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Nachhaltigkeit
Grüner Daumen für Kapitalanleger
Die Sparkasse Hannover will ihre Position bei nachhaltigen Kapitalanlagen deutlich ausbauen. Zudem plant Vorstandschef Volker Alt, den Geschäftsbetrieb ab 2021 klimaneutral auszurichten.

Bislang halten sich private Kunden noch zurück, wenn sie ihr Geld in grüne Kapitalanlagen investieren. Doch die Friday-for-Future-Bewegung und das zunehmende Umweltbewusstsein der Bundesbürger beflügeln den Absatz an Geldanlagen mit dem grünen Daumen.

„Wir merken, dass das Interesse unserer Kunden und Kundinnen am Thema Nachhaltigkeit wächst“, erklärt Volker Alt, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hannover. So hätten private Anleger in den Sparkassenbrief N+ kräftig investiert, den das Institut 2016 aufgelegt hat. Bis zum 30. September wurden hier im Jahr 2020 „neue“ Gelder in Höhe von 98 Millionen angelegt.

700.000 Euro für Umweltprojekte

Damit bewegt sich aktuell der Bestand bei 148 Millionen Euro. Aus dem hier angelegtem Kapital vergibt die Sparkasse Hannover unter anderem Kredite an Projekte in der Region Hannover, die ökologischen und sozialen Kriterien unterliegen. Beflügelt wird der Vertrieb von N+, indem die Sparkasse das Produkt zusätzlich mit Fördergeldern verknüpft, sodass seit Mai 2016 fast 700.000 Euro in 18 Umweltschutzprojekte fließen konnten.

„Das Interesse unserer Kunden und Kundinnen am Thema Nachhaltigkeit wächst“, sagt Volker Alt, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hannover.

Der Absatz von nachhaltigen Geldanlagen könnte aber noch deutlich größer sein. Grund ist, dass vielen Kunden nicht bewusst ist, dass sie mit ihren Geldanlagen auch Gutes für Umwelt und Klima tun können. Dies belegt eine repräsentative Umfrage der Sparkasse, die sie unter mehr als 2000 Bürgern in Hannover und dem Umland vorgenommen hat. Zwar war

⇒ 43 Prozent aller Befragten wichtig, dass die Umwelt nicht darunter leidet, wenn ihr Geld angelegt wird. Lediglich

⇒ 20 Prozent hätten aber bei der Eröffnung eines neuen Girokontos, beim Fondskauf oder beim Abschluss einer Baufinanzierung auf Nachhaltigkeit geachtet.

Sparkassen-Chef Alt plant daher, die Beratung hierfür transparenter zu machen. „Wir wollen die Kunden aufklären und über Nachhaltigkeit informieren. Wir wollen aber nicht der Oberlehrer für unsere Kunden sein. Am Ende entscheidet der Kunde, was er haben will“, so der Vorstandsvorsitzende.

Mehr nachhaltige Kapitalanlagen

Dass der Sparkassen-Chef hier aktiver wird, ist verständlich. Denn Alt ist dabei, das Produktportfolio des Instituts an nachhaltigen Anlagenprodukten deutlich auszubauen, aktuell mit einem sogenannten Impact Fonds der Sparkassen-Fondstochter Deka. Denn der Sparkassen-Vorstand hat große Ziele. „Unser Anspruch ist, dass die Sparkasse Hannover in der Gruppe der Banken in Niedersachsen und in der Gruppe der Sparkassen bei Nachhaltigkeit vorneweg dabei ist“, betont der Vorstandschef. Alt hat aber nicht die Geldanlage im Blick. Vorgesehen ist auch, die Kreditvergabe an Firmen unter nachhaltigen Kriterien auszurichten. Dies soll im nächsten Jahr stärker vorangetrieben werden.

Mehr Nachhaltigkeit im Eigenhandel

Auch beim Eigenhandel mit Aktien setzt die Sparkasse Hannover neue Maßstäbe. So gelten für Wertpapiere, die das Institut in eigenen Handel vornimmt, seit sieben Jahren hauseigene Ausschlusskriterien. Diese wurden im vergangenen Jahr noch einmal verschärft. So investiert das niedersächsische Institut in acht Branchen nur noch sehr eingeschränkt. Dazu gehören Glücksspiel, Atomenergie, Teersande oder Schieferöl.

Vielen Kunden ist nicht bewusst, dass sie mit ihren Geldanlagen auch Gutes für Umwelt und Klima tun können. Dies belegt eine repräsentative Umfrage der Sparkasse Hannover.

Hersteller von kontroversen Waffen wie Landminen oder Streubomben wurden komplett aus dem Handel verbannt. Dass die Sparkasse bei Kapitalanlagen auf der grünen Welle reitet, hat einen politischen Hintergrund. Die EU hatte im vergangenen Jahr einen Aktionsplan verabschiedet, der vorsieht, dass sich Banken, institutionelle Anleger und Sparkassen mehr für ein nachhaltiges Finanzwesen einsetzen sollen.

Ab 2021 klimaneutral

Damit sind die Sparkassen auch selber gefordert, mehr für den Klimaschutz zu tun. Die Sparkasse Hannover hat sich deshalb für das nächste Jahr ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Sie will ihren Geschäftsbetrieb dann komplett Co2-frei umgestellt haben.

Dazu steigt das Institut auf Ökostrom und Ökogas um. Sollte die Sparkasse noch Co2 produzieren, werde dies mit dem Kauf von Zertifikaten ausgeglichen. Da in Deutschland entsprechende Zertifikate nicht vorhanden seien, will Alt in Zertifikate in der Südhalbkugel investieren – hier vornehmlich in Produkte, um Wälder aufzuforsten. 

 

Gregory Lipinski
– 13. November 2020