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Fusion
Neue Sparkasse Oberland entsteht
Der Vertrag ist unterschrieben, zum 1. Juni 2022 fusionieren Sparkasse Oberland und Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen zur neuen Sparkasse Oberland.

Nach 45 Jahren sei der Prozess jetzt abgeschlossen, sagten Thomas Orbig, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Oberland, und Peter Lingg, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen, bei der Unterzeichnung des Fusionsvertrags am 30. Juli.

Bereits im Jahr 1976 hatten erste Gespräche über eine mögliche Fusion der damals eigenständigen Sparkassen in Weilheim, Schongau und Garmisch-Partenkirchen stattgefunden. Damals sei die Zeit für diese Vereinigung noch nicht reif gewesen, teilt die Sparkasse Oberland mit.

Der Zusammenschluss beende auch die Trennung der Sparkassen auf Landkreisebene. Eine Gebietsreform ordnete 1976 den Landkreis Garmisch-Partenkirchen neu. Der Großraum Murnau kam damals zwar zum Landkreis hinzu, nicht aber zum Geschäftsgebiet der Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen, sodass alle Geschäftsstellen im Raum Murnau zur Sparkasse Weilheim und seit 2017 zur Sparkasse Oberland gehörten. Künftig sei das Geschäftsgebiet nicht länger geteilt, so die Verwaltungsratsvorsitzenden beider Häuser.

Größeres Haus mit besserer Kostenstruktur

Trotz ordentlicher Ertragslage und sehr guter Eigenkapitalausstattung sähen beide Häuser zudem wachsende Herausforderungen. Die zunehmende Regulierung führe zu höheren Kosten. Auch wegen der Digitalisierung seien mehr spezialisierte Mitarbeiter erforderlich. In einem größeren Haus sei all das wirtschaftlicher möglich. Auch die Kosten für Rechnungswesen, Controlling, Interne Revision, Organisation und Zahlungsverkehr fielen künftig nur noch einmal an.

 

Der künftige Gesamtvorstand der fusionierten Sparkasse Oberland (von links): Markus Lanz, Michael Müller, Thomas Orbig, Peter Lingg, Michael Lautenbacher.

Vor allem stärke die Fusion das Geschäftsmodell, die Potenziale im größeren Geschäftsgebiet könnten künftig effizienter ausgeschöpft werden. Die neue Sparkasse Oberland werde „viel besser in der Lage sein, auch größere Kreditnachfragen selbst zu finanzieren sowie die Umsetzung von Spezialthemen voranzutreiben“. Die neue Größe biete viele Chancen und vergrößere die Handlungsfähigkeit. Auch die neue Sparkasse Oberland werde sich durch Nähe, Vertrauen, Leistung und Engagement auszeichnen.

Professor Ulrich Reuter, Präsident des Sparkassenverbands Bayern, teilt mit, mit der Unterzeichnung des Fusionsvertrags sei ein entscheidender Schritt in die gemeinsame Zukunft getan: „Hier wird ein wichtiger Schritt unternommen, um die Region auch in der kommenden Zeit umfassend und kompetent in allen Finanzfragen begleiten zu können.“ Hier entstehe eine leistungsstarke Sparkasse, von der die Kunden sehr breit profitieren werden, so Reuter.

 

„Hier entsteht eine leistungsstarke Sparkasse, von der die Kunden sehr breit profitieren werden“, sagt Professor Ulrich Reuter, Präsident des Sparkassenverbands Bayern.

Das künftige Geschäftsgebiet der Sparkasse Oberland reicht vom Ammersee bis zur Zugspitze. Mit 45 Geschäftsstellen, 715 Mitarbeitern und 55 Azubis wird das Institut zu den größeren Sparkassen in Bayern zählen. Mit einer Eigenkapitalausstattung von mehr als 500 Millionen Euro und einer Bilanzsumme von 4,46 Milliarden Euro gehört das neue Haus im Ranking der bayerischen Sparkassen zum ersten Drittel. Schon bis zum Fusionstermin werde die Bilanzsumme von fünf Milliarden Euro wahrscheinlich überschritten, so die Sparkasse Oberland.

Der Zusammenschluss unterstreiche die Marktführerschaft der Sparkassen in den Landkreisen Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen. Bereits heute vertrauten fast 140.000 Kunden den Leistungen beider Sparkassen. Die Steuerzahlungen des neuen Hauses würden mehr als fünf Millionen Euro betragen.

Orbig: Alle werden gebraucht, keine fusionsbedingten Kündigungen

Die kommunalen Träger und die Vorstände beider Häuser haben bei den Verhandlungen laut Pressebericht vor allem über Kreditversorgung, die wirtschaftliche Gesamtsituation sowie den Erhalt personenbesetzter Geschäftsstellen und der Arbeitsplätze gesprochen. Nach fairen Gesprächen auf Augenhöhe stimmten die Mitglieder des Kreistags von Garmisch-Partenkirchen und der Sparkassenzweckverband der Sparkasse Oberland jeweils einstimmig der Fusion zu.

Thomas Orbig, Vorstandschef der Sparkasse Oberland: „Das wichtigste Gut, neben unseren Kunden, sind aber unsere Mitarbeiter. Wir möchten für sie Heimat sein und wollen, dass jede und jeder Einzelne Spaß und Freude an seiner Arbeit hat. Alle werden gebraucht, es wird keine fusionsbedingten Kündigungen geben – so ist es im Vereinigungsvertrag fixiert.“ Sicher werde es Veränderungen geben und an manchen Stellen auch Verunsicherung, so Orbig. Diese Sorgen nehme der Vorstand ernst und werde, wo immer möglich, vertretbare Lösungen der Arbeitsplatzgestaltung finden.

Bei der jetzigen Sparkasse Oberland sind 27,5 Prozent der Mitarbeiter älter als 55 Jahre, bei der Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen sogar 40 Prozent. Insofern könnten die geplanten Synergieeffekte in den kommenden Jahren ohne große Probleme umgesetzt werden.

Direkt am Tag der Vertragsunterzeichnung Ende Juli habe es bereits eine Mitarbeiterveranstaltung in Garmisch-Partenkirchen gegeben. Über Videobotschaften auf der neu eingeführten S-Oberlandler-App sollen die kommenden Schritte des Fusionsprojekts bekannt gemacht werden. Nur so könne es gelingen, dass alle Mitarbeiter frühzeitig hinter der Fusion stehen und diese aktiv mitgestalten. „Ab jetzt geht die Arbeit richtig los“, so Orbig.

 

Bei der Unterzeichnung des Fusionsvertrags am 30 Juli (vorne von links): Michael Rapp, Anton Speer, Peter Lingg, Thomas Orbig, Markus Loth, Andrea Jochner-Weiß. Hinten von links: Martin Maurer, Michael Müller, Markus Lanz, Michael Lautenbacher.
(Bild oben: SFG)
– 18. August 2021