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Nachhaltigkeitsmanagement / Interview
„Gemeinsam einkaufen und CO2 sparen“
Papier, Möbel, Dienstwagen – Sparkassen kaufen im Jahr für viele Millionen Euro Bedarfsgüter für den Geschäftsbetrieb. Die S-Einkaufsgesellschaft hat dafür ein Sortiment entwickelt, das sozial und ökologisch nachhaltig ist. Geschäftsführer Thomas Schwolow wirbt dafür, Nachhaltigkeit gemeinsam bezahlbar zu machen.

Herr Schwolow, als zentraler Einkaufsdienstleister der Sparkassen-Finanzgruppe haben Sie so ziemlich alles im Sortiment vom Teppich bis zum Kontoauszugspapier. Wieso eine nachhaltige Produktpalette?

Schwolow: Viele Sparkassen wollen CO2 im Geschäftsbetrieb reduzieren. Dabei ist Beschaffung ein ganz wichtiger Faktor. Als SEG können wir für die Sparkassen das Nachhaltigkeitsmanagement im Bereich Beschaffung übernehmen. Und je mehr Institute den gebündelten Einkauf nutzen, desto günstiger wird es für alle. Gemeinsam einkaufen heißt: Nachhaltigkeit bezahlbar machen, ganz einfach.


Können Sie ein Beispiel geben – welche Produkte bieten Sie zertifiziert nachhaltig an?

Zum Beispiel liefern wir im Jahr 390 Millionen Blatt standardisiertes Kopierpapier an die Sparkassen aus. Papier gehört zu den Produkten mit einem hohen CO2-Verbrauch. Den können wir für alle Sparkassen senken, weil wir im gemeinsamen Einkauf auch umweltfreundliche Papiere anbieten.
 

Wie kommt das Umweltpapier bei den Sparkassen an?

Am Anfang gab es Vorbehalte, das Papier könnte zum Beispiel im Drucker reißen oder Staub  abgeben. In manchen Orga- und IT-Abteilungen hatte man wohl noch das Bild vom aschgrauen Ökopapier früherer Zeiten vor Augen. Wir bieten aber sehr hohe Qualitäten und haben diese auch von allen drei Druckerherstellern, von denen Sparkassen ihre Geräte beziehen, prüfen lassen. Alle drei haben uns „mit Brief und Siegel“ die Unbedenklichkeit bescheinigt.

 

Thomas Schwolow: „Beschaffung ist ein wichtiger Faktor, um CO2 im Geschäftsbetrieb zu reduzieren.“


Vor allem Sparkassen, die zu nicht-finanziellen Berichten verpflichtet sind, beschäftigt das Thema „Lieferantenvereinbarungen“. Wie handhaben Sie das?

Wir prüfen unsere Lieferanten für das nachhaltige Portfolio sehr genau, schauen uns zum Teil sogar die Produktion an. Im Grunde kann eine Sparkasse, die das nachhaltige Sortiment der SEG nutzt, in diesem Bereich auf eigene Lieferantenvereinbarungen verzichten.
 

Und worauf achten Sie da?

Vor allem auf die gängigen Prüfsiegel: ISO 9001, ISO 14001, Papier aus FSC-zertifizierten Wäldern, aber auch die Reach-Verordnung für Chemikalien. Zusätzlich achten wir auf Materialzusammensetzung, ethische Geschäftspraktiken und nutzen bei größeren Unternehmen auch gerne deren dezentrale Fachhändler-Struktur für kurze Wege zur bestellenden Sparkasse.

Sprechen wir über Kosten: Liegen die nicht bei so hochwertigen Umweltwaren automatisch höher?

Wenn man alleine einkauft – ja, meistens. Wenn wir den Einkauf bündeln – nicht unbedingt. Es ist die alte Gleichung: Ein Standard, viele Nutzer, geringerer Preis für alle.

Ein wirklich hoher Verbrauchsposten in Sparkassen ist zum Beispiel das Thermopapier für Kontoauszugsdrucker – mit Logo und dokumentenecht bis zu zwölf Jahren. Wir bieten es als Einzige in der klimaneutralen Variante an. Und der Preis pro tausend Blatt liegt unter Marktpreis.
 

Was tut die Einkaufsgesellschaft selbst für ihre CO2-Bilanz?

Wir verarbeiten am Tag rund 1800 Beschaffungsvorgänge für die Sparkassen, da fällt eine Menge Verpackungsmaterial an. Deshalb liefern wir zum Beispiel Werbeartikel in voll recycelten Kartonagen aus. Der Katalog für Werbeartikel weist jetzt auch genau aus, welche Produkte nachhaltig, regional und umweltzertifiziert sind.

Bei Dienstreisen setzen wir auf die Bahn. Wir haben Wasserspender statt einzelne Flaschen. Vor allem aber helfen wir den Sparkassen, den Zielkonflikt zwischen Kosten- und Nachhaltigkeitsmanagement aufzulösen.
 

Die SEG hat neben Papier, Hydrokulturen und Büroausstattung einen Schwerpunkt bei der Mobilität gesetzt. Was bieten Sie da an?

Wir kaufen im Jahr rund 4000 gewerblich zugelassene Kfz für die Fahrzeugflotte der Sparkassen-Finanzgruppe. Und wir sehen, dass vermehrt E-Fahrzeuge und Hybride nachgefragt werden, was ja auch steuerlich gefördert wird. Dazu passend müssten Sparkassen eigentlich auch betriebseigene E-Ladesäulen installieren, darin unterstützen wir sie. Ohnehin muss auf öffentlich nutzbaren Parkplätzen in wenigen Jahren jeder fünfte Platz mit einem Ladezugang versehen sein. Das Thema wird Tempo kriegen.

Außerdem bieten wir noch Carsharing-Konzepte für Pool-Fahrzeuge und Fahrräder, die vom Arbeitgeber gesponsert werden, aber auch privat genutzt werden können.
 

Viele Filialen sind innenstadtnah – da könnten die Ladesäulen auch den Kunden angeboten werden.

Absolut, Sparkassen könnten echte Vorreiter für die Verkehrswende in Innenstädten werden. Die Infrastruktur bieten wir gemeinsam mit unserem Partner Wallbe. Ein wichtiger Vorteil unserer E-Ladesäulen ist, dass hier natürlich die gängigen Bezahlarten gleich eingebaut sind, zum Beispiel das kontaktlose Bezahlen mit der Girocard.

Das ist im Handel inzwischen Standard und sollte es auch an E-Ladesäulen deutschlandweit werden. Dafür setzen wir uns ein, damit E-Mobilität sich schnell weiterverbreiten kann – nicht nur auf den Parkplätzen von Sparkassen.
 

Mehr als 170 Sparkassen und mehrere große Verbundpartner haben Anfang Dezember in einer Selbstverpflichtung bestätigt, dass sie bis 2035 klimaneutral sein wollen. Wie viel CO2 spart der Einkauf bei der SEG?

Das kommt darauf an, wie der ökologische Fußabdruck der bisher eingekauften Waren war. In unserem nachhaltigen Sortiment ist er null. Wer das wählt, spart an CO2, was er bisher im Einkauf verbraucht hat.

Anke Bunz
– 10. Februar 2021