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Geschäftsbericht 2020
Mehr gespart, mehr investiert
Rekord bei der Kreditvergabe: Die Coronapandemie hat das abgeschlossene Geschäftsjahr der Kreissparkasse Steinfurt so geprägt wie kein anderes Thema seit der Finanzkrise.

Zusammen mit seinen Vorstandskollegen Heinz-Bernd Buss (Bildmitte) und Carl-Christian Kamp (links) zog Rainer Langkamp, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse (rechts), Bilanz. „Corona hat das Kreditgeschäft nicht, wie anfangs erwartet, negativ beeinflusst.“ Im Gegenteil: Die Unternehmen und Privatpersonen haben mehr investiert als je zuvor, sodass das Institut einen Rekord bei der Kreditvergabe verzeichnete.

Liquiditätskredite fielen nicht ins Gewicht

Dabei spielten die Liquiditätskredite im Rahmen der Coronahilfen nur eine unbedeutende Rolle, so Langkamp. Zudem konnten die Menschen aus der Region gezwungenermaßen weniger Geld ausgeben und haben dadurch deutlich mehr gespart als in den Vorjahren.

Dieses Wachstum hat sich auf die Bilanzsumme der Kreissparkasse ausgewirkt, die um 7,9 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro gestiegen ist. Die Darlehenszusagen lagen mit insgesamt 869 Millionen Euro auf dem höchsten Wert in der Geschichte des Hauses. Ihren Firmenkunden hat die Kreissparkasse davon Darlehen in Höhe von 467 Millionen Euro (plus 18,6 Prozent) bereitgestellt. Die Darlehenszusagen für Privatpersonen stiegen auf 379 Millionen Euro (plus 8,6 Prozent). Damit erhöhte sich unterm Strich der gesamte Kreditbestand der Kreissparkasse auf 3,8 Milliarden Euro (plus 6,0 Prozent).

„Viele Firmenkunden aus dem Handel, der Gastronomie, dem Event- und Dienstleistungsbereich und aus dem Tourismus leiden massiv unter der aktuellen Situation“, sagt Carl-Christian Kamp, stellvertretendes Vorstandsmitglied und Leiter des Firmenkundenbereichs. Und es werde in der nächsten Zeit vermutlich mehr Insolvenzen geben als in den Vorjahren.

Deutlicher Aufschwung erwartet

Der Kreis Steinfurt profitiere jedoch von einem guten Branchenmix und einem starkem Mittelstand, dessen wirtschaftliche Situation vor der Krise überdurchschnittlich gut war. Daher sei die Region nicht so krisengeschüttelt wie andere. „Und wir glauben an einen deutlichen Aufschwung in der Region nach der Krise“, sagt Kamp.

Das lasse sich auch daran ablesen, dass im vergangenen Jahr viele Unternehmen in ihre Zukunft investiert haben. Zudem habe es auch Bereiche gegeben, die von der Situation profitiert hätten. „Dazu gehörten viele Handwerker, Landschaftsgärtner und Händler, die mit den Themen rund um Haus und Garten zu tun haben, aber auch Fahrradhändler“, sagt Kamp.

Die Nachfrage nach den staatlichen Coronahilfen war bei der Kreissparkasse nicht so hoch wie anfangs vermutet. 170 Mal hat das Kreditinstitut staatliche Förderungen in einer Gesamthöhe von 44,6 Millionen Euro an die Unternehmen in der Region weitergeleitet. Bei rund 1000 Darlehen wurden die Tilgungen für private und gewerbliche Kunden ausgesetzt.

Erstmals eine Milliarde Euro in Wertpapierdepots

Deutlich angestiegen sind bei der Kreissparkasse die bilanzwirksamen Kundeneinlagen – und zwar um 7,2 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Das gesparte Geld haben die Kunden deutlich mehr als in den Vorjahren ins Wertpapiergeschäft investiert. „Mit dem anhaltend niedrigen Zinsniveau wächst die Bereitschaft der Anleger, bisher eher unrentable Anlagen in chancenreichere Alternativen aus dem Wertpapiergeschäft umzuschichten“, so Vorstandsvorsitzender Langkamp. So lagen zum Jahresende erstmals mehr als eine Milliarde Euro in den Wertpapierdepots der Sparkassenkunden – 130 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

Investiert haben die Kunden der Sparkasse mehr als in den Vorjahren auch in Immobilien in der Region. Im vergangenen Jahr wurden 189 Immobilien vermittelt. „In Zeiten von Corona hat das eigene Haus oder die eigene Wohnung nochmal deutlich an Bedeutung gewonnen. Das merken wir auch beim Thema Bausparen mit einem Neugeschäft von 92,4 Millionen Euro“, sagt Heinz-Bernd Buss.

Corona hatte auch Auswirkungen auf die Kreissparkasse selbst: „Wir haben im vergangenen Jahr alles dafür getan, um unseren Kundinnen und Kunden so unkompliziert und so schnell wie möglich unter die Arme zu greifen“, sagt Vorstandschef Langkamp. Dafür habe man Prozesse beschleunigt und verkürzt. Die Beratung wurde zu 100 Prozent aufrechterhalten – ob per Bildschirmaufschaltung, Telefon, Mail oder per Video. „Da haben sich unsere Investitionen in die Digitalisierung aus den Vorjahren gelohnt“, sagt Langkamp.

10. Februar 2021