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DIW-Managerinnenbarometer
Kein Fortschritt für Frauen in Führung
Der Frauenanteil in den Vorstandsebenen der großen Banken ist im vergangenen Jahr kaum gestiegen. Bei den öffentlich-rechtlichen Instituten ist er sogar gesunken. Allerdings verdoppelt sich die Zahl der weiblichen Vorstandsvorsitzenden.

Bei den 100 größten Banken ist der Frauenanteil in den Vorständen zuletzt weniger stark gestiegen als in den meisten anderen Unternehmensgruppen, resümiert Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), im aktuellen DIW Managerinnenbarometer. Im Herbst 2020 habe der Frauenanteil in der Finanzbranche rund elf Prozent betragen – ein Zuwachs um weniger als einen Prozentpunkt.

Nur zehn Frauen in den deutschen Top-100-Banken. Eine davon ist Karin-Brigitte Göbel, Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Düsseldorf.

Frauen als Vorstandsvorsitzende gab es bei Banken doppelt so viele wie im Jahr zuvor, fügt Wrohlich hinzu. Sowohl mit Blick auf die absolute Zahl (zehn statt fünf) als auch mit Blick auf den Anteil (gut zehn statt gut fünf Prozent) der untersuchten Geldhäuser. Namentlich sind dies:

  • Dorothee Blessing (J.P. Morgan AG)
  • Ines Dietze (SWN Kreissparkasse Waiblingen)
  • Carola Gräfin v. Schmettow (HSBC Trinkaus & Burkhardt AG)
  • Karin-Brigitte Göbel (Stadtsparkasse Düsseldorf)
  • Frauke Hegemann (Comdirect Bank AG)
  • Kathrin Kerls (BMW Bank GmbH)
  • Christine Novakovic (UBS Europe S.E.)
  • Birgit Roos (Sparkasse Krefeld)
  • Edith Weymayr (Landeskreditbank Baden-Württemberg/L-Bank)
  • Eva Wunsch-Weber (Frankfurter Volksbank e.G.).

Vergleicht man die einzelnen Bankengruppen untereinander, so zeige sich, dass die öffentlich-rechtlichen Banken beim Frauenanteil in Vorständen hinter den privaten Banken und den Genossenschaftsbanken zurückbleiben, resümiert die Forscherin. Der Frauenanteil in den Vorständen der öffentlich-rechtlichen Banken sei von 2019 auf 2020 um etwas mehr als einen Prozentpunkt gesunken und lag im letzten Quartal des vergangenen Jahres bei gut acht Prozent.

Birgit Roos, Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Krefeld, zählt zu den wenigen Frauen, die es im Finanzsektor auf den Chefsessel geschafft haben.

Die Privatbanken konnten den Frauenanteil in Vorständen hingegen um drei Prozentpunkte auf knapp 14 Prozent erhöhen. Bei den Genossenschaftsbanken gab es einen Anstieg um fast zwei Prozentpunkte auf knapp elf Prozent. Die Zahl der Frauen, die einen Vorstandsvorsitz innehaben, ist auffallend stark bei den Privatbanken gestiegen: Eine Vorstandsvorsitzende im Jahr 2019 entsprach einem Anteil von knapp vier Prozent – ein Jahr später waren es im Herbst 2020 fünf Frauen und damit gut 19 Prozent.

Bei den öffentlich-rechtlichen Banken kam eine Vorstandsvorsitzende hinzu, damit stieg der Frauenanteil hier auf rund acht Prozent. Bei den Genossenschaftsbanken blieb es wie im Vorjahr bei einer Frau als Vorstandsvorsitzende (entspricht einem Frauenanteil von rund fünf Prozent).

Finanzsektor fällt kontinuierlich zurück

Insgesamt sei festzuhalten, dass der Finanzsektor, der zu Beginn des Beobachtungszeitraums des DIW vor 15 Jahren höhere Frauenanteile in Aufsichtsräten und Vorständen vorzuweisen hatte als die übrigen Unternehmen des Privatsektors, bereits vor mehr als fünf Jahren von den anderen Sektoren überholt wurde. Mittlerweile lägen die Top-100-Banken sowohl beim Frauenanteil in Aufsichtsräten als auch beim Frauenanteil in Vorständen weit hinter den Top-100-Unternehmen zurück.

Lichtblick bleibt der Bereich der Aufsichtsräte. In den Aufsichtsräten konnten alle drei Bankengruppen den Frauenanteil leicht erhöhen: Bei den öffentlich-rechtlichen Banken lag er im Herbst 2020 bei rund 23 Prozent, bei den Privatbanken bei knapp 29 Prozent und bei den Genossenschaftsbanken bei fast 24 Prozent. Bei den öffentlich-rechtlichen Banken gab es eine Verdoppelung der Anzahl der Frauen als Aufsichtsratsvorsitzende von zwei auf vier, das entspricht einem Frauenanteil von über sieben Prozent.

Viele Gründe für eine Quote

Da Deutschland im europäischen Vergleich schlecht abschneidet, widmete sich Wrohlich in diesem Jahr ausführlich den Auswirkungen einer gesetzlichen Quote. Aus ihrer Sicht würde diese über die Vorstandsebene hinaus Wirkung entfalten. Unternehmen würden durch die gesetzlichen Vorgaben gezwungen, auf ihre Führungskräfteentwicklung zu achten. Insbesondere müssten die Unternehmen darauf hinarbeiten, dass genügend Frauen unternehmensintern befördert werden, um sich für Vorstandspositionen zu qualifizieren.

Ein höherer Frauenanteil auf allen Managementebenen könnte wiederum gleichstellungspolitische Wirkungen auf das gesamte Unternehmen entfalten, meint Wrohlich. Beispielsweise gäbe es Belege dafür, dass ein höherer Anteil von Frauen in Führungspositionen in einem Unternehmen geringere Gender Pay Gaps, also geringere Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern, in diesem Unternehmen zur Folge habe und die Chancen für eine Beförderung von Frauen steigen.

Thomas Rosenhain
– 22. Januar 2021