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Management / Strategie
Mit beiden Händen Veränderung meistern
Wie Ambidextrie die Managementpraxis beflügelt, erklärte bei der DSGV-Personalfachtagung Olaf Tietgen, Leiter Unternehmensentwicklung bei der Volksbank Lübeck.

Der Ort passte zum Thema: Volksbank-Referent Olaf Tietgen präsentierte sein Strategiemodell per Videostream vom sogenannten Hanse-Lab der Volksbank Lübeck aus. Ein Vorbild für die Raumgestaltung des Hanse-Labs sei das Berliner Launchlab gewesen, erläuterte der Unternehmensentwickler der Volksbank in seinem Referat bei der DSGV-Personalfachtagung.

Effizienz und Innnovation sind wie zwei rechte Hände: Olaf Tietgen, Leiter Unternehmensentwicklung bei der Volksbank Lübeck, referierte  bei der DSGV-Personalfachtagung 2020.

Der Raum für offene Diskussionen diene dem Eigenbedarf der Volksbank, stehe aber auch anderen Unternehmen offen, die in anregender Atmosphäre über strategische Veränderungen sprechen wollten, diese müssten nicht einmal Kunde der Volksbank sein.

Hanse-Lab steht auch Nicht-Kunden offen

„Zu einem Drittel Eigennutzung, zu zwei Dritteln Fremdnutzung“, das sei das angestrebte Verhältnis im Hanse-Lab , erklärt Tietgen. Mitarbeiter der Volksbank übernähmen auf Wunsch die Rolle als Veränderungs-Coach.

Die Offenheit auch gegenüber Nichtkunden komme dem Firmenkundengeschäft der Volksbank zugute, so der Referent. Außerdem erwies sich diese Offenheit als bezeichnend für die Managementmethode "Ambidextrie" (Beidhändigkeit).

Steht auch Nicht-Kunden mit Diskussionsbedarf zur Verfügung: Hanse-Lab der Volksbank Lübeck

Etabliertes und innovatives Wissen ergänzen sich

Ambidextrie präsentierte Tietgen als Vorgehen, das etabliertes und auf Effizienz zielendes Planungs- und Controllerwissen mit innovativ-experimentellem Wissen kombiniert, bei dem es um Netzwerke, Beziehungen, Chancen und Transparenz geht.

Ziel des Managements solle eine zeitgleiche Veränderung in Einstellung, Kommunikation, Führung, Organisation und Personal bei etablierten und innovativen Ansätzen sein.

Neue Räume seien ebenso Bestandteil dieses Ansatzes wie crossfunktionale Teams, Kommunikation auf Augenhöhe, Kundenzentrierung, Resilienz und agile Arbeitsmethoden.

Klassische Farbenlehre verschwimmt an den Rändern

Eine Welle von Veränderungen rolle derzeit über die Geldinstitute hinweg, führte Tietgen aus Die „klassische Farbenlehre“ der Branche verschwimme an den Rändern, wie bereits heute in diversen Kooperationsmodellen zwischen Sparkassen und Volksbanken zum Ausdruck komme. 

Für die Veränderungen der „Druckverhältnisse“ in der Finanzbranche sorgten die US-Konzerne, Google, Amazon, Facebook und Apple, die Finanzdienstleistungen liefern könnten, ohne selbst zur Branche zu gehören.

Recreation-Zone mit Industrieloft-Charme in der Volksbank Lübeck

Die digital gestellte Frage aus dem Publikum der DSGV-Personalfachtagung, ob solche Konzerne Maßstab für Regionalbanken sein könnten, konterte Tietgen mit der Feststellung, die „Gafas“ seien längst Teil der Wettbewerbsrealität, und die Finanzbranche müsse Antworten darauf finden.

Eine mögliche Antwort sieht Tietgen in einer Erweiterung der Regionalbanken-DNA auf Netzwerke und Plattformen, auch im technischen Sinn. Bei den IT-Investitionen gelte es Kurs zu halten zwischen Kostendruck und erforderlichen Erneuerungen.

Tietgen demonstrierte beispielhaft, wie ein lokales Geldinstitut Management-Schlagworte wie Kommunikation auf Augenhöhe und agiles Arbeiten in gelebte Praxis und inspirierende Realität verwandeln kann.

Hanse-Lab-Küche der Volksbank Lübeck.
Christoph Becker
– 20. November 2020