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Strategie im Kerngeschäft
Nachhaltigkeits-Abc: Umsetzung in zehn Punkten
Von A wie Ausschlusskriterien bis Z wie Zwischenziele: Die Sparkasse Heidelberg denkt und arbeitet nachhaltig. Das bringt Dynamik – auch ins Kerngeschäft.

Auf der Nachhaltigkeitstagung der Nord-Ostdeutschen Sparkassenakademie hat Heidi Oestringer, Nachhaltigkeitsbeauftragte der Sparkasse Heidelberg, die zehn wichtigsten Punkte vorgestellt:

1. Ausschlusskriterien in unserem Eigenanlagengeschäft

In unserem Eigenanlagengeschäft wenden wir einen Eigenanlagenfilter an, den wir in Zusammenarbeit mit der Nachhaltigkeitsratingagentur Imug konzipiert haben.

Emittenten, die die von uns definierten Umsatzschwellen in kontroversen Branchen überschreiten – etwa Herstellung von kontroversen Waffen, Tätigkeit in der Rüstungsindustrie, Förderung von Kohle – oder die gegen den UN Global Compact verstoßen (nach zuvor erfolgter Einordnung durch uns) führen wir in einer „Ausschlussliste“. Die Methodik des Filters basiert auf denselben Ausschlusskriterien, die jetzt auch für unser gewerbliches risikorelevantes Geschäft gelten.

2. Branchen-Screening im Kreditgeschäft

Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken erfolgt im gewerblichen risikorelevanten Geschäft. Sofern ein Nachhaltigkeitsrisiko aus kontroversen Branchen oder eine positive Kenntnis eines Verstoßes eines Unternehmens gegen die UN Global Compact vorliegt, dokumentieren und würdigen wir diese. Auf Basis einer regelmäßigen Auswertung überwachen wir die Einhaltung der von uns definierten Schwellenwerte gemäß unserer Risikostrategie.

Wir sind hier noch im ersten Jahr der Betrachtung. Ein erster Blick auf die Branchen hat ergeben, dass wir kaum Nachhaltigkeitsrisiken in unserem risikorelevanten Kreditportfolio erkennen können. Unser Geschäftsgebiet und unser Geschäftsmodell begünstigen keine wesentlichen Nachhaltigkeitsrisiken.

 

Heidi Oestringer, Nachhaltigkeitsbeauftragte der Sparkasse Heidelberg.


3. Geschäftsstrategie

Was wir in Sachen Nachhaltigkeit tun und erreichen wollen, ist fest in die Geschäftsstrategie integriert. Wir binden unsere Stakeholder eng ein, zum Beispiel Kunden oder Träger. Wir bieten ökologische Finanzprodukte und nachhaltige Anlageformen. Wir verpflichten uns zu sozialem Handeln und investieren im Depot A in nachhaltig vertretbare Anlagen. Wir zielen auf einen klimaverträglichen Geschäftsbetrieb und nehmen Klimarisiken in den Fokus. All das zeigt: Nachhaltiges Handeln lässt sich nicht an einem einzelnen Schreibtisch oder in einer Abteilung „erledigen“, sondern prägt das ganze Haus, auch im Kerngeschäft.

4. Kerngeschäft

Ein wichtiger Treiber ist dabei die konsequente Schulung unsere Finanzberaterinnen und -berater zur Nachhaltigkeit und zu nachhaltigen Produkten. Im Jahr 2020 haben wir zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der Deka unseren eigenen Nachhaltigkeitsfonds „Heidelberg Nachhaltigkeit Globale Aktien“ aufgelegt und inzwischen über 27 Millionen Euro an Kundengeldern eingesammelt.

Im Kreditgeschäft haben wir unter anderem seit 2008 rund 2000 Fotovoltaik-Anlagen mit einem Finanzierungsvolumen von 193 Millionen Euro vermittelt. Diese Anlagen vermeiden inzwischen einen Ausstoß in Höhe von 92.484 Tonnen CO2 pro Jahr (Berechnungsbasis: Sonneneinstrahlung 950 kWh/kWp per anno, CO2-Einsparung je erzeugter Kilowattstunde Strom 0,649 Kilogramm, Quelle: KfW).

5. Kommunikation

Wir sind transparent. Auf unserer Webseite stehen die Ergebnisse des Kundendialogs, die Erkenntnisse unserer Wesentlichkeitsanalyse und auch die Entsprechenserklärungen auf Basis des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK). Unsere Nachhaltigkeitsprodukte – etwa unser Nachhaltigkeitsfonds – sind online neben Daten und Fakten auch mit Erklärfilmen unterlegt. Eine jährliche Kundenbroschüre fasst alle Nachhaltigkeitsleistungen zusammen – auch die aus dem gesellschaftlichen Engagement sowie die Wertschöpfung für die Region.

6. Kundendialog

Die Kundinnen und Kunden wollen wissen, wohin die Sparkasse ihr Geld investiert und was die Sparkasse finanziert – und was nicht. Sie fragen vor allem nach Umweltschutz und Menschenrechten.

Unser Kundendialog ist bunt – mit Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterschiedlichen Alters, verschiedener Geschlechter und Kundengruppen. Es hat sich sehr bewährt, dafür eine externe Moderation einzubinden (bei uns die Nachhaltigkeitsberatung N-Motion), die mit den Teilnehmern aktiv in Gruppen gearbeitet hat. Es ist wichtig, dass man als Sparkasse auch gut zuhört, ohne Einwände zu erheben oder sich zu rechtfertigen. Beraterinnen und Berater sollten daher bewusst nicht teilnehmen.

Interessant war, dass die Kunden nicht in Schwarz-Weiß-Kategorien denken. Die Teilnehmerinnen haben auch reflektiert, dass sie wissen, dass ihre Sparkasse wirtschaftlichen Zwängen unterliegt und die Verhältnismäßigkeit wahren muss.

7. Umweltleitlinien

In unseren Umweltleitlinien beschreiben wir unsere Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der Sparkasse. Die Basis dafür ist unsere gesellschaftliche Verantwortung – deshalb werden auch alle Mitarbeitenden für die Idee der nachhaltigen Entwicklung sensibilisiert.

Zu den Zielen unseres Umweltmanagements gehören Ressourcenschonung, umweltfreundliche Mobilität und die Verbesserung unserer CO2-Bilanz. Mit wesentlichen Lieferanten und Dienstleistern vereinbaren wir eine Rahmenvereinbarung der Nachhaltigkeit, die sogenannte Lieferantenvereinbarung.

8. Wertschöpfung für die Region

Im Rahmen unserer Entsprechenserklärungen auf Basis des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) berichten wir jährlich über unsere Wertschöpfung in unsere Region. Die Werte ermitteln wir nach den Vorgaben des Leistungsindikators GRI SRS-201-1: „Unmittelbar erzeugter und ausgeschütteter wirtschaftlicher Wert“.

9. Zertifizierung

Wir haben im Jahr 2019 begonnen, ein Umweltmanagementsystem nach Ökoprofit einzuführen. Ökoprofit ist eine Zertifizierung auf Basis einer jährlichen Auditierung unseres Umweltmanagements. Ein wichtiges Ziel ist Ressourcenschonung; wo immer es geht, nutzen wir zum Beispiel bei unseren Immobilien die Möglichkeiten der Energie(rück)gewinnung auf Basis regenerativer Energien, ergänzt um intelligentes Gebäudemanagement und umweltverträgliche Sanierung. Unser Ziel ist es, im Jahr 2035 CO2-frei zu sein. Dazu müssen wir unsere Verbräuche und unseren Papierbedarf weiter senken und auch den Dienst- und Pendelverkehr weiter optimieren.

10. Zwischenziele

Wir sind schrittweise vorgegangen – mit einer Soll-Ist-Analyse zum Beispiel und der strategischen Verankerung von Nachhaltigkeit. Natürlich haben wir auch die Klimaschutz-Selbstverpflichtung der deutschen Sparkassen gezeichnet, die einen guten Rahmen gibt. Wir haben erst im Depot A und dann im Kreditgeschäft Ausschlusskriterien festgelegt. Wir setzen uns Ziele der Reduktion von Emissionen und achten mehr und mehr auf eine nachhaltige Beschaffung. Unseren CO2-Verbrauch messen wir jährlich. Der Ausbau unseres nachhaltigen Produktangebots wird dabei weiter im Fokus stehen.

Unsere Umsetzungsschritte haben deutschlandweit schon einige Sparkassen vollzogen. Wir selbst sehen uns nicht als Vorreiter, sind aber von der Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung in der Finanzbranche überzeugt. Es ist nun mal ein langer Weg. Aber wir Sparkassen gehen ihn ja alle gemeinsam.

aufgezeichnet von Anke Bunz
– 15. März 2021