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Digital / 5 Fragen an...
Kultur des Ausprobierens
Jutta Weidenfeller, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Köln, sagt im „Inside Digitale Agenda 2.0“-Podcast, wie Mitarbeitende digital fit gemacht werden.

Frau Weidenfeller, inwieweit sind digitale Kompetenzen in der Personalstrategie Ihres Instituts verankert?
Jutta Weidenfeller: Wir haben die Bedeutung von modernen Arbeitsbedingungen und die immer größer werdende Veränderungsdynamik insgesamt verankert. Mitarbeitende, die sich flexibel und eigenverantwortlich ins Unternehmen einbringen, sind aus unserer Sicht eine entscheidende Voraussetzung für den Geschäftserfolg.

Es geht auch darum, Neugierde, Lernkultur und Veränderungsbereitschaft mitzubringen. Die Veränderungszyklen werden immer kürzer und sind so weitreichend, dass es ein Erfolgsfaktor sein wird, sich immer wieder anpassen und eigenständig agieren zu können. 

Im Rahmen der Coronapandemie waren von Fach- und Führungskräften plötzlich ganz andere Fertigkeiten gefragt. Wie gehen Sie mit dieser Dynamik um?
Was das digitale Arbeiten betrifft, hat uns die Coronapandemie einen großen Schritt vorangebracht. Inzwischen arbeiten viele unserer Mitarbeitenden an mehreren Tagen in der Woche mobil, nicht nur von zu Hause, sondern auch von verschiedenen Filialen aus. Wesentlich sind hier Zusammenarbeit und Austausch.

Dafür haben wir entsprechende Tools wie beispielsweise FastViewer, FaceTime oder jetzt Skype for Business relativ zügig installiert und den mobilen Zugang zum Arbeitsplatz über Tokens und Softtokens stark ausgebaut. Es kommen jedoch nicht nur technische Herausforderungen zum Tragen, sondern auch solche, die verteilte Teams mit sich bringen.

Dies erfordert ein Umdenken und Einschlagen neuer Wege. Mitarbeitende benötigen andere Routinen und Abstimmungsformate. Es haben sich viele Teams bei uns im Hause mit agilen Arbeitsmethoden vertraut gemacht und halten nun beispielsweise ein Daily oder Weekly ab.

 

Jutta Weidenfeller.


Wie werden Führungskräfte bei Ihnen im Haus auf die sich ständig verändernden Anforderungen vorbereitet, die in einer zunehmend digitalen Welt bestehen?
Wir haben im vergangenen Jahr ein auf acht Stunden angelegtes umfassendes Digital-Training durchgeführt. Dabei konnten die Führungskräfte zwei Wochen vor ihren Mitarbeitenden starten. So wollten wir ihren Ehrgeiz wecken, dieses Online-Training schnell durchzuführen, um anschließend für die Fragen der Mitarbeitenden gewappnet zu sein.

Auf unseren Führungskräfteveranstaltungen tauchen immer wieder digitale Elemente auf. So haben wir beispielsweise auf unserem Jahresauftakt eine Digitalmesse veranstaltet. Unseren rund 400 Führungskräften konnten wir hier neben unseren eigenen digitalen Kundenangeboten auch zeigen, wie beispielsweise ein 3-D-Drucker oder eine Virtual-Reality-Brille funktionieren.

Auf diese Weise konnten sie diese Technologien einfach einmal selbst ausprobieren. Neben Schulungen und Workshops bieten wir auch methodische Unterstützung an. Der Bereich „Digitalisierung und Innovationen“ bei uns im Hause arbeitet eng mit der Personalentwicklung zusammen, um den Einsatz moderner Arbeitsweisen und Tools zu fördern. Es gibt natürlich auch Kolleginnen und Kollegen, die mit diesen Themen mehr Schwierigkeiten haben und die wir dann individuell beraten.

Wie erkennen Sie in Einstellungsprozessen oder Personalgesprächen die Digitalkompetenz einer Person?
Wir handhaben das immer noch traditionell, nämlich individuell im Dialog. Bei Personalentwicklungsgesprächen oder Einstellungstests verschaffen wir uns in der Regel ein gutes qualitatives Bild. Wir erhalten auch Rückmeldung von unseren 60 digitalen Botschaftern im Haus. Das hilft uns, Lücken zu erkennen und zu schließen.

Darüber hinaus sind wir aktuell dabei, unser Beurteilungssystem auf neue Füße zu stellen. Wir möchten dort künftig digitale Kompetenzen einbauen und diesen eine größere Bedeutung zukommen lassen. Zudem integrieren wir digitale Kompetenzen derzeit in unseren Online-Test für Azubis.

Welchen Tipp möchten Sie anderen Sparkassen hinsichtlich der Personalentwicklung im Kontext der Digitalisierung geben?
Wir kommen aus einer Zeit, in der der reinen Aneignung von Fachwissen eine hohe Bedeutung zukam. Wir haben jeden an die Hand genommen und sehr umfänglich dabei begleitet, seinen Weg zu gehen. Ich glaube, dass diese Art der Begleitung unseren heutigen Mitarbeitenden nicht mehr gerecht wird. Wir müssen unsere Mitarbeitenden vielmehr in die Lage versetzen, sich neue Themen selbst effektiv und eigenverantwortlich anzueignen.

Hinzu kommt, dass die jüngeren Generationen andere Ansprüche wie Individualität und Eigenständigkeit haben. Auch auf diese Bedürfnisse müssen wir individueller eingehen. Wichtiger Erfolgsfaktor, speziell beim Thema Digitalisierung, ist die Befähigung der Führungskräfte.

Diese müssen wir auf die digitale Reise der Sparkasse mitnehmen, damit sie selbst als Vorbild wirken können. Den Mitarbeitenden sollten wir die neuen Technologien und digitalen Angebote unserer Finanzgruppe in verdaulichen Häppchen erklären und sie dazu motivieren, eine Kultur des Ausprobierens zu entwickeln.

 


Die Fragen sind dem Podcast des DSGV-Projekts „Digitale Agenda 2.0“ entnommen. In Anlehnung an die 18 Leitsätze der „Digitalen Sparkasse der Zukunft“ kommen in 18 Folgen Vertreter der gesamten Sparkassen-Finanzgruppe zu Wort und tauschen sich zu Erfolgsfaktoren, Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung in Sparkassen aus.

In Folge 12 sprach der Moderator Sebastian Pähler mit Jutta Weidenfeller zu Leitsatz 17 „Personalentwicklung und Führung“.


Alle Folgen und Infos zum Abonnement des Podcasts in Streaming-Apps finden Sie unter „Digitale Agenda 2.0 – Podcast“.

Fragen? digitalisierung@dsgv.de.
Julia Karlstetter, DSGV
– 7. Dezember 2020