unsere Kundinnen und Kunden.

Der Erfolg dieser Initiativen bemisst sich unter anderem darin, auch mal ganz simple „Low Hanging Fruits“ mitzunehmen, also einfache Projekte umzusetzen, um schnell voranzukommen, Akzeptanz zu schaffen und ein Gefühl von „wir schaffen das“ zu produzieren.

Ein absolutes (positives) Novum für uns ist darüber hinaus, dass wir unsere digitalen Multiplikatoren nicht rekrutieren müssen, sondern diese Leute von alleine auf uns zukommen, weil sie „Bock“ haben, das Thema Digitalisierung voranzutreiben.


Wie findet man das richtige Verhältnis zwischen individueller Innovationsaktivität einzelner Sparkassen und gemeinschaftlichen Aktivitäten im Verbund, die der Entwicklung von Standards dienen? 

Rossmanit: Ich glaube, dass sich Standard und Innovation nicht widersprechen. Für mich müssen Standardprozesse mit dem „Standard der Zukunft“ einhergehen, nämlich Digitalisierung, Automatisierung, Verschlankung und Kundenausrichtung. Wir müssen davon wegkommen, all das, was wir haben, Stück für Stück weiter zu optimieren, sondern vielmehr schauen, was die Zukunft ist.

Das müssen wir in der Organisation verstehen und in diesem Bereich müssen wir über alle Ebenen hinweg zusammenarbeiten. Mit der Evidenzstelle haben wir eine erste gute Koordinationsstelle geschaffen. Dort kann man Ideen einbringen, sich Input holen und sehen, welche anderen Sparkassen in einzelnen Initiativen involviert sind.

Vielleicht könnte man diese Plattform sogar für Startups öffnen, damit sich diese dort einbringen können und nicht erst den Umweg über die Sparkassenorganisation beziehungsweise über einzelne Sparkassen gehen müssen.

Die eingebrachten Ideen könnte man dann filtern und auf die Vertriebsstrategien der Zukunft hin überprüfen. Bei allen gemeinschaftlich initiierten und entwickelten Lösungen muss jedoch jede einzelne Sparkasse für sich wissen, wo sie hinwill, wo sie noch Potenzial hat oder bereits gut aufgestellt ist, um nicht blind im Gießkannenprinzip alles Mögliche einzuführen.

 

Registriert neuerdings häufiger bei Rekruten einen „Bock“ auf das Thema Digitalisierung:

Jan Rossmanit, Chief Digital Officer der Braunschweigischen Landessparkasse.


Was läuft beim Thema Innovationsförderung in der Sparkassenfinanzgruppe gut und wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?

Rossmanit: Gut ist, dass wir uns um digitale Themen kümmern, dass wir sie erkannt haben und sie annehmen. Das ist bereits ein wesentlicher Vorteil gegenüber vielen anderen Branchen beziehungsweise vielen anderen Instituten. Wir haben als große Organisation den Vorteil, dass nicht jede einzelne Sparkasse alles selbst machen muss.

Aus meiner Sicht dauert es allerdings zu lange, wenn es nach der Product Discovery, der Geburt einer Produktidee, anderthalb bis zwei Jahre dauert, bis eine erste Pilotierung bei den Kundinnen und Kunden ankommt.

Ich kann verstehen, dass wir bestimmte regulatorische Anforderungen und bestimmte Abläufe in der Sparkassenorganisation haben, und trotzdem glaube ich, dass die Komplexität noch weiter reduziert werden kann. Vielleicht könnten wir „Fast Lanes“ installieren, um S-Hub-Ideen weiter zu treiben und schneller umzusetzen.

Auf die Gefahr hin, dass nicht immer der Nutzen erzielt wird, den wir uns initial erhofft hatten. Doch das gehört dazu, Amazon ist auch nicht gleich von null auf hundert gestartet. Wichtig ist es, Mut zu haben, Dinge zu entscheiden und umzusetzen sowie dem Innovationsprozess höchste Priorität einzuräumen.
 

Was sind aus Ihrer Sicht die Top-3-Learnings im Bereich digitale Transformation und Innovationsmanagement?

Rossmanit: Es ist wichtig, bewusst Fehler zuzulassen und aus diesen zu lernen. Dazu gehört auch, den Mitarbeitenden zu vertrauen. Weiterhin ist es essenziell, die Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Innovationen vorangetrieben werden können. Dazu müssen ausreichend Kapazitäten bereitgestellt und den Mitarbeitenden die Möglichkeit gegeben werden, sich zurückzuziehen, um sich Gedanken zu machen und Ideen voranzubringen.

Darüber hinaus kann man nur Erfolg haben, wenn alle, insbesondere auch das Top-Management, Innovationen wirklich vorantreiben wollen. Digitalisierung sollte nicht nur als Standard betrachtet werden, sondern ist meiner Meinung nach ein Thema, das wir nie abhaken können. Wir haben keine Zeit, lange zu warten. Wir müssen schneller in den Entscheidungen und in der Umsetzung werden.


Die Fragen sind dem Podcast des DSGV-Projekts „Digitale Agenda 2.0“ entnommen. In Anlehnung an die 18 Leitsätze der „Digitalen Sparkasse der Zukunft“ kommen in 18 Folgen Vertreter der gesamten Sparkassen-Finanzgruppe zu Wort und tauschen sich zu Erfolgsfaktoren, Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung in Sparkassen aus.

In Folge 11 teilte Jan Rossmanit seine Einschätzung zum Thema „Verbund-Innovationen“ (Leitsatz 4).


Alle Folgen und Infos zum Abonnement des Podcasts in Streaming-Apps finden Sie unter „Digitale Agenda 2.0 – Podcast“.

Fragen? digitalisierung@dsgv.de.
Julia Karlstetter, DSGV
– 16. Dezember 2020