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Klimaschutz-Selbstverpflichtung / Aus der Praxis
„Auch das Controlling brennt für das Thema“
Mehr als 190 Institute haben inzwischen die Klimaschutz-Selbstverpflichtung der Sparkassen-Finanzgruppe gezeichnet. Bei der Umsetzung finden die Sparkassen unterschiedliche Wege - und viele Begeisterte in den eigenen Reihen, zeigt eine Stichprobe.

Die Stadt-Sparkasse Solingen hat seit diesem Jahr eine hauptamtliche Referentin für Nachhaltigkeitsmanagement. Isabel Herper ist Teil des Vorstandsstabs. „Unser Haus gehört zu den Erstunterzeichnern der Klimaschutz-Selbstverpflichtung, aber engagiert haben wir uns in dem Bereich schon vorher“, sagt sie.

Schrittweise Umstellung auf E-Fahrzeuge 

Im Fokus stehen derzeit das Kerngeschäft und die hauseigene Fahrzeugflotte. Sie soll schrittweise ganz auf E-Fahrzeuge umgestellt werden. Darüber hinaus führt die Stadt-Sparkasse Solingen einen regelmäßigen Check im Depot A durch, „damit wir die Eigenanlage sukzessive stärker auf Nachhaltigkeit ausrichten können“.

 

„Unser Haus gehört zu den Erstunterzeichnern der Klimaschutz-Selbstverpflichtung, aber engagiert haben wir uns in dem Bereich schon vorher.“
Isabel Herper, Referentin für Nachhaltigkeitsmanagement und Teil des Vorstandsstabs der Stadt-Sparkasse Solingen


Strategie um neuen Aspekt ergänzt

In der Verbundsparkasse Emsdetten-Ochtrup kümmern sich Marina Gesenhues und Ralf Hermeling aus dem Vorstandsstab darum, dass die Sparkasse unter den Kundinnen und Kunden als nachhaltiger Anbieter wahrgenommen wird – inklusive aktiver Pressearbeit.

Auch die Strategie wurde um den Aspekt „Nachhaltigkeit“ ergänzt und ist so ausgerichtet, dass die Sparkasse zur Umsetzung von Zielen der Nachhaltigkeits-Charta der Vereinten Nationen und dem Pariser Klimaabkommen beiträgt.

Je 150.000 Euro Absatz wird ein Baum gespendet

„Außerdem wollen wir ökologische und soziale Aufgaben verbinden“ sagt Ralf Hermeling. Die Vermögensbildung durch Wertpapiere wird aktuell durch eine Baumpflanz-Aktion begleitet: Je 150.000 Euro Absatz in nachhaltigen Anlageprodukten spendet die Sparkasse einen neuen Baum für das Geschäftsgebiet. „Mit dieser Aktion wollen wir positiv motivieren, sich mit dem Thema zu beschäftigen – das gilt für Kundinnen und Kunden damit natürlich auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Auf oberster Ebene angesiedelt

Organisatorisch ist das Nachhaltigkeitsmanagement bei der VerbundSparkasse im Vorstandsstab um den Vorstandsvorsitzenden Peter Eckhardt verortet – und damit strategisch auf oberster Ebene angesiedelt. „Wir verstehen Nachhaltigkeit nicht als Begrenzung, sondern als Erweiterung unseres Denkens und Handelns“, bringt es Sparkassenchef Eckhardt auf den Punkt.

 

„Wir verstehen Nachhaltigkeit nicht als Begrenzung, sondern als Erweiterung unseres Denkens und Handelns.“
Peter Eckhardt, Vorsitzender des Vorstands der VerbundSparkasse Emsdetten·Ochtrup

„Nachhaltigkeit braucht das ganze Haus“

Für Jochen Rademacher sind solche Beispiele aus anderen Häusern wichtig. Als Leiter der Unternehmens- und Risikosteuerung sowie des Marketings der Verbandssparkasse Goch-Kevelaer-Weeze hat er „nur begrenzte Ressourcen, dafür aber kurze Wege innerhalb des Hauses, um abteilungsübergreifend das Thema Nachhaltigkeit anzugehen.“

Mehr mobiles Arbeiten, weniger Pendeln und das Angebot nachhaltiger Fonds seien in der der Verbandssparkasse Goch-Kevelaer-Weeze schon fest etabliert. „Nachhaltigkeit braucht aber das ganze Haus“ sagt Rademacher, „denn wir wollen ja nicht nur die Kunden ansprechen, sondern selbst auch hausintern tätig werden und zudem die aufsichtsrechtlichen Anforderungen berücksichtigen.“

Die Erfahrungen anderer Sparkassen helfen bei dieser Weiterentwicklung sehr; in den Gremien wird über das Thema „Nachhaltigkeit“ berichtet.

 

„Wir wollen nicht nur die Kunden ansprechen, sondern auch hausintern tätig werden und zudem die aufsichtsrechtlichen Anforderungen berücksichtigen.“
Jochen Rademacher, Leiter der Unternehmens- und Risikosteuerung sowie des Marketings der Verbandssparkasse Goch-Kevelaer-Weeze

Zunehmend mit Umweltbanken konkurrieren

Die Stadtsparkasse Wedel hat vor allem im Kontakt mit jüngeren Kundinnen und Kunden festgestellt, „dass wir hier immer öfter mit Umweltbanken konkurrieren müssen“, sagt Florian Graßhoff. Als Leiter Vorstandsstab verantwortet er die Abteilungen Betriebswirtschaft und Finanzen, Controlling und Personal.

„Für uns kam die Klimaschutz-Selbstverpflichtung genau richtig, um mal eine ehrliche Bestandsaufnahme im Haus anzustoßen und einen Plan zu machen, der auf messbare Fortschritte und eine eigenständige Nachhaltigkeitsstrategie abzielt.“

Richtlinien für Branchen und Engagements

Diese Strategie ist nun im Werden. Das bereichsübergreifende Projektteam besteht aus Mitarbeitern des Vertriebs, der Organisation, des Kreditmanagements, der Vertriebssteuerung und des Risikomanagements. „Auch das Controlling brennt für das Thema. Wir konnten deshalb das Projektteam Nachhaltigkeit mit Menschen besetzen, die sich aus eigener Überzeugung dafür gemeldet haben“, berichtet Graßhoff.

 

„Wir konnten das Projektteam Nachhaltigkeit mit Menschen besetzen, die sich aus eigener Überzeugung dafür gemeldet haben.“
Florian Graßhoff, Leiter Vorstandstab bei der Stadtsparkasse Wedel


Die Stadtsparkasse Wedel arbeitet mit dem ‚Zielbild 2025‘ als Leitfaden und möchte mindestens das Ambitionsniveau „Standard“ erreichen – also mehr als ein Einsteiger sein. Zum Beispiel soll es klare interne Richtlinien für Branchen und Engagements geben, „ob wir sie fortsetzen, abbrechen oder umschichten“. 

Schulspenden an Auflage geknüpft

Eins hat sich bei der Bestandsaufnahme schon herausgestellt: „Wir können viel mehr nachhaltige Leistungen zeigen, als uns bisher bewusst war“, so Graßhoff. Dazu gehören viele Arbeitgeberangebote, ein E-Ladeanschluss, Photovoltaik am Gebäude und Pflanzaktionen mit Mitarbeitern.

„Unsere jährliche Spende für die Schulen vor Ort haben wir jetzt an die Auflage geknüpft, das Geld für nachhaltige Projekte einzusetzen“ ergänzt Graßhoff. „50 Prozent ist also Tun, und 50 Prozent ist drüber reden. Unsere Kunden sollen wissen, dass sie nicht zur Umweltbank müssen, wenn sie einen nachhaltigen Finanzpartner suchen.“

Die Sparkasse kann das auch – immer mehr, und an immer mehr Orten.

 

Die Liste der Institute, die bereits die Klimaschutz-Selbstverpflichtung der deutschen Sparkassen gezeichnet haben, finden Sie auf dsgv.de.

 

Anke Bunz
– 3. März 2021