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Geschäftsbericht 2020 / Sparkasse Dieburg
Neßler präsentiert letztmals die Bilanz
Mit dem Prädikat „zufriedenstellend“ versieht die Sparkasse Dieburg das Geschäftsjahr 2020. Doch im Mittelpunkt der Präsentation standen zunächst nicht die Zahlen.

Gleich zu Beginn der diesjährigen Vorstellung der Geschäftszahlen informiert der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Landrat Klaus Peter Schellhaas, zum anstehenden Wechsel im Vorstand. Nach 47 Dienstjahren wird der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Dieburg, Sparkassendirektor Manfred Neßler, zum 30. Juni auf eigenen Wunsch in den Ruhestand gehen.

„Wir hätten uns die erfolgreiche und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Manfred Neßler bis zur Erreichung der Altersgrenze (30. April 2022) gut vorstellen können“, sagte der Vorsitzende des Verwaltungsrates bei der Vorstellung der Geschäftszahlen. „Manfred Neßler zeichnete in den vergangenen 25 Jahren im Vorstand der Sparkasse Dieburg, davon 15 Jahre als Vorstandsvorsitzender, maßgeblich verantwortlich für die Ausrichtung der Sparkasse Dieburg als führender Finanzdienstleister in der Region.“

Von links: Markus Euler (stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes), Landrat Klaus-Peter Schellhaas (Vorsitzender des Verwaltungsrates), Ramon Moral Hellermann (stellvertretendes Vorstandsmitglied), Manfred Neßler (Vorsitzender des Vorstandes) und Carsten Schneider (stellvertretendes Vorstandsmitglied).

Neßler habe dabei stets wirtschaftlichen Erfolg mit dem öffentlichen Auftrag, die nachhaltige Entwicklung der Region zu fördern, vereint. „Insgesamt ein Glücksgriff für die Sparkasse, ihre Kundinnen und Kunden und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, so Landrat Schellhaas.

Euler tritt Nachfolge an

Im Rahmen der Nachfolge wurde durch den Verwaltungsrat der seitherige stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Markus Euler, mit Wirkung ab 1. Juli zum Vorsitzenden des Vorstands berufen. Ramon Moral Hellermann, bisher stellvertretendes Vorstandsmitglied, wird stellvertretender Vorstandsvorsitzender.

„Mit Markus Euler und Ramon Moral haben wir ein Vorstandsduo, das nicht nur außerordentliche Fach- und Führungskompetenz mitbringt, sondern auch langjährige Expertise im direkten Kundengeschäft. Beide haben in den letzten Jahrzehnten in verantwortlicher Position bei der Sparkasse Dieburg maßgeblich zu deren Erfolg beigetragen“, führt Schellhaas aus.

Euler (57) ist bereits seit 41 Jahren für die Sparkasse Dieburg tätig, davon 21 Jahre als Vorstandsmitglied und verantwortlich für das Kundengeschäft der Sparkasse sowie die Eigenanlagen. Ramon Moral (46) ist seit 2012 stellvertretendes Vorstandsmitglied und verantwortet als ausgewiesener Kreditfachmann einen Großteil des Kundenkreditvolumens sowie die Immobilienvermittlung und das Versicherungsgeschäft.

Das Vorstandsteam wird ergänzt um Carsten Schneider (50), der bereits mit Wirkung zum 1. Januar 2020 als stellvertretendes Vorstandsmitglied berufen worden war. Er kam nach beruflichen Stationen bei der Sparkasse Chemnitz und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Jahr 2011 zur Sparkasse Dieburg, leitete zunächst die Interne Revision und ist seit April 2019 für den Bereich Zentrale Marktfolge und Kreditmanagement verantwortlich.

Mit der internen Nachfolgeregelung setzt die Sparkasse auf Kontinuität in der Geschäftsführung. „Mit der Entscheidung sind die Weichen für die Nachfolge gestellt und wir können uns in den aktuell bewegten Zeiten voll auf unsere Kundinnen und Kunden und deren Wünsche konzentrieren“, so Schellhaas.

Zufriedenstellendes Ergebnis

Die Sparkasse Dieburg schließt das Geschäftsjahr 2020 mit einem Jahresergebnis von fünf Millionen Euro (2019: sieben Millionen Euro) ab. „Die Covid-19-Pandemie ist zweifelsfrei eine der größten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen der letzten Jahrzehnte. Die Sparkasse konnte dennoch ein angemessenes Jahresergebnis unter diesen erschwerten Bedingungen ausweisen“, so Sparkassenchef Neßler.

Das Betriebsergebnis vor Bewertung und Steuern liegt für 2020 bei 18,8 Millionen Euro, was 0,68 Prozent der Durchschnittsbilanzsumme (DBS) entspricht. Gegenüber dem Vorjahr ist das operative Betriebsergebnis um rund drei Millionen Euro zurückgegangen. Die wesentliche Ertragskomponente ist weiter der Zinsüberschuss mit 45,1 (Vorjahr: 48,2) Millionen Euro.

„Für den Rückgang des Betriebsergebnisses ist weniger die Covid-19-Pandemie als vielmehr das andauernde Niedrig- und Negativzinsumfeld verantwortlich. Während unser Provisionsergebnis gegenüber dem Vorjahr unverändert bei knapp 15 Millionen Euro liegt, ist der Zinsüberschuss weiter rückläufig“, betont Neßler. Daraus resultiert ein Jahresüberschuss von fünf Millionen Euro.

Eigenkapital stärken

Die Gewinnverwendung von Banken und Sparkassen steht in der Pandemie unter besonderer Beobachtung der Bankenaufsicht. Die Europäische Zentralbank wie auch Bafin formulieren die dringende Empfehlung, auf Ausschüttungen zu verzichten und durch Gewinnthesaurierung das Eigenkapital zu stärken. „Dem sind wir bisher gefolgt und haben die geplante Ausschüttung 2019 als Gewinnvortrag in das Jahr 2020 mitgenommen. Wir sind eine eigenkapitalstarke (Kernkapitalquote 23,4 Prozent) und profitable Sparkasse. Vor diesem Hintergrund werden wir mit unseren Gremien eine Ausschüttung abstimmen“, führt der Vorstandsvorsitzende aus.

„Dass wir auch in der Covid-19-Krise für unsere Kunden da sind, ist für uns selbstverständlich“, erläutert Markus Euler, zuständiges Vorstandsmitglied für das Kundengeschäft. Der Lockdown habe vielen  gewerblichen Kunden teils über Nacht die Geschäftsgrundlage entzogen. Auch bei Privatkunden sei durch Kurzarbeit oder Jobverlust „Corona“ im Geldbeutel angekommen.

Euler: „Durch gezielte Maßnahmen, insbesondere Aussetzung von Leistungsraten, Ausweitung von Kreditlinien und auch die Förderkreditprogramme der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), konnten wir wirksam und unbürokratisch Abhilfe schaffen.“

Kreditvolumen gestiegen

Dennoch ist die Sparkasse weiter gewachsen und schließt das Geschäftsjahr mit einer zwölf Prozent höheren Bilanzsumme, die zum Stichtag bei rund 3,0 Milliarden Euro liegt. Das Kundenkreditvolumen ist im Vergleich zum Vorjahr um rund fünf Prozent gestiegen und erreichte erstmals die Grenze von 2,0 Milliarden Euro. Dabei entfallen 1,2 Milliarden Euro auf Ausleihungen an Privatkunden und rund 750 Millionen Euro auf das gewerbliche Kundengeschäft. In beiden Segmenten ist die Sparkasse Dieburg im abgelaufenen Geschäftsjahr gewachsen.

Auch in Bezug auf die neu bewilligten Darlehensmittel verzeichnet die Sparkasse Dieburg über alle Segmente ein Wachstum von knapp vier Prozent auf insgesamt rund 312 Millionen Euro.

In besonderem Maße sind die Ausleihungen an gewerbliche Kunden angestiegen und belaufen sich auf 103 Millionen Euro. Dies entspricht einem Wachstum von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 40 Millionen Euro entfallen auf öffentliche Fördermittel, darunter auch die Corona-Förderprogramme der staatlichen KfW-Bank.

Mit einem Anteil von knapp 60 Prozent (192 Millionen Euro) an den gesamten Neuausleihungen hat die Finanzierung regionaler Wohnungsbauvorhaben weiter eine besondere Bedeutung.

Verwahrentgelte nicht für die Breite der Sparer

Auf der Einlagenseite ist ein Anstieg der bilanziellen Geldanlagen um knapp zehn Prozent auf 2,4 Milliarden Euro zu verzeichnen. Dabei entfallen fast 77 Prozent auf Giro- und Tageseinlagen. „Der Trend der letzten Jahre setzt sich ungebrochen fort und die Bestände auf Giro- und Tagesgeldkonten wachsen deutlich an. Die aktuelle Marktsituation macht es jedoch erforderlich, dass wir uns des Themas intensiver annehmen müssen und auch Verwahrentgelte eine Rolle spielen“, führt Euler aus.

Seither wurden nur selektiv an liquiditätsstarke Gewerbetreibende und wenige Privatkunden mit sehr hohen täglich fälligen Einlagenbeständen Verwahrentgelte weitergegeben. „Als Sparkassenvorstand lehnen wir Verwahrentgelte in der Breite der Bevölkerung ab. Wir sind bestrebt, dass auch in Zukunft dies nur für wenige unserer Privatkunden zum Thema wird“, erläutert Euler.

Gleichzeitig bietet die Sparkasse Dieburg neben den Einlagen auf Giro-, Tagesgeld und Sparkonten ein breites Spektrum an Anlagealternativen. „Aus unserer Sicht sind klassische Sparprodukte bereits seit einigen Jahren die absolut falsche Strategie für den Vermögensaufbau und -erhalt. Hier heißt es weiter: Anlegen statt stilllegen und dabei Wertpapieranlagen nicht zu vergessen“, betont Euler.

Die Sparkasse legt dabei großen Wert auf eine individuelle und anlegergerechte Beratung, bei der die Anlageziele und die Vermögensverhältnisse im Mittelpunkt stehen. „Unser öffentlicher Auftrag ist die Förderung des Spargedankens, und dabei führt an Wertpapieren kein Weg vorbei“, so Euler weiter.

19. Februar 2021