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Fintechs weltweit (4): Südafrika
Es geht noch mehr
Südafrika ist der mit Abstand wichtigste Finanzplatz des afrikanischen Kontinents. Fintechs sprechen vor allem das jüngere und technologie-affine Publikum an. Bei der finanziellen Inklusion leisten sie noch einen bescheidenen Beitrag.

Der afrikanische Kontinent hat ein enormes Marktpotenzial, da fast 60 Prozent der Bevölkerung noch immer ohne Bankkonto sind. In Südafrika sieht es besser aus. Dort haben zwar auch mehr als elf Millionen Südafrikaner kein Bankkonto, was etwa 19 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht.

Dabei ist zu beachten, dass auf vielen Konten keine Transaktionen stattfinden. Insofern wird auch in Südafrika ein größerer Teil etablierter Banken nicht mit Finanzdienstleistungen versorgt. Ein Grund sind die sehr hohen Bankgebühren.

Ist der südafrikanische Bankenmarkt dafür verantwortlich? In Südafrika gibt es 14 Geschäftsbanken, zwei Genossenschaftsbanken und fünf Banken in ausländischem Besitz, die alle im Privatkundengeschäft tätig sind.

Dazu kommen 13 Filialen ausländischer Banken, darunter einige der größten Banken der Welt. Zudem gibt es weitere vier Genossenschaftsbanken und drei staatliche Banken. Außerdem haben Finanzinstitute und Investmentgesellschaften 42 Repräsentanzen, die aber nur Finanzberatung durchführen. Nicht zu vergessen sind die vielen Einzelhändler, die Händlerkredite anbieten.

Vor Ort wird aktuell eine intensive Diskussion darüber geführt, ob die fünf großen Geschäftsbanken (Standard Bank, Barclays Africa, FirstRand, ABSA und Nedbank) ein Oligopol bilden. Dies wird damit begründet, dass in den letzten 15 Jahren die Marktanteile oder Erträge dieser Banken durch das Verhalten oder die Handlungen anderer Marktakteure kaum beeinflusst worden sind.

Verschiedene Berechnungen zeigen, dass es sich um einen mäßig konzentrierten Markt handelt. Ein hoher Konzentrationsgrad bedeutet, dass etablierte Banken Zugang zu großen finanziellen Ressourcen, viel genutzten Netzwerken und einen großen Kundenstamm haben. Südafrikanische Fintechs erobern deshalb nur schwer weitere Marktanteile.

Insgesamt gibt es in Südafrika 230 Fintechs. Die Zahl steigt jährlich nur leicht an. Laut Global Fintech Index 2020 belegt Südafrika aktuell Rang 37. Der Fintech-Markt ist primär auf die Städte Kapstadt und Johannesburg konzentriert. Im weltweiten Ranking der Fintech-Zentren tauchen beide Städte auf den Plätzen 62 und 84 auf. Johannesburg liegt im afrikanischen Vergleich knapp vor Nairobi und Lagos.

Digitale Aufgeschlossenheit

Bereits 90 Prozent der erwachsenen südafrikanischen Bevölkerung verfügen über Mobiltelefone. Sie sind die beliebtesten Zugangsgeräte zum Internet, wobei 72 Prozent der Bevölkerung ein Mobiltelefon als einziges Gerät für die digitale Verbindung verwenden.

Ungefähr 60 Prozent der Smartphone-Verkäufe in Südafrika sind Low-End-Smartphones, die weniger als 1500 südafrikanische Rand (75 Euro) kosten. Beim Smartphone-Besitz gibt es eine geografische Kluft: 54 Prozent der Stadtbevölkerung besitzen solche Geräte. In ländlichen Gebieten sind es demgegenüber nur 33 Prozent der Bevölkerung.

Finanzielle Allgemeinbildung ist entscheidend dafür, dass der Einzelne die für seinen Bedarf richtige Art von Finanzdienstleistungen findet und diese sinnvoll nutzt. Dazu gehört der Zugang zu Finanzdienstleistungen über digitale Kanäle.

Das Niveau finanzieller Allgemeinbildung ist in Südafrika relativ niedrig. Mit ein Grund: Südafrikaner können sich nur schlecht finanzielle Ziele setzen und wissen zu wenig, wie man vorhandene Finanzprodukte nutzt. Beides ist jedoch notwendig, um anspruchsvollere und erfolgreichere Finanzprodukte auswählen zu können.

Da die Verbreitung des Internets mittlerweile bei 60 Prozent liegt, ist die Bevölkerung jedoch recht digital-affin. Sie hat zumindest die höchste digitale Kompetenz in Afrika. Dies gilt vor allem für die Bevölkerung unter 30 Jahren.

Fintechs haben dadurch die Chance, finanzielle Barrieren bei der Nutzung digitaler Kanäle zu überwinden. Indem sie digitale Finanzdienstleistungen wie Finanzplanung und -beratung bereitstellen, haben künftig mehr Verbraucher Zugang zu einer breiteren Palette digitaler Finanzdienstleistungen.

Ein geringer Preiswettbewerb unter den Mobilfunknetzbetreibern treibt allerdings die Kosten für Prepaid-Mobilfunk-Datenpakete in die Höhe. Die Datenkosten sind im kontinentalen Vergleich hoch. Ein oligopolistischer Markt, der zu einem negativen Preiswettbewerb zwischen den Mobilfunkbetreibern führt, trägt zu den hohen Datenkosten bei.

Geringverdiener zahlen unverhältnismäßig höhere Kosten für kleine Datenpakete, da die Kosten pro Megabyte bei diesen Paketen höher sind. Personen mit Verträgen geben im Verhältnis zum Einkommen tendenziell weniger für Daten aus. Aber Geringverdiener erhalten aufgrund von Kreditrestriktionen keine Verträge oder bezahlen nur nach Verbrauch.

Fintechs in allen Segmenten

Über Dienste wie Snapscan kann man in Südafrika sogar spenden.

Der digitale Zahlungsverkehr ist ein wichtiger Schwerpunkt der Fintech-Aktivitäten (zirka 30 Prozent) in Südafrika (siehe Abb. 1). Eine Reihe von Banken und Nichtbanken haben Zahlungsplattformen und -anwendungen eingeführt, die Geldtransfers ermöglichen. Der Zahlungsverkehr umfasst Aktivitäten wie Massenzahlungen, Zahlungen von Händlern und Unternehmen sowie die Bereitstellung von Zahlungsinfrastruktur über verschiedene Kanäle.

Snapscan oder Zapper sind zwei lokale Fintechs im Bereich Mobile Payment. Bargeld ist eigentlich in Südafrika unbeliebt. Händler, Kunden und nicht zuletzt die Lieferdienste müssen hohe Risiken tragen. Selbst kleine Beträge werden daher per Karte oder Handy bezahlt. Sogar Verkäufer von Obdachlosenzeitungen an Straßenkreuzungen und Angestellte städtischer Verwaltungen akzeptieren solche Zahlungen.

Das Fintech Yoco verbessert durch seine Zahlungsdienste ebenfalls den Zugang für unterversorgte Kleinunternehmen, indem die Point-of-Sale-Zahlungsplattform zur Annahme von Kartenzahlungen genutzt wird. Der Markt für Kleinunternehmen in Südafrika wird auf etwa eine Million geschätzt.

Das Segment der Überweisungen, bei denen es sich faktisch um grenzüberschreitende, währungsübergreifende Zahlungen handelt, ermöglichen Geldtransfers ausländischer Arbeitnehmer an Freunde/Verwandte/ Geschäfte in ihren Heimatländern.

Im Vergleich zu inländischen Zahlungen sind  diese Überweisungen mit einem viel höheren Dokumentationsaufwand verbunden. Der Währungsumtausch erhöht die Kosten auch. Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen nutzen deshalb häufig informelle Kanäle, um Geld nach Hause zu schicken. Fintechs tragen dazu bei, diese Lücke zu schließen, indem sie nahezu sofortige grenzüberschreitende Überweisungen zu erheblich niedrigeren Kosten anbieten.

Mama Money bietet einfaches Bezahlmodell

Ein Beispiel ist Mama Money. Durch eine einfach zu bedienende mobile App lassen sich Kosten für Überweisungen drastisch senken. Potenzielle Kunden können sich schnell und einfach per Handy registrieren, indem Bilder von Personalausweis, Reisepass, Flüchtlingsstatus oder Asylunterlagen hochgeladen werden.

Nach der Genehmigung können die Kunden dann innerhalb von 24 Stunden Geld ins Ausland überweisen. Um Geld zu senden, können sie Zahlungen direkt von ihrem Bankkonto veranlassen oder ihre Bestellung bei jedem größeren Einzelhändler in Südafrika wie Pick n Pay, Boxer, Shop­rite, Checkers etc. bezahlen.

Anfangs hat Mama Money nur nach Simbabwe überwiesen. Heute ist das Fintech-Unternehmen in mehr als 50 Ländern präsent und bietet Dienstleistungen in Afrika, Asien und Europa an.

Aufgrund des Zusammenschlusses mit Western Union können die mehr als 500.000 Kunden des Unternehmens künftig in über 200 Länder Geld von ihren Telefonen zur Auszahlung senden. Die Offene-Plattform-Strategie von Western Union erweitert die Reichweite von Mama Money.

Kreditvergabe über verschiedene Plattformen

Die Kreditvergabe steht in einer Liste der Popularität von Fintech-Produkten auf Platz drei. Solche Unternehmen bieten vor allem Online-Kreditdienste an. Das Segment wird von inländischen Fintechs dominiert. Gleichermaßen werden kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Einzelpersonen unterstützt.

Pollen Finance ist eine der landesweit größten Online-Kreditplattformen. Gegründet worden ist sie 2015, um den wachsenden Bedarf an KMU-Finanzierungen zur Unterstützung zu decken.

Die Kundenangebote sind unter diesen Fintechs tendenziell ähnlich, das heißt sie bieten Kunden kurzfristige Kredite an, die über das Internet beantragt werden. Es gibt jedoch zwei unterschiedliche Geschäftsmodelle:

  • Kreditmarktplätze verbinden Kreditnehmer und Investoren, ohne eigenes Kapital zu verleihen und Einnahmen aus Gebühren zu erzielen.
  • Alternative (Online-)Kreditgeber leihen Kapital aus der eigenen Bilanz aus und erwirtschaften Einnahmen aus Zinsen und Dienstleistungsgebühren.

Ein wichtiges Merkmal südafrikanischer Online-Kredite ist, dass vor allem kleinere Kreditbeträge vergeben werden, die in sechs Monaten oder weniger zurückgezahlt werden können. Insofern ist das Kreditrisiko für die Fintechs relativ gering. Sie bedienen ein Kreditsegment, das bei den etablierten Banken eigentlich nicht vorhanden ist.

Nur wenige Fintechs finanzieren KMUs über Rechnungs-Factoring. Nisa Finance, ImaFin und Invoice worx sind Finanzierungsplattformen, die es Finanziers ermöglichen, rechnungsgesicherte Darlehen an KMUs zu vergeben. Anträge und Rechnungsprüfung erfolgen dabei durch die Integration in ein ERP-System vollautomatisiert.

Im Bereich der Privatkredite bietet Mobicred ein differenziertes Geschäfts­modell, wo während des Online-Einkaufs zugleich ein Kredit beantragt werden kann. Zielgruppe sind Verbraucher, die keine Kreditkarte verwenden möchten und eine zentralisierte Kreditmöglichkeit für ihre Online-Einkäufe suchen. Der Service und die Transaktionsgebühren sind mit den Standardkreditkartenangeboten traditioneller Banken vergleichbar.

Gegenwärtig umfasst die Innovation im Kreditbereich keine alternativen Datensätze für die Kreditwürdigkeitsprüfung, die in anderen afrikanischen Märkten erfolgreich ist. Einige Mobilfunknetzbetreiber berechnen etwa die Anspruchsberechtigung anhand von Nutzungs-Inputs wie Laufzeit, Sendezeit oder Datenaufladung für Mikro- und „Nano“-Kredite. Diese Modelle haben die Vergabe von Krediten an zuvor unterversorgte Märkte ermöglicht.

Mittlerweile gibt es auch Fintechs, die im Peer-to-Peer-Kreditgeschäft für Verbraucher und Unternehmen Fuß fassen. Kreditplattformen, die offshore gehostet werden, dominieren derzeit den alternativen Kreditmarkt. Mittlerweile gibt es aber auch in Südafrika selbst entwickelte Plattformen. Bei der alternativen Finanzierung durch digitale Plattformen (Crowdfunding) gibt es ein erhebliches Wachstum – hauptsächlich zur Finanzierung von Kleinunternehmen.

Fomo Travel, Layby Café und Lay Up sind drei Fintechs, die Online-Dienste anbieten, über die Verbraucher Waren anzahlen können. Bei diesem Verfahren behält der Einzelhändler zunächst seine Ware, bis der Kunde den Restbetrag bezahlen kann (siehe Abb. 2). Die Kunden erhalten in der Regel einen Zahlungsplan als Teil des Geschäfts und müssen eine Gebühr entrichten.

Die Zahl der Verbraucher ist bei diesen Plattformen nach wie vor gering, da die meisten Kunden über eine Kreditkarte verfügen dürften, mit der sie die Ware sofort kaufen können.

Fintechs im Einlagengeschäft betreiben es in Form digitaler Banken oder digitaler Community-Sparplattformen. Das Einlagengeschäft ist stark reguliert. Dies hat den Markt in der Vergangenheit gegenüber neuen Marktteilnehmern abgeschottet. Bewerber um eine Banklizenz müssen bestimmte Verpflichtungen in Bezug auf Kapital- und Liquiditätsquoten sowie Reserveanforderungen erfüllen.

Zum Untersegment der Sparprodukte gehören Fintechs wie Jumo, Zoona und Prospa. Prospa bietet eine mobile Spar-Wallet für einkommensschwache Südafrikaner. Mit seiner Hilfe lassen sich leicht kleine Beträge sparen.

Prospa legt dann alle Ersparnisse auf seiner Plattform zusammen und nutzt die höheren Zinssätze der Banken für größere Sparguthaben. Das Teilsegment ist noch jung. Es gibt nur ein Fintech, das als reine Sparplattform arbeitet.

Auch erste Insurtechs im Markt

Insurtechs bieten Versicherungsprodukte wie Lebens-, Auto- und Krankenversicherung etc. auf innovative und leicht verständliche Weise an, die zugleich mit den Angeboten traditioneller Unternehmen konkurrieren. Ein Beispiel ist Pineapple, das eine Peer-to-Peer-Versicherung anbietet und am Ende jedes Jahres alle ungenutzten Prämien zurückerstattet.

In Südafrika steigt zudem die Zahl von Initial Coin Offerings (durch lokale und Offshore-Emittenten) sowie Kryptowährungsbörsen. Luno und VALR stellen Krypto-Wallets zur Verfügung und gelten damit hauptsächlich als Kryptowährungs-Handelsplattformen.

Spezialisiert haben sie sich auf den An- und Verkauf von Kryptowährungen zu Investitionszwecken mit sehr geringen Zahlungstransaktionsvolumina. Es gibt jedoch nur wenige Händler, die Kryptozahlungen bislang akzeptieren.

Neobanken bieten Finanzdienstleistungen

Neobanken gibt es auch in Südafrika. Drei sind es insgesamt. Die Bekannteste ist die Tyme Bank (Take your money everywhere). Sie hat bereits zwei Millionen Konten. Eigentümer aller drei Banken sind bedeutende Wirtschaftsunternehmen: Die Tyme Bank ist Bestandteil eines großen Firmenimperiums. Die Discovery Bank gehört zum führenden Versicherungskonzern Discovery. Und die Bank Zero betreibt ein Wagniskapitalinvestor.

Die Tyme Bank zielt auf den Massenmarkt. Bei der Discovery Bank ist die Zielgruppe dagegen die Mittelschicht. Sie möchte die Kunden unter anderem zu einem „gesünderen“ Verhalten in Finanzangelegenheiten bewegen. Auch die Erste Bank in Österreich verwendet den Slogan von der „Finanziellen Gesundheit“.

Das Konzept stammt von der Versicherungsmutter: Teilnehmer sammeln Punkte, wenn sie Sport treiben, sich Gesundheitschecks unterziehen oder gesunde Lebensmittel im Supermarkt einkaufen. Die Punkte werden beim Kauf von Kaffee, Speisen, Fitnessklub-Mitgliedschaften oder für Mietwagen- und Flugbuchungen eingelöst – bis hin zu Vergünstigungen bei Kredit- oder Sparzinsen.

Fintech-Ökosystem im Aufbau

Zu den Besonderheiten in Südafrika gehört, dass das Land über ein klar definiertes Start-up-Ökosystem verfügt (siehe Abb. 3). Die Akteure sind Teil einer Gemeinschaft, die sich gegenseitig beeinflusst und zusammenarbeitet.

Zu den wichtigsten Triebkräften im Fintech-Ökosystem gehören eine günstige demografische Entwicklung, die weite Verbreitung an Mobiltelefonen und die allgemein schlechte finanzielle Inklusion der Bevölkerung.

Südafrikanische Fintech-Gründer haben mit Mitte 30 ein recht hohes Durchschnittsalter. Die meisten von ihnen waren vor ihrer Fintech-Zeit im bereits Bereich Finanzdienstleistungen tätig.

Für die Fintechs in Südafrika sind wie anderswo auch die Investoren besonders wichtig. Sie sind der Schlüssel für Wachstum und Expansion. Es stehen eine Reihe von Finanzierungsquellen zur Verfügung. Hervorzuheben sind ferner eine relativ hohe Zahl von Venture-Capital-Gesellschaften und Angel-Investoren. Der südafrikanische Risikokapitalbereich ist zwar im Vergleich zu internationalen Pendants klein. Dennoch finden viele Finanzierungsrunden statt. So hat Jumo zu Beginn des Jahres 55 Millionen US-Dollar von einer Vielzahl von Investoren eingesammelt, zu denen unter anderem Goldman Sachs gehört.

Südafrikanische Akteure im Bereich Private Equity für neu gegründete Technologieunternehmen sind etwa Ethos Private Equity, Acorn Equity, Horizon Equity oder Sasfin Private Equity. Die Private-Equity-Komponente der Kagiso Tiso Holding konzentriert sich ganz auf das Black Economic Empowerment.

Ziel vieler Fintechs ist indes, sich mit etablierten Anbietern zusammenzuschließen oder von ihnen aufgekauft zu werden, um Zugang zum meist vorhandenen und etablierten Kundenstamm, den Vertriebsnetzen oder Regulierungs- und Compliance-Know-how zu erhalten.

Etablierte Anbieter in Südafrika verfolgen dabei verschiedene Strategien, wobei die Zusammenarbeit über eine Reihe von Modellen erfolgt:

  • Corporate Venturing: Hier erwerben Banken unterschiedliche Anteile an einer Fintech-Firma, um ihre Lösungen und ihr Humankapital in den laufenden Betrieb des Instituts einzubinden. Ein Beispiel ist der Kauf von SnapScan (Fire Pay) durch die Standard Bank.
  • Inkubation und Akzeleration: Banken-Fintech-Beschleuniger sponsern Start-ups durch Vermittlung von Geschäftswissen und sorgen für Vernetzung, Unterstützung und möglicherweise eine Finanzierung, wenn eine tragfähige Lösung entwickelt wird.
    • Die Bandwidth Barn als Teil der Cape Innovation and Technology Initiative (CiTi) fördert etwa Firmen rund um Kapstadt.
    • Der Inkubator  MEST (Meltwater Entrepreneurial School of Technology) – ein gemeinnütziger Inkubator mit Startkapital – bietet Existenzgründern und Unternehmern eine gemeinsame Plattform zur Vernetzung und Zusammenarbeit.
    • Der Alpha Code Fintech Hub von Rand Merchant Investment Holdings unterstützt aufstrebende Fintech-Start-ups.
  • Partnerschaft mit Fintechs als Anbieter (vor allem im B2B-Bereich): Ein unabhängiges Fintech entwickelt eine bewährte Lösung für ein spezifisches Bankproblem. Ein Beispiel ist ABSA, das die Dienste von Entersekt für die mobile Authentifizierung von Kundentransaktionen nutzt.
  • Zusammenarbeit von Fintechs und etablierten Banken über ein Konsortium aus mehreren Interessengruppen: So hat sich das 2016 gegründete South African Financial Blockchain Consortium zum Ziel gesetzt, das südafrikanische Finanzsystem auf der Grundlage der Blockchain-Technologie neu aufzubauen.
  • White-Label-Lösungen: Sie werden von Technologieunternehmen angeboten. Ein Beispiel ist Velmie – eine Plattform für mobile Geldbörsen. Sie verfügt über ein umfangreiches Portfolio von Fintech-Produkten. Zu ihren Technologielösungen gehören digitale Banken, Peer-to-Peer-Kreditvergabemöglichkeiten, Mikrofinanzlösungen und Krypto-Währungsumtausch. Zu den Merkmalen der auf einer Mikrodienstarchitektur basierenden Plattform für mobile Wallets gehören:
    • sichere Zwei-Faktor-Autorisierung,
    • interaktive Identitätsprüfung,
    • Geldüberweisungen und Währungsumrechnung in Echtzeit,
    • Unterstützung mehrerer Währungen,
    • QR-Code-Zahlungen in Echtzeit.

Finanzielle Inklusion schwach ausgeprägt

In Südafrika ist die Gesamtrate der finanziellen Inklusion recht hoch. Insgesamt sind etwa 75 Prozent der erwachsenen Bevölkerung formell in den Finanzsektor einbezogen. Zieht man die Dienstleistungen SA Social Security Association (SASSA), das heißt der Zuschussempfänger ab, sinkt diese Quote auf 58 Prozent.

Dies wird durch die gut entwickelte Infrastruktur des Finanzsektors und das große Bankenvertriebsnetz unterstützt. Trotz dieser hohen Inklusionsquote ist die Qualität der finanziellen Inklusion in Südafrika gering. Zurückzuführen ist das auf die geringe Akzeptanz bequemer Transaktionsprodukte wie digitaler Zahlungen und das dürftige Wissen über Finanzprodukte.

Nur 37 Prozent der Erwachsenen nutzen digitale Zahlungen auf monatlicher Basis. Etwa 56 Prozent der angestellten Erwachsenen haben kein Finanzprodukt für die Altersvorsorge. 5,5 Millionen Erwachsene verfügen über dieselbe Art von Bestattungsschutz von zwei oder mehr Anbietern, was von mangelnder Kenntnis und mangelndem Verständnis für Finanzprodukte zeugt.

Einer der Gründe für dieses Problem ist die hohe Abhängigkeit von Bargeld als Zahlungsinstrument – vor allem in den unteren Einkommenssegmenten. Diese Verbraucherdynamik ist eine direkte Nachfragebeschränkung für Fintech-Dienstleistungen auf dem Retail-Markt. Insofern wenden sich einige südafrikanische Fintechs zunehmend B2B-Dienstleistungen zu.

Finanzinstrumente in Coronazeiten

Das Portal „Digitaler Rand“ unterstützt die Menschen mit verschiedensten Bezahlfunktionen.

Eine besondere Herausforderung ist die Coronapandemie. Vielen Südafrikanern geht das Geld aus. Der Hunger ist eine unmittelbarere Bedrohung. Der Zahlungsbedarf der gefährdeten Personen muss schnell gedeckt werden, um Unruhen abzuwenden. Das Fintech 6DOT50 hat dazu eine neuartige Bezahlart für lebensnotwendige Güter entwickelt. Die Plattform „Digitaler Rand“ unterstützt die Menschen beim Kauf dringend benötigter Lebensmittel.

Menschen, die Hilfe brauchen, um lebensnotwendige Güter und Lebensmittel zu bezahlen, registrieren sich unter www.6dot50.com kostenlos. Für die Eröffnung eines 6DOT50-Kontos ist eine Mobiltelefonnummer erforderlich. Interessenten müssen dann ein Foto ihres Personalausweises oder Reisepasses hochladen, um sofort Hilfe in Anspruch nehmen zu können.

Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die Bedürftigen helfen möchten. Sie kaufen Digital Rands, die sie entweder direkt an ein beliebiges 6DOT50-Mitglied zur Verwendung senden oder auf eine spezielles Coronakonto des Anbieters spenden können. Die Gelder werden täglich an die berechtigten Mitglieder in ganz Südafrika verteilt. 6DOT50 Digital Rands werden in vielen Läden landesweit als Zahlungsmittel akzeptiert.

Die 6DOT50-Lösung ist über mehrere Jahre hinweg aufgebaut worden. Eingesetzt wird ein standardisiertes Architekturdesign, das eine einfache Wartung, eine verteilte Cloud-Architektur und die Möglichkeit zur einfachen Skalierung bei neuen Anforderungen ermöglicht.

Die Plattform wird auf Microsoft Azure gehostet und von Cyberlogic verwaltet. Die Kernplattformen sind von großen Versicherungsorganisationen bereitgestellt worden. Der Einsatz neuer Technologien zeigt unmittelbar, wie diese zur Verbesserung der finanziellen Situation von vielen Menschen beitragen kann.

Regulierung der neuen Verfahren und Anbieter

Anders als in anderen Schwellenländern ist die Regulierung in Südafrika nicht speziell auf Fintechs ausgerichtet. Die Nationale Kreditregulierungsbehörde (National Credit Regulator) reguliert alle Kreditaktivitäten in Südafrika.

Der National Credit Act (NCA) ist dabei weit genug gefasst, um jede Form der Kreditvergabe zu regulieren – unabhängig von der zugrunde liegenden Plattform. Da alternative Finanzierungen unter dasselbe Regulierungssystem fallen wie traditionelle Arten der Kreditvergabe, ist derzeit nicht zu erwarten, dass die Gesetzgebung umfassend geändert wird.

Eine Form alternativer Kreditvergabe, die nicht unter das bestehende Regulierungssystem fällt, ist die Vergabe von Kryptowährungsdarlehen. Kryptowährungen sind derzeit nicht als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannt. Insofern gibt es für virtuelle Währungen aktuelle keine Regulierung. Alle Transaktionen unter Verwendung virtueller Währungen erfolgen ausschließlich auf eigenes Risiko des Endnutzers.

Generell stehen die Aufsichtsbehörden den Fintechs positiv gegenüber. Die derzeitigen regulatorischen Rahmenbedingungen sind vermeintlich breit genug, um digitale Kanäle potenziell einzubeziehen. Allerdings bieten sie einen Nährboden für Betrug und Cyber-Kriminalität. Explizite „Sandbox“-Freiräume werden den südafrikanischen Fintechs allerdings nicht eingeräumt.

Fazit

Dank einer relativ gut ausgeprägten Finanzinfrastruktur sowie einer hohen Zahl von Venture-Capital-Gesellschaften und Angel-Investoren ist Südafrika aktuell das Fintech-Zentrum Afrikas.

Südafrikanische Fintechs wie Jumo und Yoco sind Paradebeispiele für erfolgreiche südafrikanische Initiativen. Aber in Südafrika haben viele Bevölkerungsgruppen Zugang zu Kreditkarten und verschiedenen Finanzdienstleistungen, sodass der Expansionsbedarf geringer ist als in einigen anderen afrikanischen Ländern. Die Zielgruppe der südafrikanischen Fintechs ist in der Regel unter 30 und digital sehr affin.

Mangelnde Finanzkenntnisse könnten zum Problem für die Entwicklung des Fintech-Sektors werden. Finanzielle Allgemeinbildung ist eine entscheidende Fähigkeit, wenn es um den Zugang zur richtigen Art von Finanzdienstleistungen geht.

Die Kosten für ein Smartphone und für Daten in Südafrika sind für Geringverdiener, die keinen Vertrag haben und keine Daten auf Prepaid kaufen können, immer noch teuer. Somit bleibt eine potenzielle Fintech-Zielgruppe auch hier von bestimmten Finanzdienstleistungen ausgeschlossen. Insofern gibt es bei finanzieller Inklusion noch einen gewissen Nachholbedarf.

Die etablierten Banken haben durch die aufstrebenden 230 Fintechs erkannt, wie wichtig es ist, ihre Produktangebote, Kundenkreise und internen Prozesse neu zu bewerten. Die Banken setzen Technologien ein, die entweder intern oder durch Partnerschaften oder Kapitalbeteiligungen an neu gegründeten Unternehmen entwickelt worden sind. Fintechs konkurrieren daher mit diesen großen etablierten Finanzdienstleistern um Marktanteile.

Autor
Silvio Andrae beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit Fragen aus dem Bereich „Development Finance“ und hat praktische Erfahrungen in Lateinamerika, Afrika und Asien gesammelt. In der Reihe „Fintechs weltweit“ stellt der Autor ausgewählte Regionen vor. Bisher erschienen:

Fintechs weltweit (1): Regionale Buntheit (Überblick)
Fintechs weltweit (2): Brasilien: Eldorado für Finanzexperimente
Fintechs weltweit (3): Indien: Der Kipppunkt

Silvio Andrae
– 13. Oktober 2020