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Digital / 5 Fragen an...
Vernetzen, Priorisieren, den Überblick behalten
Brauchen Sparkassen Digitalisierungskoordinatoren, und was sind ihre Aufgaben? Darüber informieren der Essener Sparkassenchef Helmut Schiffer und Lars Heitmüller, Marketingleiter beim S-Kreditpartner.

Herr Schiffer, warum haben Sie sich in der Sparkasse Essen dazu entschlossen, die Stelle eines Digitalisierungskoordinators zu schaffen?

Helmut Schiffer: Wenn man davon ausgeht, dass Digitalisierung für unser Geschäftsmodell in Zukunft der entscheidende Schlüssel ist, dann kommt dem Thema so große Bedeutung zu, dass man es fest in der Regelorganisation verankern sollte.

Der Leitsatz zwei der „Digitalen Sparkasse der Zukunft“ beschreibt bereits, dass sich Digitalisierungskoordinatoren nicht nur auf einen bestimmten Aspekt fokussieren. Digitalisierung lässt sich nicht eins zu eins in Technik übersetzen, sondern ist auch Teil der Geschäftspolitik und reicht von Kundeninteraktion bis hin zu internen Prozessen, Arbeitsabläufen und Kostenstrukturen.

Im Rahmen des digitalen Wandels ist es zudem erforderlich, darauf zu achten, dass unser Miteinander im Gleichklang bleibt. Das in der Summe zeigt, wie viele unterschiedliche Themen Digitalisierungskoordinatoren im Blick behalten und welch zentrale Rolle sie damit einnehmen. 

Herr Heitmüller, was sollten Digitalisierungskoordinatoren als Person mitbringen und was sind ihre Aufgaben?

Lars Heitmüller: Das, was man unter den Begriff „Digitalisierung“ fasst, hat in den letzten Jahren immer weiter zugenommen: Von den technischen Grundlagen bis hin zur digitalen Transformation, bei der es um ein Überdenken des eigenen Geschäftsmodells und insbesondere wichtige kulturelle Fragen geht.

 

Lars M. Heitmüller, Leiter Marketing und Kommunikation bei S-Kreditpartner.

 

Insofern ist eine elementare Voraussetzung für die erfolgreiche Ausgestaltung der Rolle, den Überblick zu behalten, sich regelmäßig auszutauschen und Themen konsequent zu priorisieren. Gleichzeitig sollten Digitalisierungskoordinatoren sich natürlich auch selbst für digitale Trends und Innovationen interessieren.

Insgesamt gibt es aber nicht den einen Königsweg in Sachen Digitalisierung, sodass die konkreten Anforderungen von Institut zu Institut verschieden sein können. Ganz sicher ist für eine erfolgreiche Erfüllung der Aufgaben eine konsequente „Management Attention“ des Vorstandes – wie es bei Herrn Schiffer herausklingt – wichtig, damit Digitalisierungskoordinatoren auch das notwendige „Backing“ im Haus haben.

Herr Schiffer, wie stellen Sie die Verknüpfung des Digitalisierungskoordinators mit anderen fachlichen Ansprechpartnern in Ihrem Haus sicher? 

Der Digitalisierungskoordinator ist bei uns nicht derjenige, der einfach nur zuhört, sondern er verfolgt eine eigene Agenda, die gestützt wird durch unsere hauseigene Strategie.

Aus dieser Rolle heraus ist er in einen organisatorischen Regelkreis eingebunden: Um die Bedeutung des Themas zu stärken, haben wir eine Koordinierungsrunde Digitalisierung entwickelt, die analog zu anderen Runden, etwa im Bereich Vertrieb, stattfindet.

 

Helmut Schiffer, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Essen.

 

Alle Beteiligten dieser Runde arbeiten der erwähnten Agenda zu, wobei der Koordinator die Fäden zusammenspinnt. Daraus ergeben sich dann auch weitere Aufträge für die einzelnen Fachbereiche.

Und welche Erfahrungen haben Sie in Sachen Digitalisierungskoordination bislang gesammelt?

Wichtig ist, dass man anfängt und dann auf dem Weg lernt. Zunächst gilt es, festzustellen, was in der Organisation bereits umgesetzt wird. Wir haben uns unsere Kennzahlen in den Digitalen Mindeststandards angesehen und konnten an einigen Stellen noch Optimierungspotenzial erkennen.

Daraufhin haben wir einige Facetten in unser Zielsystem übernommen, wodurch wir unsere Position in den Mindeststandards verbessern konnten. Darüber hinaus haben wir gelernt, dass Vernetzung extrem wichtig ist, sowohl im eigenen Haus, also auch überregional.

Es lohnt, ein gutes Netzwerk in der Gruppe aufzubauen, zum Beispiel zu den Verbänden, zum S-Hub oder zum Verlag. Aber man sollte auch schauen, was in der Region passiert, mit welchen Unternehmen man sich austauschen, an welchen Initiativen man sich beteiligen kann. Digitalisierung passiert branchenübergreifend, da können wir auch gerne mal über den Zaun schauen. 

Herr Heitmüller, wie unterstützt das SKPlab von S-Kreditpartner die Sparkassen bei diesen Themen und wie können sich wiederum Digitalisierungskoordinatoren dort einbringen?

Das SKPlab fungiert als Innovations- und Austauschplattform und steht allen kooperierenden Sparkassen zur Verfügung. In der Sparkassen-Finanzgruppe gibt es viele tolle Projekte und Ideen. Die Herausforderung besteht darin, diese sichtbar zu machen und die relevanten Akteure zusammenzubringen.

In diesem Zusammenhang sind die Digitalisierungskoordinatoren erste Ansprechpartner. Unsere offene Einladung an diese ist, die Fläche im SKPlab aktiv zu nutzen, beispielsweise für Workshops. Bei Bedarf können unsere Kooperationspartner wie etwa die School of Design Thinking des HPI unterstützen.

Zudem schauen wir gemeinsam mit Experten und Innovatoren „über den Tellerrand“ und versuchen relevante Innovationsthemen auf die Agenda zu setzen. Unsere Livestreaming-Plattform SKP.LIVE spielt in Coronazeiten eine wichtige Rolle – hier können Events und Talks live verfolgt werden. 

Wir glauben fest an den Erfolg einer Innovationspartnerschaft in der Sparkassen-Finanzgruppe und wollen unseren Beitrag dazu leisten!

 

Inside Digitale Agenda 2.0
Die Fragen sind dem Podcast des DSGV-Projekts „Digitale Agenda 2.0“ entnommen. In Anlehnung an die 18 Leitsätze der „Digitalen Sparkasse der Zukunft“ kommen in 18 Folgen Vertreterinnen und Vertreter der gesamten Sparkassen-Finanzgruppe zu Wort und tauschen sich zu Erfolgsfaktoren, Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung in Sparkassen aus.

In der zweiten Folge teilten Helmut Schiffer und Lars M. Heitmüller ihre Erfahrungen zu Leitsatz zwei, „Koordination“.

Alle Folgen und Infos zum Abonnement des Podcasts in Streaming-Apps finden Sie unter „Digitale Agenda 2.0 – Podcast“.

Fragen richten Sie gerne an digitalisierung@dsgv.de.

 

*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Artikel auf die gleichzeitige Verwendung weiblicher und männlicher Sprachformen verzichtet und das generische Maskulinum verwendet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beide Geschlechter.

Julia Karlstetter, DSGV
– 26. August 2020