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MBS Potsdam
„Noch haben wir Ideen, was wir mit dem Geld anfangen“
Das Umland Berlins hat im Zuge der Coronakrise im vergangenen Jahr weiter an Attraktivität gewonnen, erklärt Andreas Schulz, Vorstandschef der Mittelbrandenburgischen Sparkasse (MBS) in Potsdam.

Vor allem der Digitalisierungsschub sowie zwei Großprojekte stimmen ihn positiv für 2021, doch konkrete Sorgen gebe es ebenfalls, so Schulz.

Die MBS Potsdam hat das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem guten Ergebnis abgeschlossen, erklärte der Sparkassenchef. Zu den erheblichen Belastungen aus anhaltender Negativzinsphase und Überregulierung seien die Verwerfungen durch die Coronapandemie gekommen. In diesem Umfeld habe die siebtgrößte deutsche Sparkasse durch ein erfolgreiches Kundengeschäft ihr Geschäftsvolumen sowohl bei Krediten und Einlagen als auch im Wertpapiergeschäft deutlich ausweiten können. Die Bilanzsumme stieg von 14,1 Milliarden auf 15,5 Milliarden Euro.

„Das Coronajahr hat deutlich gemacht, wie wichtig Sparkassen als Anlaufstelle für die Menschen und die Unternehmen in der Region sind“, so Schulz. „Wir haben im März vergangenen Jahres eine Grundsatzentscheidung getroffen, dass wir alle Geschäftsstellen offenhalten. Das haben wir auch so durchgehalten.“

Kreditgeschäft wächst kräftig

Die Kreditzusagen verzeichneten mit 1,38 Milliarden Euro einen Rekordzuwachs um 45 Prozent. Allein die Zusagen an Unternehmen und Selbstständige stiegen um 74 Prozent auf 734 Millionen Euro. Angesichts der Herausforderungen für märkische Unternehmen in der Coronakrise zeigte sich Schulz mit dem Wachstum im Firmenkundengeschäft sehr zufrieden.

Das Kundenkreditvolumen der MBS ist von 2016 bis 2020 um mehr als 1,2 Milliarden Euro angestiegen.

„Hier konnte die MBS von Anfang an ihre Kundennähe und Marktkenntnis unter Beweis stellen und signalisieren, dass sie ihren Kunden auch in schwierigen Zeiten zur Seite steht und die benötigten Liquiditätshilfen verlässlich zur Verfügung stellt – ein wichtiger Beitrag zur Abmilderung der Coronafolgen“, so Schulz. Dabei handele es sich sowohl um eigene Maßnahmen der Sparkasse wie etwa Tilgungsaussetzungen als auch um Beratungen im Zusammenhang mit Fördermaßnahmen des Staates. Schulz: „Wir sind aktiv auf unsere Firmenkunden zugegangen, was sehr geschätzt wurde und wird.“

„Ich hoffe, in fünf Jahren noch zufrieden zu sein“

Auf die Frage, ob das Kreditwachstum ihm eher Sorge bereite oder ihn zufrieden stimme, antwortet Schulz, dass er eindeutig zufrieden sei. „Und ich hoffe, das wird auch noch in fünf Jahren der Fall sein“, fügt er hinzu.

„Im vergangenen Jahr hatten wir bei Wertberichtigungen im Saldo ein positives Ergebnis“, so Schulz. Die massiven staatlichen Hilfsmaßnahmen und die Aussetzung der Insolvenzanmeldung hätten dazu beigetragen. „Ich glaube schon, dass wir eine steigende Zahl von Insolvenzen sehen werden, und das bereitet mir auch Sorgen – aber Angst habe ich deswegen nicht.“ Er fände es auch unverantwortlich, wenn in der Öffentlichkeit eine Bankenkrise beschworen werde. „Ich denke, die Branche ist insgesamt gut vorbereitet und für unser Haus kann ich das auf jeden Fall sagen“, so Schulz.

Einlagen und Sparquote auf Rekordniveau

Parallel zum außergewöhnlich hohen Kreditzuwachs verzeichnete die MBS auch bei den Einlagen einen neuen Rekord: Insgesamt stiegen die Kundeneinlagen um etwas mehr als elf Prozent auf 13,1 Milliarden Euro. Dies sei ein nie dagewesener Zuwachs, so Schulz. Krisenbedingt hielten die Menschen ihr Geld zusammen. Da die Konsummöglichkeiten coronabedingt eingeschränkt waren, wuchs die Sparquote auf ein Rekordniveau von rund 16 Prozent (üblich in den Vorjahren waren zehn bis elf Prozent).

In fünf Jahren hat die MBS einen Zuwachs an Einlagen um mehr als drei Milliarden Euro verzeichnet.

„Der Einlagenzuwachs ist eine Herausforderung für uns, aber trotz der Negativzinsen wollen wir unseren Kunden hier zur Verfügung stehen“, sagt Schulz. „Noch haben wir genügend Ideen, was wir mit dem Geld anfangen können, aber die Belastungen durch die EZB steigen.“ Rund 660 Millionen Euro könne ein Kreditinstitut von der Größe der MBS bei der Zentralbank kostenfrei hinterlegen, alles darüber werde mit Negativzinsen belastet.

Ein Umdenken habe es bei den Kunden in Bezug auf Wertpapiere gegeben. Gerade im Coronajahr habe das Wertpapiergeschäft deutlich zulegen können. Insbesondere das Fondsgeschäft habe mit einem Nettoabsatz von plus 37 Prozent und mit rund 14.300 neuen Fondsparplänen dazu beigetragen. Der Bestand an Fondssparplänen habe sich in den vergangenen vier Jahren mehr als verdoppelt und liege nun bei 51.974.

Beratung trotz Pandemie

In den 143 Geschäftsstellen – coronabedingt auch telefonisch oder per Videoberatung – fanden über 213.000 Beratungsgespräche statt – etwa zu den Themen Vermögensaufbau und -optimierung, Altersvorsorge, Zukunftssicherung für die Kinder oder Baufinanzierung. „Die Nachfrage nach persönlicher Beratung bleibt hoch, auch wenn sie mit Abstand und Maske, hinter Plexiglas und in gut durchlüfteten Besprechungsräumen stattfindet“, sagt Schulz.

Kein virtueller Enthusiast, dennoch froh über den Digitalisierungsschub: MBS-Vorstandschef Andreas Schulz.

Zwei Großprojekte in Brandenburg haben zudem 2020 für Schlagzeilen gesorgt: der Hauptstadtflughafen und die geplante Fabrik des Elektroautomobilherstellers Tesla. „Tesla ist zwar nicht unser Geschäftsgebiet“, sagt Schulz. Dennoch erwarte er Effekte für die Region der MBS.

Der Flughafen dagegen habe bereits jetzt Auswirkungen. An einigen Immobilienprojekten im Umfeld des Airports sei seine Sparkasse beteiligt, erklärt der Vorstandsvorsitzende. Der Flughafen werde auch in den nächsten Jahren eine positive Wirkung für die Region entfalten, prognostiziert Schulz.

Infrastruktur im Bereich Internet noch eine Schwachstelle

Das Umland Berlins habe im Zuge der Coronakrise weiter an Attraktivität gewonnen, konstatiert Schulz. Es sei nicht so sehr, dass derzeit die Kultureinrichtungen der Hauptstadt geschlossen seien, sondern vielmehr der Digitalisierungsschub der vergangenen Monate. Die gewachsenen Möglichkeiten an mobiler Arbeit würden die Flexibilität bei der Wohnungssuche erhöhen. Bereits in den vergangenen Jahren seien die Immobilienpreise entlang der Regionalbahnlinien gestiegen. „Wenn wir jetzt noch ein flächendeckendes und schnelles Internet hätten, wäre das Umland konkurrenzlos im Vorteil“, so Schulz.

„Die Möglichkeiten, Besprechungen per Videokonferenzen durchzuführen, sind für uns als Flächensparkasse sehr attraktiv und haben sich etabliert“, so Schulz. „Die Mitarbeiter haben das gut angenommen.“ Er sei aber kein virtueller Enthusiast, fügt er hinzu. Sowohl Kunden als auch Berater würden in vielen Fällen das persönliche Gespräch bevorzugen.

Thomas Rosenhain
– 17. Februar 2021