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NRW-Bank
„Liquidität sichern und Investitionen ermöglichen“
Weiter an der Seite der NRW-Sparkassen: Gabriela Pantring, Mitglied des Vorstands der NRW-Bank, über aktuelle Coronahilfen, die neue Digitalisierungsoffensive der Bank und die enge Zusammenarbeit mit den Firmenkundenberatern der Sparkassen.

Frau Pantring, die Coronakrise hat viele Unternehmen mit Wucht getroffen. Ist Licht am Horizont erkennbar?

Gabriela Pantring: Viele Unternehmen blicken inzwischen wieder positiver in die Zukunft. Auch die Wirtschaftsdaten haben sich nach dem historischen Konjunkturtief im April wieder deutlich nach oben entwickelt. Für eine Entwarnung ist es aber noch zu früh, eine Rückkehr zur Vor-Pandemie-Normalität ist noch nicht absehbar. Bei vielen Unternehmen sind die Umsätze noch nicht auf dem Ursprungsniveau. Etliche Betriebe kämpfen um ihre Existenz. Zusammen mit den Hausbanken unterstützen wir sie nach Kräften bei der Liquiditätssicherung und haben gerade ein Bündel von Maßnahmen zur Finanzierung von Investitionen aufgelegt, um die Wirtschaft in der Wiederanlaufphase zu unterstützen.

Wie sieht die Unterstützung konkret aus?

Pantring: In den Anfangsmonaten der Pandemie stand die Sicherung der Liquidität für die Unternehmen in Nordrhein-Westfalen ganz klar im Zentrum der Förderaktivitäten. Die Bundesinitiativen waren hier für uns, für die Hausbanken, vor allem aber für die Unternehmen eine enorme Unterstützung. Bis zum heutigen Tag konnten wir KfW-Mittel in Höhe von rund drei Milliarden Euro an die Sparkassen in NRW durchleiten. Damit sind mehr als ein Viertel der Coronahilfen, die die KfW seit Beginn der Krise im Rahmen von KfW-Sonderprogrammen dem bundesweiten Sparkassenverbund für die Unterstützung von Mittelstand und Gründern zur Verfügung gestellt hat, in Nordrhein-Westfalen zum Einsatz gekommen. Liquiditätsengpässe durch Förderdarlehen abzufedern, das allein reichte aber noch nicht aus. Mit Fremdkapital ist beispielsweise Start-ups nicht geholfen, denen es oft an Eigenkapital oder Sicherheiten fehlt. Für sie haben wir unsere Eigenkapitalangebote NRW-Seedcap und NRW-Bank-Venture Fonds erweitert und das neue Wandeldarlehen NRW-Start-up akut gestartet.

Sie sprachen von zusätzlichen Unterstützungsmaßnahmen. Wie sehen die genau aus?

Pantring: Ende Mai hat die Landesregierung NRW „10 Impulse für die Stärkung von Konjunktur und Wachstum“ herausgegeben, die die Konjunktur ankurbeln und als Modernisierungsprogramm für Deutschland und Nordrhein-Westfalen wirken sollen. Wir als NRW-Bank haben flankierend hierzu unser Eigen- und Fremdkapitalangebot ausgebaut. Um den zarten Aufschwung zu stärken und die Krise zu überwinden, wollen wir in Zusammenarbeit mit den Hausbanken den Unternehmen jetzt verstärkt dabei helfen, den in der Pandemie entstandenen Investitionsstau aufzulösen und ihnen mehr Investitionsspielraum für notwendige Transformationsprozesse verschaffen. Ein wichtiger Teil der Maßnahmen ist der Start einer Digitalisierungsoffensive.
Sieht eine große Rolle der Sparkassen: NRW-Bank-Vorstandsmitglied Gabriela Pantring.

Warum sollen Unternehmen gerade jetzt ausgerechnet in die Digitalisierung investieren? Gibt es zurzeit nicht ganz andere Probleme?

Pantring: Richtig ist, dass viele Unternehmen mehrere Herausforderungen gleichzeitig bewältigen müssen. Doch die Coronapandemie hat die Bedeutung und vor allem die großen Chancen der Digitalisierung wie unter einem Brennglas aufgezeigt. Unternehmen, die digital fortgeschrittener waren, sind robuster durch die Krise gekommen oder auch während der Pandemie sogar gewachsen. Damit der Mittelstand in Nordrhein-Westfalen den Hebel bei der Digitalisierung jetzt konsequent umlegen kann, will die NRW-Bank ihr Förderangebot in diesem Feld sukzessive ausbauen. In einem ersten Schritt haben wir den Antragstellerkreis für unser Programm NRW-Bank Digitalisierung und Innovation erweitert. Ab sofort steht der Förderkredit, der mit einem Zinssatz ab null Prozent per anno besonders attraktiv ist, auch jungen Unternehmen unabhängig vom Zeitpunkt ihrer Gründung sowie auch größeren Mittelständlern mit mehr als 500 Millionen Euro Umsatz pro Jahr zur Verfügung. Dabei bieten wir den Hausbanken bis zum Jahresende eine 80-prozentige Haftungsfreistellung für diese Kredite an.

Die Zahl der Mittelständler, deren Eigenkapitaldecke abschmilzt und deren Rating sich coronabedingt verschlechtert, wächst. Wie schätzen Sie die Lage hier ein?

Pantring: Im Mittelstand rechnen auch wir vermehrt damit, dass sich die Bonität und das Rating von Unternehmen verschlechtern. Diese Unternehmen werden sich auf eine restriktivere Kreditvergabepraxis mit verschärften Kreditbedingungen einstellen müssen. Wir unterstützen mit unserem Konsortialkreditangebot mittelständische Unternehmen auf Einladung ihrer Hausbanken. Wir wollen in enger Partnerschaft mit den Hausbanken vor Ort sicherstellen, dass von der Krise betroffene Unternehmen die Fremdfinanzierungsmittel erhalten, die sie für ihre – auch im Zuge der Pandemie aufgeschobenen – Investitionen dringend benötigen. Parallel dazu stellen wir zusätzlich 125 Millionen Euro Eigenkapital für den Mittelstand in NRW zur Verfügung. 100 Millionen Euro stehen im neuaufgelegten NRW.BANK.Mittelstandsfonds Drei für mittelständische Unternehmen bereit, weitere 25 Millionen Euro im neuen NRW-Bank Spezialfonds Zwei für Unternehmen in Turnaround- oder Restrukturierungssituationen. 
 

Das Wichtigste ist, dabei zu helfen, die NRW-Wirtschaft wieder anzukurbeln.


Auch viele Institutionen der öffentlichen und sozialen Infrastruktur haben Existenzsorgen. Gibt es auch für sie spezielle Förderprogramme?

Pantring: Es gibt gleich zwei Förderprogramme für soziale Einrichtungen und öffentliche Infrastrukturbetreiber mit coronabedingten Liquiditätsengpässen. Aus dem bestehenden Programm NRW-Bank Infrastruktur haben wir in Zusammenarbeit mit dem Land NRW eine Coronavariante entwickelt, die sich über die Hausbanken beispielsweise an kommunale Unternehmen, Flughäfen, Messegesellschaften oder Verkehrsbetriebe richtet. Hier erleichtert eine 80-prozentige Haftungsfreistellung den Hausbanken die Kreditvergabe. Zusätzlich dazu haben wir das Programm NRW-Bank Gemeinnützige Organisationen eingeführt, das Stiftungen, Vereine und gGmbHs wie etwa Alten- und Pflegeheime oder Jugendherbergen über zinsgünstige Darlehen mit bis zu 800.000 Euro unterstützt. Hier werden die Hausbanken sogar zu 100 Prozent von der Haftung freigestellt. 80 Prozent leistet die KfW durch eine Bundesgarantie, die restlichen 20 Prozent die NRW-Bank.

Welche Rolle spielen die Sparkassen bei Ihren Förderprogrammen?

Pantring: Eine große Rolle. Denn durch das Hausbankprinzip sind die Firmenkundenberater der Sparkassen auch bei der Beratung zu infrage kommenden Förderprodukten die wichtigsten Ansprechpartner der Unternehmer. Da sich durch die Dynamik der Coronapandemie die Produkte verändert haben, hat sich der ohnehin schon enge Kontakt zwischen den Förderberatern der NRW-Bank und den Firmenkundenberatern der Sparkasse noch einmal spürbar intensiviert.

Wie geht es in den nächsten Monaten weiter?

Pantring: Das Wichtigste ist, dabei zu helfen, die NRW-Wirtschaft wieder anzukurbeln. Nach einer Krise werden die Marktanteile neu verteilt. Es ist für die Unternehmen wichtig, die eigene Strategie zu überdenken und eventuell anzupassen. Denn nur wer sich an die neuen Marktgegebenheiten anpasst, kann sein Geschäft auch wieder erfolgreich ans Laufen bringen. Und dabei unterstützen wir als Förderbank für Nordrhein-Westfalen.

25. August 2020