Zurück
Geschäfts- und Marktanteilsentwicklung 2019
Hohes Wachstum bei Krediten und Einlagen
Die Geschäftsentwicklung der 379 Sparkassen (Stand: 12/19) in Deutschland verlief 2019 sehr gut. Ihre Bilanzsumme erhöhte sich um 57,2 auf über 1,3 Billionen Euro (+4,6 Prozent).

Im Kundenkreditgeschäft konnten die Sparkassen mit einer Steigerung von 38,2 auf 861,2 Milliarden Euro ein starkes Plus (+4,6 Prozent seit Jahresbeginn) verbuchen. Die gute Zuwachsrate aus dem Vorjahr (+3,7 Prozent) konnte damit noch übertroffen werden. Das Neugeschäft erhöhte sich gegenüber 2018 um 7,3 Prozent. Die Zusagen in Höhe von 170 Milliarden Euro stellen einen neuen Bestwert dar.

Bei Krediten an Unternehmen und wirtschaftlich Selbstständige haben die Sparkassen einen Zuwachs von 24,1 auf einen Bestand von 443,9 Milliarden Euro (+5,7 Prozent) erreicht. Dabei haben sie im Jahresver­lauf 93,3 Milliarden Euro neue Darlehen gegenüber Unternehmen und wirtschaftlich Selbstständigen vergeben. Der bisher beste Wert aus dem Vorjahr (89,2 Milliarden Euro) ist damit noch übertroffen worden.

Kredite an Privatpersonen sind ebenfalls überdurchschnittlich ange­stiegen, der Bestand hat sich um 15,1 auf 363,6 Milliarden Euro erhöht. Das Neugeschäft belief sich auf 69,9 Milliarden Euro (+13,8 Prozent) – auch dies ein bisher nicht erreichter Wert.  

Der Bestand der Kundeneinlagen hat sich 2019 um 45,2 Milliarden Euro erhöht (+4,8 Prozent) – ein deutlich höherer Zuwachs als im Vorjahr (+39,1 Milliarden Euro, +4,3 Prozent). Bei weiterhin niedrigem Zins­ni­veau setzten sich die Verschiebungen zwischen den Anlagekate­gorien fort: Mittelzuflüssen bei Sichteinlagen (+8,8 Prozent) standen Rück­gän­ge bei Termingeldern (‑3,1 Prozent) und Eigenemissionen (-9,4 Pro­zent) gegenüber. Spareinlagen haben ebenfalls leicht verloren (-1,7 Prozent).

Im Kundenwertpapiergeschäft verzeichneten die Sparkassen mit 111,3 Milliarden Euro einen über dem Vorjahr (+5,3 Prozent) liegenden Umsatz. Umsatzsteigerungen gab es in den Kategorien festverzinsliche Wertpapiere (+13 Prozent) und Investmentfonds (+6,3 Prozent), Um­satz­rückgänge dagegen bei Aktien (-5,1 Prozent). Der Nettoabsatz war mit 10,8 Milliarden Euro deutlich positiv.

Die Geldvermögensbildung der Gesamtkundschaft bei Sparkassen (Einlagenzuwachs plus Wertpapiernettoabsatz plus zurechenbares Bauspar- und Lebensversicherungsgeschäft) erreichte mit 58,8 Milliarden Euro  (+6,1 Prozent gegenüber Vorjahr) einen neuen Höchstwert. Die private Geldvermögensbildung war mit 49,0 Milliarden Euro auch so hoch wie nie und hat den Wert aus dem Vorjahr ebenfalls deutlich übertroffen.

Bei sich weiter intensivierendem Wettbewerb haben die Sparkassen 2019 ihre starke Marktposition insgesamt gut behauptet und behaupten im Kredit- und Einlagengeschäft ihre Marktführerschaft.

Kreditgeschäft mit Unternehmen und Privatpersonen wächst stark 

Das Kreditgeschäft der Sparkassen hat sich 2019 sehr gut entwickelt. Im Neugeschäft ist der Vorjahreswert mit 170 um 11,6 Milliarden Euro  (+7,3 Prozent) übertroffen worden – ebenfalls ein neuer Bestwert (siehe Abbildung 1).

Unternehmen und wirtschaftlich Selbstständige haben die Sparkassen 2019 Kredite in Höhe von 93,3 Milliarden Euro zugesagt. Damit ist in diesem Segment ein neuer Rekordwert erzielt und der bisherige Bestwert aus dem Vorjahr (89,2 Milliarden Euro) um 4,1 Milliarden Euro (+4,6 Prozent) übertroffen worden.

Die Zusagen lagen in allen Quartalen über den Vergleichswerten 2018. Mit 70 Prozent entfällt der Großteil der Darlehenszusagen 2019 auf den mittel- und langfristigen Bereich. Schwerpunkt bleiben also die Kredite mit längerfristigem, investivem Charakter.

Das sehr gute Neugeschäft spiegelt sich auch in der Entwicklung der Bestände wider. Der auf Unternehmen und wirtschaftlich Selbstständige entfallende Kreditbestand erhöhte sich 2019 um 24,1 Milliarden Euro (+5,7 Prozent) – mehr als im bereits starken Vorjahr (+5,5 Prozent). Damit wurde ein neuer Rekordzuwachs erreicht. Der Kreditbestand lag Ende Dezember 2019 bei 443,9 Milliarden Euro. Das Tilgungsvolumen belief sich 2019 auf 59,7 Milliarden Euro und war damit etwas höher im Vergleich zum Vorjahr (57,8 Milliarden Euro) (siehe Abbildung 2).

Diese gute Entwicklung spiegelt sich auch im Vergleich mit den Wettbe­werbern wider. Bei einem im Jahresverlauf auch im Gesamt­markt stei­gen­den Marktvolumen[1] gewannen die Sparkassen 2019 bei etwas überdurchschnittlichem Bestandszuwachs leicht an Marktanteilen hinzu (+0,1 Prozentpunkte) und haben mit 31,1 Prozent ihre führende Marktposition behauptet.

Genossenschaftsbanken haben kräftig hinzugewonnen (+0,4 Prozentpunkte auf 21,1 Prozent), bei Großbanken gab es keine Veränderung (Marktanteil = 11,6 Prozent). Die Gruppe der Regionalbanken/sonstige Kreditbanken/Zweigstellen ausländischer Banken (Marktanteil 15,7 Prozent) hat dagegen 2019 leicht eingebüßt (-0,1 Prozentpunkte) (siehe Abbildung 3).

Bei den Krediten an Privatpersonen sagten Sparkassen im Jahr 2019 insgesamt Kredite in Höhe von 69,9 Milliarden Euro neu zu (+8,5 Milliarden Euro, +13,8 Prozent mehr als 2018). Auch der Bestand hat sich kräftig erhöht – um 15,1 auf 363,6 Milliarden Euro (+4,3 Prozent) (siehe Abbildung 4).

Aufgrund des etwas unter dem Gesamtmarkt liegenden Bestands­zuwachses verbuchten die Sparkassen 2019 Marktanteilsverluste (-0,2 Prozentpunkte), trotzdem blieben sie in diesem Segment mit 31,8 Prozent Marktanteil auf der Spitzenposition. Um 0,2 Prozentpunkte hinzugewonnen haben Großbanken (Marktanteil 18,4 Prozent), um 0,1 Prozentpunkte die Genossenschaftsbanken (26,4 Prozent). Die Gruppe der Regionalbanken/sonstige Kreditbanken/Zweigstellen ausländischer Banken blieb unverändert bei einem Marktanteil von 18 Prozent (siehe Abbildung 5).

Der Anstieg des Neugeschäfts ist ausschließlich auf die Entwicklung bei privaten Wohnungsbaukrediten zurückzuführen. Das Neugeschäft belief sich auf 59 Milliarden Euro – gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 8,7 Milliarden Euro (+17,3 Prozent). Der Wert aus dem Rekordjahr 2015 (52,2 Milliarden Euro) ist damit noch übertroffen worden.

Dieser Zuwachs ist einerseits Ausdruck der erheblichen Preissteigerun­gen der vergangenen Jahre. Infolgedessen haben Sparkassen höhere Immobiliendarlehen vergeben als in den Vorjahren. Andererseits haben diese Preiserhöhungen die Nachfrage nicht gebremst. Die Attraktivität von Immobilien ist angesichts unverändert niedriger Zinsen und der von Kunden häufig als schwankend empfundenen Wertpapiermärkte nach wie vor hoch. 

Der Bestand bei privaten Wohnungsbaukrediten erhöhte sich im Jahresverlauf um 17,8 Milliarden Euro (+5,9 Prozent auf 321,2 Milliarden Euro). Das Vorjahreswachstum (+2,8 Prozent) wurde weit übertroffen.

Das Konsumentenkreditgeschäft war 2019 dagegen rückläufig. Im Neugeschäft sagten die Sparkassen 10,9 Milliarden Euro zu, womit der Vorjahreswert leicht um 0,2 Milliarden Euro (-2,2 Prozent) verfehlt worden ist. Der Bestand reduziert sich weiter (-2,7 Milliarden Euro beziehungsweise ‑5,9 Prozent auf 42,4 Milliarden Euro) – im Vergleich zum Vorjahr (2018: -1,9 Prozent) ein stärkerer Rückgang.

Kundeneinlagen stärker gestiegen als in den Vorjahren

Insgesamt verzeichneten die Sparkassen im Kundeneinlagengeschäft 2019 einen kräftigen Bestandszuwachs von 45,2 Milliarden Euro (+4,8 Prozent) – ein gegenüber den Vorjahren deutlich höherer Zuwachs (zuletzt 2018: +4,3 Prozent).

Mittelzuflüsse verzeichneten die Sparkassen dabei aufgrund anhaltender Niedrigzinsen wie nun schon seit Jahren ausschließlich bei Sichteinlagen, die im Jahresverlauf um weitere 54 Milliarden Euro (+8,8 Prozent) auf einen Bestand von 664,6 Milliarden Euro angewachsen sind. Sie machen nunmehr gut zwei Drittel (66,8 Prozent) aller Einlagen aus. Alle anderen Einlagekategorien hatten Rückgänge zu verzeichnen: Spareinlagen (-1,7 Prozent auf 282,7 Milliarden Euro), Termineinlagen (- 3,1 Prozent auf 16,4 Milliarden Euro) und Eigenemissionen (-9,4 Prozent auf 31,7 Milliarden Euro).

Bezogen auf die großen Kundensegmente haben Unternehmen ihre Einlagen 2019 kräftig aufgebaut (+3,5 Prozent auf 148,4 Milliarden Euro gegenüber +2,8 Prozent im Vorjahr). Privatkunden haben 37,2 Milliar­den Euro zusätzlich angelegt (+5,0 Prozent auf 780,7 Milliarden Euro) – im Vergleich zu 2018 (+4,5 Prozent) ebenfalls ein höherer Zuwachs (siehe Abbildung 6).

Das gesamte Marktvolumen im Einlagengeschäft ist 2019 nicht ganz so stark gewachsen wie das Bestandsvolumen der Sparkassen. Spar­kas­sen haben deshalb leicht an Marktanteil hinzugewonnen (+0,1 Pro­zent­punkte auf 30,7 Prozent) und ihre führende Stellung noch ausgebaut. Die Genossenschaftsbanken haben etwas stärker zugelegt (+0,2 Prozentpunkte), ihr Marktanteil belief sich Ende 2019 auf 22,1 Prozent. Ebenso zugelegt haben die Landesbanken (+0,2 Prozentpunkte auf 5,0 Prozent). Die Großbanken haben dagegen verloren (-0,4 Prozentpunkte auf 20,5 Prozent) (siehe Abbildung 7).

Nettoabsatz im Kundenwertpapiergeschäft deutlich positiv

Der Gesamtumsatz im Kundenwertpapiergeschäft der Sparkassen be­lief sich 2019 auf 111,3 Milliarden Euro – eine Steigerung im Ver­gleich zum Vorjahr (+5,3 Prozent). Umsatzsteigerungen gab es bei festver­zins­lichen Wertpapieren (+13,0 Prozent), Investmentfonds (+6,3 Prozent). Aktienumsätze waren dagegen rückläufig (-5,1 Prozent). Sowohl Käufe als auch Verkäufe haben dabei hinzugewonnen.

Der Nettoabsatz (Ankäufe./.Verkäufe) ist 2019 mit +10,8 Milliarden Euro klar positiv, auch wenn nicht der außergewöhnlich hohe Wert von 2018 (+13,8 Milliarden Euro) erreicht worden ist.

Grund für den erneut hohen Wert ist vor allem ein starker positiver Nettoabsatz bei Investmentfonds (+9,8 Milliarden Euro). Auch bei Aktien überwogen die Kundenkäufe (+1,2 Milliarden Euro), während bei festverzinslichen Wertpapieren die Verkäufe der Kunden etwas höher waren (-0,2 Milliarden Euro).

Unter den Fonds weisen Aktienfonds (+4,0 Milliarden Euro), offene Immobilienfonds (+4,5 Milliarden Euro), gemischte Fonds (+1,8 Milliarden Euro) und sonstige Fonds (+1,5 Milliarden Euro) die höchsten positiven Salden auf.

Sparkassenkunden bilden mehr Geldvermögen als je zuvor

Unter Einschluss des den Sparkassen zuzurechnenden Bauspar- und Lebensversicherungsgeschäfts legten Sparkassenkunden (alle Kundengruppen) 58,8 Milliarden Euro direkt und indirekt bei ihrer Sparkasse neu an – mehr als je zuvor (+6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Darunter belief sich allein die Geldvermögensbildung der Privatpersonen auf 49 Milliarden Euro.

Autoren
Immo Janßen ist Referent beim Deutschen Sparkassen- und Girover­band (DSGV) in Berlin.
Yvonne Schulze ist Sachbearbeiterin beim DSGV in Berlin.

 

[1]  Hier Kredite an die Realwirtschaft = Unternehmenskredite einschließlich gewerbliche Wohnungsbaukredite ohne Kredite an Versicherungsunternehmen und Finanzierungsinstitutionen (= Wertpapierhändler auf eigene Rechnung, Tätigkeiten von Kreditkartengesellschaften, Bürgschaftsbanken, Wertpapiersammelbanken, Wertpapierhandelsunternehmen, Verbriefungsgesellschaften).

 

 

23. Juli 2020