Gutes Klima
Zurück
Nachhaltigkeit
Klima schützen, Kunden gewinnen
Viele Institute der Sparkassen-Finanzgruppe haben die Bedeutung des Klimaschutzes im Geschäftsbetrieb erkannt. Drei Beispiele aus Nienburg, dem Salzlandkreis und aus Düsseldorf zeigen, wie wirkungsvoller Klimaschutz funktionieren kann.

Die Sparkasse Nienburg gehört im Sparkassenverbund zu den Vorreitern beim Klimaschutz. Bereits 2009 hatte die Sparkassenleitung Maßnahmen ergriffen, um den CO2-Ausstoß der damals 50 Filialen zu reduzieren. Der erste Anstoß ging von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus. „Einige waren der Meinung, die Sparkasse sollte von sich aus etwas tun“, sagt Vorstandsmitglied Winfried Schmierer.

Beim Vorstand kam diese Anregung gut an. „Wir haben eine engagierte Mitarbeiterin freigesetzt, die sich ausschließlich um das Thema kümmerte. In der Folge entstand die Idee einer klimaneutralen Sparkasse.“

Ausstoß an klimaschädigendem CO2 berechnet

In einem ersten Schritt war von einem externen Dienstleister der gesamte Ausstoß an klimaschädigendem CO2 berechnet worden. Dazu wurde in allen Filialen der Energieverbrauch für Heizung, Strom und Dienstfahrzeuge gemessen. Im Anschluss beschloss der Vorstand konkrete Maßnahmen.

Im ersten Jahre wurden CO2-Minderungszertifikate für insgesamt 30.000 Euro gekauft. Mit solchen Ausgleichs­zahlungen an Organisationen wie zum Beispiel Atmosfair oder Primaklima kann der CO2-Ausstoß kompensiert werden: laut Stiftung Warentest liegt der Preis pro Tonne etwa zwischen 15 und 23 Euro. Kompensation bedeutet, dass an anderer Stelle dieselbe Menge CO2 einge­spart wird, die der Verursacher verbraucht, durch Auffors­tung im Regen­wald oder Förderung erneuerbarer Energiequellen.

Darüber hinaus hat die Sparkasse Nienburg in allen Filialen die Wärmedämmung verbessert und alle Filialen auf Ökostrom umgestellt. Auf drei Filialen sind zudem Fotovoltaik-Anlagen installiert worden.  

CO2-Bilanz
Innerhalb von sechs Jahren hat die Sparkasse Nienburg ihren CO2-Ausstoß um 80 Prozent gesenkt. 2010 lag der Kohlendioxid-Ausstoß der Sparkasse noch bei 3150 Tonnen, 2012 bei rund 1000 Tonnen und 2016 bei nur noch knapp 630 Tonnen.

Sparkasse Nienburg: 80 Prozent weniger CO2

Mit diesem Bündel von Maßnahmen mussten von Jahr zu Jahr weniger CO2-Zertifikate gekauft werden, um eine ausgeglichene Treibhausgas-Bilanz zu erreichen. 2010 lag der Ausstoß noch bei 3150 Tonnen CO2. Zwei Jahre später bei rund 1000 Tonnen, 2016 bei nur noch knapp 630 Tonnen. Aktuelle Zahlen liegen derzeit nicht vor.

Innerhalb von sechs Jahren schaffte es die Sparkasse Nienburg, ihren CO2-Ausstoß um 80 Prozent zu senken. Zur positiven CO2-Bilanz beigetragen habe auch die Schließung von Filialen in den vergangenen Jahren, so Vorstand Schmierer weiter. Bauliche Maßnahmen kosten im ersten Moment zwar viel Geld. Es sei aber sinnvoll investiert, weil der Energieverbrauch und damit die Energiekosten deutlich gesenkt werden können. Dieser Spareffekt lag in den ersten zwei Jahren bei 50.000 Euro.

Auch im Vertrieb wurden Maßnahmen getroffen. So hatte die Sparkasse Nienburg 2010 ein Energiezertifikat aufgelegt, mit dem die Käufer in Fotovoltaik-, Windkraft- und Biogasanlagen in der Region investieren konnten. Ein Beispiel dafür ist der Solarpark in Loccum. Die Sparkasse Nienburg ist Gesellschafterin der Betriebsgesellschaft. Fast zehn Prozent der von der Sparkasse vergebenen Kredite sind heute in Anlagen zur Produktion erneuerbarer Energien investiert. „Im Vergleich zu anderen Sparkassen ist das ein sehr hoher Anteil“, sagt Winfried Schmierer.

Klimaschutzagentur Mittelweser
Die Sparkasse Nienburg gehört zu den Hauptsponsoren der 2012 mitgegründeten Klimaschutzagentur Mittelweser. In Seminaren lernen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sparkasse, wie sie Klimaschutzaspekte in der Beratung berücksichtigen können.

Damit nicht genug: Die Sparkasse Nienburg gehört zu den Hauptsponsoren der 2012 mitgegründeten Klimaschutzagentur Mittelweser. Zu deren Aufgaben gehören im Wesentlichen die Durchführung von Informationskampagnen und die Beratung zum Thema Klimaschutz und Energiesparen, zum Beispiel in den Bereichen Gebäudemodernisierung, Energieeffizienz in Unternehmen, Stromsparen und umweltschonende Mobilität. In Seminare lernen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sparkasse Nienburg, wie sie Klimaschutzaspekte in der Beratung berücksichtigen können.

 

Salzlandsparkasse führt den „Klima-Euro“ ein

„Die Erde hat Fieber“, sagt Hans-Michael Strube, Vorstandsvorsitzender der Salzlandsparkasse in Staßfurt/Sachsen-Anhalt. Er sieht die Salzlandsparkasse in der gesellschaftlichen Verantwortung: „Auch die Sparkassen müssen etwas gegen die Klimaerwärmung tun. Das erwarten unsere Kunden.“

Die rund 500 Mitarbeiter und 46 Filialen umfassende Salzlandsparkasse ist seit zwei Jahren CO2-neutral. Der Restausstoß an CO2 wird fortlaufend mit dem Kauf von CO2-Zertifikaten kompensiert. Damit werden ein Fotovoltaikprojekt in Indien und Regenwaldaufforstung in Uruguay finanziert.

KlimaEuro

Die Sparkasse will aber nicht nur ihren eigenen Betrieb nachhaltig gestalten, sondern auch ihren Kunden die Möglichkeit bieten, sich zu engagieren: Mit dem sogenannten Klima-Euro ermuntert das Institut zum aktiven Klimaschutz.

Seit Mitte Januar 2020 hat jeder Girokonto-Inhaber die Möglichkeit, mit einer monatlichen Extra-Abgabe in Höhe von mindestens einem Euro regionale Umweltprojekte der Sparkasse freiwillig zu unterstützen. Nun geht die Sparkasse einen Schritt weiter: Mit dem sogenannten Klima-Euro will sie ihre Kunden zum aktiven Klimaschutz ermuntern. Seit Mitte Januar 2020 hat jeder Girokonto-Inhaber die Möglichkeit, mit einer monatlichen Extra-Abgabe in Höhe von mindestens einem Euro regionale Umweltprojekte der Sparkasse freiwillig zu unterstützen.

Im Februar hat Vorstandschef Hans-Michael Strube an einer Fachtagung der Nord-Ostdeutschen Sparkassenakademie in Potsdam den Klima-Euro und die Idee dahinter vorgestellt.

Die Salzlandsparkasse setzt vor allem darauf, das gewohnte soziale und lokale Engagement mit ökologischen Maßnahmen zu ergänzen, zum Beispiel mit dem Pflanzen von Bäumen und dem Anlegen von insektenfreundlichen Blühwiesen. Die Förderung der Biodiversität und Artenvielfalt steht dabei im Vordergrund.

120.000 Konteninhaber sollen sich beteiligen

„Mit dem Klima-Euro bieten wir unseren Kunden die Möglichkeit, aktiv etwas für den Schutz der Umwelt zu tun, ohne dass sie ihr Leben gleich auf den Kopf stellen müssen“, sagt Hans-Michael Strube. Er hofft, dass nach Ablauf des laufenden Jahres ein Viertel der 120.000 Girokonten-Inhaber sich an der Aktion beteiligen werden. Das würde einer Summe von 360.000 Euro in einem Jahr entsprechen, die für Umweltschutzprojekte in der Region investiert werden könnten.

Das bisherige Echo der Aktion, die Mitte Januar gestartet ist, stimmt den Vorstandsvorsitzenden zuversichtlich: Nach einem Monat haben bereits 1000 Kunden ihre Einwilligung erteilt. Er gibt sich aber keinen Illusionen hin: „Damit werden wir nicht die ganze Welt retten können.“ Vielen Menschen würde es schwerfallen, ihr Verhalten zu ändern. „Nur wenige wollen auf die Kreuzfahrt oder auf Flugreisen verzichten“, so Strube. Regionale Projekte zu unterstützen sei immerhin ein Anfang. „Kleine Schritte sind immer besser als gar nichts zu tun.“

 

Provinzial Rheinland: Zwei Drittel CO2 seit 2004 eingespart

In der Versicherungsbranche ist die Provinzial Rheinland Vorreiterin in der CO2-Kompensation. Erste Projekte wurden dazu bereits 2007 mit Primaklima umgesetzt, sagt Marita Krüssel. Sie ist Umwelt- und Gesundheitsmanagerin bei der Provinzial Rheinland Versicherung.

Ballenpflanzen
Die Provinzial Rheinland unterstützt Aufforstungsprojekte in Deutschland, Argentinien und in Nicaragua. Mittlerweile sind insgesamt 466 Hektar Wald gepflanzt worden.

Jährlich sind es 3800 Tonnen CO2, die bei dem regionalen Versicherungsunternehmen entstehen, dies vor allem durch den Verbrauch von Strom und Gas. Die Provinzial Rheinland unterstützt dazu Aufforstungsprojekte in Deutschland, Argentinien und in Nicaragua. Mittlerweile sind insgesamt 466 Hektar Wald gepflanzt worden. Das entspricht einer Fläche von 650 Fußballfeldern. Davon sind 110 Hektar in Deutschland angepflanzt worden. 

Die aufgeforsteten Wälder bieten nebst der Aufnahme von CO2 auch Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen. Zudem schützt der Regenwald die Menschen in Nicaragua vor Überschwemmungen.

Durch vielfältige Einspareffekte beispielsweise beim Heizen und in der Beleuchtung (Einsatz von LED-Lampen) konnte das Versicherungsunternehmen seit 2004 seinen jährlichen Kohlendioxidausstoß um zwei Drittel reduzieren.

 

Emissionen messen und verringern, Stromquellen überprüfen

Maik Grabau vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) begrüßt die ergriffenen Maßnahmen zum Klimaschutz: „Darauf können wir aufbauen und diese guten Beispiele in die Fläche tragen.“ Im DSGV wird das Thema Nachhaltigkeit fachübergreifend durch eine Task Force bearbeitet, die Grabau leitet. Im DSGV führt er auch die Abteilung Strategische Banksteuerung und Rechnungslegung. 

In jedem Institut ließen sich individuelle Einsparmöglichkeiten für den CO2-Ausstoß finden, stellt Maik Grabau fest. Die wichtigsten Tipps zur Vermeidung von CO2 formuliert er so: „Messen Sie zuverlässig die Emissionen, leiten Sie Maßnahmen zur Verringerung der Emissionen bei IT, Gebäuden und Geschäftsreisen ein und beziehen Sie Wärme und Strom möglichst aus erneuerbaren Quellen. Dann haben Sie schon viel geschafft.“

Grabau verweist auf den vom DSGV kürzlich veröffentlichten Kurzleitfaden. Darin wird aufgezeigt, wie in wenigen Schritten ein CO2-neutraler Geschäftsbetrieb erreicht werden kann.

 

Mögliches „Greenwashing“ birgt Reputationsrisiken

Wo aber endet effektiver Klimaschutz und wo beginnt Greenwashing, also der Versuch, sich in der Öffentlichkeit durch wenig wirkungsvolle Maßnahmen als besonders umweltbewusst und klimafreundlich darzustellen? Eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist, aber ernst genommen werden muss: Wird Greenwashing aufgedeckt, entsteht ein Reputationsrisiko.

Das Label „Klimaneutrale Sparkasse“ sei zwar gut fürs Renommee, räumt Winfried Schmierer von der Sparkasse Nienburg ein. Der positive Effekt auf das Klima dürfe aber nicht kleingeredet werden. „Wir müssen mit dem Klimaschutz vor unserer Haustür beginnen. Jede noch so kleine Maßnahme hilft dem Klima.“

 

Lesen Sie zum Thema:

Eine grandios coole Aufgabe

 

 
Ricardo Tarli
– 9. März 2020