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Umgang mit CO2-Emissionen
Gold-Standard für die Sparkassen
Die Dekabank bietet den Sparkassen an, nicht vermeidbare CO2-Emissionen zu kompensieren. Ein Gespräch mit Kapitalmarktvorstand Martin Müller über freie Märkte, Glaubwürdigkeit und die Plattform der Deka.

Herr Müller, die Sparkassen haben klargemacht, dass sie bis 2035 klimaneutral arbeiten wollen. So steht es in der gemeinsamen Selbstverpflichtung vom Dezember 2020. Wie unterstützt die Deka diese Bemühungen der Sparkassen?

Martin Müller: Wir bieten an, dass wir die Institute ab April dabei unterstützen, ihren jährlichen CO2-Ausstoß zu ermitteln. Dabei teilen wir unsere Erfahrungen als DekaBank, wie man CO2 im Geschäftsbetrieb misst und reduziert.

Und wir bieten an, gemeinschaftlich die zurzeit nicht vermeidbaren Emissionen am freien Markt zu kompensieren. Das organisieren wir für alle Häuser, die mitmachen wollen.

Wie können Sparkassen über die Deka ihre nicht vermeidbaren Emissionen kompensieren?

Wir nutzen dafür bereits bestehende Verbindungen. Rund 280 Sparkassen sind heute schon mit unserer Treasury-Plattform „Deka Easy Access“ technisch verbunden. Dort haben wir ein zusätzliches Modul, die CO2-Kompensationsplattform,  integriert, die wir Sparkassen über eine Zusatzvereinbarung zugänglich machen. Technisch gesehen ist das denkbar einfach: ein Mausklick genügt.

 


"Unsere Treasury-Plattform dient der Ermittlung des CO2-Fußabdrucks, und bietet dann Vorschläge zur Kompensation an. Wir unterstützen alle Häuser die mitmachen wollen."

Martin Müller, Kapitalmarktvorstand der DekaBank.


Was findet man als Sparkasse auf dieser Plattform?

Sie hat zwei Bausteine: Der eine dient der Ermittlung des CO2-Fußabdrucks, der zweite bietet dann Vorschläge zur Kompensation. Für die Errechnung des Fußabdrucks nutzen wir das marktführende Tool des VfU (Verein für Umweltmanagement und Nachhaltigkeit; Red.). Die Kompensationsleistung organisieren wir aus der DekaBank heraus. Für beides bieten wir Sparkassen ein umfassendes Schulungsangebot inklusive Video-Tutorials, Workshops und regelmäßigen Sprechstunden.

Was bedeutet dann „CO2 kompensieren“?

Die Sparkasse erwirbt über die DekaBank CO2-Minderungszertifikate namhafter Anbieter etwa aus dem Bereich Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, oder „sauberes Trinkwasser“. Diese Zertifikate verbriefen jährliche, durch die Projekte vermiedene CO2-Emissionen. Mit all diesen Anbietern schließen wir als Deka entsprechende Rahmenvereinbarungen. Die Anbieter versichern, dass durch ihre Initiativen CO2 gespart wird.

Wie geht die Sparkasse dazu konkret vor?

Im Grunde sind es drei Schritte. Erstmal CO2-Verbrauch messen und den Reduktionspfad festlegen, dann reduzieren. Für die derzeit noch nicht vermeidbaren Emissionen kann die Sparkasse unter den Projektvorhaben in der Kompensationsplattform auf „Deka Easy Access“ auswählen und das benötigte Volumen hinterlegen. Alle dort hinterlegten CO2-Kompensationsprojekte kommen auch für die Deka selbst in Frage.

Die Sparkasse Aachen, mit der wir das Angebot pilotiert haben, hat bereits verschiedene Maßnahmen zur CO2-Verringerung durchgeführt. Sie kommt aktuell bei einem Geschäftsbetrieb von 1.500 Mitarbeitern auf etwa 4.000 Tonnen Kompensationsbedarf im Jahr.

Und die Deka macht damit – was genau?

Die Leistung der Deka besteht darin, dass wir qualifizierte Projekte auswählen und den Kauf der Zertifikate aus diesen Projekten bzw. deren Stilllegung für die Sparkasse abwickeln. Die Sparkasse erhält dann eine sogenannte Stilllegungsbescheinigung. Diese weist nach, dass die Zertifikate nur einmal verwendet und anschließend aus dem Markt genommen (stillgelegt) werden. Für die Sparkasse ist das der Nachweis, dass eine Kompensation des eigenen CO2-Fußabdrucks durch Reduktion an anderer Stelle stattgefunden hat.

 


"Durch den Einsatz neuster Technologien können vergleichsweise große Mengen CO2 gespart werden."


Also agiert die Deka wie eine Einkaufsgemeinschaft oder eine Plattform.

Ich sag mal so: Wir als Deka stellen eine ordentliche Infrastruktur, einen verlässlichen Prozess und teilen unsere Expertise. Ich halte es auch für sinnvoll, wenn nicht jede Sparkasse die komplette Lernkurve durchläuft, die wir in zehn Jahren aufgebaut haben – und wenn möglichst viele Institute mit denselben Tools arbeiten. Eine Plattform kann helfen, dass nicht jeder die grundlegenden Hausaufgaben einzeln erledigen muss. Und um das zu fördern, ist unser Angebot für die Sparkassen auch kostenfrei.

Sind bei den Kompensationsprojekten auch regionale Initiativen dabei?

Das würden wir uns wünschen, genau wie viele Sparkassen – aber so funktioniert der Markt nicht. Kompensationsfähige Projekte in Industriestaaten sind in aller Regel bereits für den Internationalen Emissionshandel vorgemerkt.

Die verfügbaren Projekte, die wir nutzen können, sind freiwillig und eben nicht Teil des verpflichtenden Emissionshandels. Das sind oft Nachhaltigkeitsinitiativen aus Entwicklungs- und Schwellenländern wie zum Beispiel Windkraft in Marokko.

Ihr wesentlicher Vorteil ist, dass dort durch den Einsatz neuster Technologien vergleichsweise große Mengen CO2 gespart werden können. Das sind die Mengen, die wir in der Sparkassen-Finanzgruppe brauchen.

Wie versichern sie sich, dass es im Sinne der Nachhaltigkeit wirksame Projekte sind?

Die Projekte, die wir jedes Jahr neu auswählen, müssen entsprechende Qualitätsstandards erfüllen – etwa den Gold Standard oder den Verified Carbon Standard.

Dahinter liegt eine lange Kette von Prüfungen, auch vor Ort, um sicherzustellen, dass Anbieter die Kompensationsleistung wirklich nur einmal anbieten. Zusätzlich führt der vom Verwaltungsrat der Deka bestellte Nachhaltigkeitsprüfer noch eine weitere Qualitätssicherung durch. Damit gehen wir über die Formalkriterien der eingeführten Standards hinaus und schauen auf die konkrete CO2-Wirkung des Projekts.

Könnten Sie sich vorstellen, dass Sparkassen die Mühen einer CO2-Reduktion überspringen und gleich ihre Emissionen kompensieren wollen?

Das ist aus unserer Sicht nicht sinnvoll und daher auch in unserer Plattform so nicht angelegt. Unser aller Bemühungen um Nachhaltigkeit müssen glaubwürdig sein.

Da ist die Selbstverpflichtung ein wichtiger Schritt, ebenso wie das Erheben und Messen. Ein ganz entscheidender Schritt ist aber natürlich die Reduktion. Für den nicht vermeidbaren CO2-Ausstoß greift dann das Angebot, zu kompensieren.

Was tut eigentlich die Deka, um ihren eigenen CO2-Fußabdruck zu verringern?

Wir haben seit 2009 ein nach ISO 14001 zertifiziertes Umweltmanagement und konnten in den letzten 10 Jahren unsere unvermeidbaren CO2-Emissionen um gut 8.000 Tonnen – das sind rund 53 Prozent – senken. Durch den Umzug vieler Mitarbeiter in ein neues Gebäude in diesem Jahr ergeben sich weitere Einsparungen von ca. 50 Prozent des absoluten Energieverbrauchs gegenüber den bisher genutzten Gebäuden.

Also: Wir tun für mehr Nachhaltigkeit gern etwas bei uns – aber eben auch für andere

 

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Anke Bunz
– 15. März 2021