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Nachhaltigkeit
Mit Gewinn investieren und engagieren
Nachhaltigkeit gewinnt für Kunden und Sparkassen an Bedeutung. Entsprechende Anlagen sind zunehmend gefragt, dazu passt die wachsende Zahl an Instituten, die klimaneutraler wirtschaften wollen. Auch die Personalpolitik orientiert sich neu, wie Beispiele zeigen.

Die Mädchen und Jungen der Kindertagesstätte „Kuschelkiste“ in Eckersbach sind mit Eifer bei der Sache. Sie schaufeln Erde auf das Wurzelwerk eines frisch im Außenbereich gepflanzten Apfelbäumchens. An der Aktion beteiligt ist Felix Angermann, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Zwickau. Sein Institut hat zum 175-jährigen Jubiläum vielen Kitas und Grundschulen im Geschäftsgebiet solch ein Geschenk gemacht.

„Wir wollten etwas tun, das über den Tag hinaus gilt“, sagt er. Ganz in diesem Sinne werden die Kinder später einmal die reifen Äpfel als Früchte ernten. Der 56-Jährige denkt dabei an Nachhaltigkeit: „Das ist mehr als ein Modethema. Denn wir bemerken Veränderungen an vielen Stellen – beispielsweise mit Blick auf den Klimawandel und seine Folgen.“ Da sei ein Umdenken nötig.

 

                                             
„Wir wollten etwas tun, das über den Tag hinaus gilt.“

Felix Angermann 


Ob es nun gesellschaftliches Engagement im Kleinen ist, wie unlängst in Zwickauer Stadtteil Eckersbach, oder im Großen, wenn sich mehr als 170 Sparkassen zu klimafreundlichem Wirtschaften verpflichten, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu unterstützen: Nachhaltigkeit ist wichtiger denn je. Das bekommen auch die Beraterinnen und Berater vor Ort in den Filialen zu spüren, wenn sie mit ihren Kunden über Geldanlagen sprechen und beispielsweise umweltverträgliche Fonds ins Spiel bringen.

Aber auch die Personalarbeit in den einzelnen Häusern soll aus Sicht vieler nachhaltiger werden  – etwa mit Blick auf die sogenannte Gender-Gerechtigkeit, der zufolge mehr Frauen in der Sparkassen-Finanzgruppe die Chance bekommen sollen, eine höhere Führungsposition zu übernehmen. Vielversprechende Angebote weisen in diese Richtung (siehe: „Chancen gezielt nutzen“). 

Aus Sicht von Angermann ist die Initiative des DSGV zur „Selbstverpflichtung für Klimaschutz und nachhaltiges Wirtschaften“ sehr wichtig. Gleichzeitig sagt der Vorstandsvorsitzende: „Wir fangen aktuell an, das Thema aufzuarbeiten.“ Natürlich sei seine Sparkasse auch dabei, sich energieeffizient aufzustellen – etwa mit Blick auf eine energiesparende LED-Beleuchtung. „Aber wir können – bei allem Achten auf Effizienz und Umweltverträglichkeit – beispielsweise nicht in jedem Gebäude aus Nachhaltigkeitsgründen eine energieeffiziente Heizung einbauen“, sagt der Diplomkaufmann.

 


„Das nächste Auto, das angeschafft werden muss, wird mit Sicherheit ein Elektromobil sein.“
Felix Angermann, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Zwickau


Das liegt ihm zufolge auch daran, dass die meisten Filialflächen angemietet sind und damit die Hoheit fehlt, über den Austausch von Anlagen zu entscheiden. „Wir müssen uns zudem betriebswirtschaftlich verhalten.“

Dabei gelte es, Effizienz und Umweltverträglichkeit immer fest im Blick zu haben, um dann zum geeigneten Zeitpunkt einen Wechsel vorzunehmen – etwa beim Fuhrpark: „Wir nutzen unsere Fahrzeuge recht lang, aber das nächste Auto, das angeschafft werden muss, wird mit Sicherheit ein Elektromobil sein – wahrscheinlich ein Golf ID.3, der ja auch in Zwickau vom Band läuft.“ Auf mittlere Sicht dann plane sein Haus, so Angermann, der Klimaschutz-Selbstverpflichtung der Sparkassen-Finanzgruppe beizutreten. 

Zu den ersten Instituten, die eine Selbstverpflichtung unterzeichnet haben, zählt die Sparkasse Heidelberg. Sie will ihren Geschäftsbetrieb CO2-neutraler gestalten. Aus diesem Grund wird die neue Zentrale am Europaplatz im umweltfreundlichen Standard von Passivhäusern gebaut. Auch sollen Finanzierungen und Eigenanlagen noch mehr auf Klimaziele ausgerichtet und gewerbliche wie auch private Kundinnen und Kunden auf dem Weg hin zu klimafreundlichem Wirtschaften unterstützt werden. 

 

„Nachhaltigkeitsaspekte gewinnen immer mehr an Bedeutung – auch ganz konkret in der Geldanlage.“
Rainer Arens

 

Wie das geht, wissen die Heidelberger bestens. Entsprechend sagt Rainer Arens als Vorstandsvorsitzender: „Wir waren eine der ersten Sparkassen bundesweit, die die Neuerung der Nachhaltigkeit in den Beratungsprozess Anlageberatung, kurz BPA, systematisch aufgenommen und entsprechende Produkte empfohlen haben.“ Denn Nachhaltigkeitsaspekte gewinnen ihm zufolge immer mehr an Bedeutung – auch ganz konkret in der Geldanlage.

„Dies spüren wir anhand der steigenden Rückfragen in Anlagegesprächen“, erläutert er. Die Kunden seien interessiert, hinterfragten sehr genau, wie nachhaltig die Produkte tatsächlich wirkten und wie das letztlich auch kontrolliert werde. „Daher ist es wichtig, dass die jeweiligen Anbieter ihre nachhaltigen Produkte zügig kennzeichnen“, sagt der Betriebswirt.

 


„Jeder soll erkennen können, wie stark das Thema Nachhaltigkeit bei der Anlageauswahl eines Fonds berücksichtigt wird.“
Rainer Arens


Jeder solle erkennen können, wie stark das Thema Nachhaltigkeit bei der Anlageauswahl eines Fonds berücksichtigt werde. Der Anteil der Anlageprodukte in der höchsten Ausprägung „Impact“ ist ihm zufolge derzeit leider noch überschaubar. Dies gründe vor allem auf der geringen Zahl möglicher Anlagetitel und wirke sich damit stark auf die mögliche Streuung innerhalb eines Fonds aus.

Arens ist deshalb besonders stolz auf den institutseigenen Aktienfonds „Heidelberg Nachhaltigkeit Globale Aktien“, in den Kunden schon gut 21 Millionen Euro investiert haben. „Wir bieten Interessierten damit eine nachhaltige Geldanlage, lassen sie an der Entwicklung des Kapitalmarkts teilhaben und setzen zu ihren Gunsten auf schwankungsarme Anlagen“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Auch die Sparkasse Heidelberg selbst sei im Fonds investiert. 

 

„Wir waren eine der ersten Sparkassen bundesweit, die die Neuerung der Nachhaltigkeit in den BPA systematisch aufgenommen und entsprechende Produkte empfohlen haben.“
Rainer Arens, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Heidelberg


Daneben unterstützt sein Haus seit vielen Jahren die Kundschaft bei der Finanzierung nachhaltiger Investitionen. „Hierzu zählen nicht nur das ökologische und energetische Sanieren oder Errichten von Wohneigentum, sondern auch die Installationen von Fotovoltaikanlagen und Finanzierungen im Bereich der E-Mobilität“, sagt Arens. 

Wie sehr Nachhaltigkeit auch ein entscheidender Aspekt der Personalpolitik von Sparkassen ist, weiß Cornelia Kollmer. Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Augsburg macht sich deshalb beim Besetzen hochwertiger Beratungs- und Führungsstellen für gemischte Teams stark: „Grundsätzlich meine ich, dass Frauen eine andere Sicht auf die Dinge haben. Keine bessere, aber eine andere. Das allein ist bereichernd für jedes Unternehmen.“ Je mehr diskutiert und infrage gestellt werde, umso mehr Raum entstehe für neue Ideen und einen stetigen Verbesserungsprozess. 

 


„Frauen haben eine andere Sicht auf die Dinge. Keine bessere, aber eine andere.“
Cornelia Kollmer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Augsburg


Aus ihrer Erfahrung ist die Zusammensetzung von Kolleginnen und Kollegen traditionell bereits recht gut im Privatkundengeschäft. In den Bereichen Firmenkunden und Risikomanagement besteht ihr zufolge noch starker Optimierungsbedarf. Konkret sagt die Sparkassen-Betriebswirtin:  „Eine nachhaltige Personalpolitik achtet überall im Unternehmen bereits früh auf den entsprechenden Mix beim Besetzen von Stellen. Dann können in der Folge entsprechende Führungspositionen auch ausgewogen vergeben werden.“

 

„Oben kann nur ankommen, was sich unten bereits auf dem Weg befindet.“
Cornelia Kollmer

 

In diesem Rahmen dringt die stellvertretende Vorsitzende darauf, die Anzahl an Bewerberinnen zu erhöhen: „Eine verbindliche Quote für Frauen in Führungspositionen – über alle Ebenen des Unternehmens – wäre hilfreich.“ Oben könne nur ankommen, was sich unten bereits auf dem Weg befindet.

Frauen und Männer seien nicht unterschiedlich hinsichtlich ihrer Möglichkeiten. Traditionelle, gesellschaftliche Rollenbilder hemmten oft immer noch einen besseren Mix. Die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen hängt Kollmer zufolge auch von der Frage ab, wie schnell es gelingt, hier zu optimieren: „Eine Quote schafft in diesem Fall Verbindlichkeit, klare Zuständigkeiten und erhöht so das Tempo.“

 


„Führungskräfte, die selbst arbeiten und erziehen wollen, werden neue Modelle nicht nur predigen, sondern auch umsetzen und damit nachhaltig ein positives Vorbild sein.“
​​​Cornelia Kollmer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Augsburg


Damit das gelingt, muss die Arbeitswelt aus Sicht der 54-Jährigen familienfreundlicher werden, um Kinder und Karriere besser vereinbaren zu können: „Dabei helfen Kitas, Krippen, Kindergärten schon einen Schritt weiter.“ Das gelte ebenso für flexible Arbeitszeiten, mobile Bürolösungen, ein familienfreundliches Berufsumfeld und gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit – alles Errungenschaften, die in der Sparkassenwelt bereits weit verbreitet sind.

In dem Zusammenhang gefällt Cornelia Kollmer der Slogan „Eltern in die Chefetagen“. Sie ist sich sicher: „Führungskräfte – Frauen, Männer, Diverse –, die selbst arbeiten und erziehen wollen, werden neue Modelle nicht nur predigen, sondern auch umsetzen und damit nachhaltig ein positives Vorbild sein.“

 

 

Kurz:

„Mutig sein und dranbleiben“

Was Cornelia Kollmer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Augsburg, jungen Kolleginnen rät, die nachhaltig Karriere machen wollen.
 

Leistungsbereit und mutig sein. Sprechen Sie über sich und Ihre Erwartungen mit den Entscheidern. Haben Sie Vertrauen in sich selbst, gehen Sie ins Rennen um eine Position, wenn Sie glauben, zwei Drittel der dafür nötigen Anforderungen zu erfüllen. Trauen Sie sich mithin zu, den verbleibenden Rest zeitnah im Job zu erarbeiten. Vertrauen Sie dabei auf Ihr Können und Ihr Potenzial. 

Unbeirrt dranbleiben. Und wenn es mit dem Traumjob doch nicht klappt: Auch eine Absage lässt sich verkraften, wenn man sich dafür Zeit nimmt. Dabei gilt es, weiter zu kämpfen. Denn es gibt immer ein nächstes Mal. So eröffnen sich vielleicht Chancen, die erst auf den zweiten Blick sichtbar werden.

Erfahrungen anderer nutzen. Dabei helfen gute Mentoren-Programme – ob als Patenschaften im eigenen Haus oder auch institutsübergreifend. Sie sollten dabei auf einen ausgewogenen Mix an Frauen und Männern achten – sowohl bei den Mentoren wie auch bei den Mentees. Ich bin kein Fan sogenannter Frauen-Förderprogramme. Die Wortwahl stimmt hier nicht: Frauen sind ebenso talentiert wie Männer. Mithin erübrigt sich eine Zusatzförderung. 

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Rudolf Kahlen
– 16. Januar 2021