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Ostdeutscher Sparkassenverband
Trotz Distanz nah beim Kunden
Gemeinsam Probleme lösen, helfen und fördern und die Zukunft gestalten: Mit diesen Schlagworten beschreibt der OSV das Jahr 2020 seiner 44 Mitgliedssparkassen.

Die Coronakrise hat das gute Verhältnis zwischen Kunden und Sparkassen nach Einschätzung des Geschäftsführenden OSV-Präsidenten Michael Emrich vertieft. „In den zum Teil schwierigen Monaten hat sich gerade die lokale Verankerung der OSV-Sparkassen bewährt. Die Sparkassen kennen ihre Kunden und können bei Problemen rasch und unbürokratisch helfen“, so Ermrich.

Seit Ausbruch der Krise haben die Sparkassen flexibel die geänderten Bedürfnisse ihrer Kunden erfüllt. Die Bargeldversorgung war ununterbrochen gesichert. Filialen wurden coronagerecht gestaltet, die telefonische Beratung der Kunden ausgeweitet. Für die Sorgen und Nöte der Firmenkunden hatten und haben die Sparkassen ein offenes Ohr.

23 Prozent mehr Kredite

Von Januar bis November bewilligten sie neue Kredite in Höhe von mehr als 12,5 Milliarden Euro, davon knapp 6,5 Milliarden (plus 23 Prozent) an Unternehmen und Selbstständige. Neben eigenen Stundungs- und Unterstützungsprogrammen informierten sie über Soforthilfen und KfW-Programme. Sie leiteten so in den ersten elf Monaten mehr als 2000 von der KfW bewilligte Anträge mit einem Volumen von fast 586 Millionen Euro weiter.

Ermrich betonte, das gemeinnützige Engagement für Kultur, Sport und Soziales sei den Sparkassen wichtig. Auch wenn viele Veranstaltungen und Events ausgefallen sind, haben die Sparkassen und der OSV auch bei Projektänderungen weiter unterstützt. Unter anderem wurden Ersatzveranstaltungen ermöglicht und insbesondere über die Plattform „99 Funken“ Crowdfunding-Aktionen gestartet.

Sorgen bereitet Ermrich die Entwicklung der Innenstädte. Der Online-Handel-Boom dürfe nicht zum Ende des kleinen Einzelhandels mit individueller Beratung führen. Die Sparkassen gingen hier mit gutem Beispiel voran. Auch wenn zunehmend mehr Kunden ihre Bankgeschäfte online erledigten, blieben die Sparkassen mit ihrer Filialstruktur erhalten. Ermrich: „Sparkassen prägen lebendige Innenstädte, in denen Menschen leben und arbeiten, ihre Freizeit verbringen und einkaufen. Sie sind Teil der Stadt der kurzen Wege.“

Nullzinspolitik bleibt großes Problem

Ermrich zeigte sich zuversichtlich, dass die Sparkassen die Coronakrise weiter sicher bewältigen. Sorgen bereite mehr denn je die Nullzinsphase. „Die Zinsmarge wird immer geringer, die Erträge der Sparkassen sinken“, betonte Ermrich.

Gleichzeitig legten die Kunden Wert darauf, dass ihre Ersparnisse täglich verfügbar sind, um flexibel zu sein und reagieren zu können, wenn sie höherverzinsliche Anlagen erwerben können. Hinzu kämen die seit mehr als zehn Jahren wachsende Überregulierung, die zusätzliche Personal- und Sachkosten auslöst sowie die allgemeinen Preissteigerungen.

„Ich befürchte, dass die Zinssituation noch Jahre andauern wird. Sparkassen, aber auch alle anderen Kreditinstitute mit kundennahen Geschäftsmodellen müssen prüfen, was dies für ihr Geschäftsmodell bedeutet. Zur langfristigen Sicherung des Betriebes der Sparkassen bei Erfüllung ihres öffentlichen Auftrages benötigen wir neue Ertragsquellen“, bekräftigte Ermrich.

Ermrich erwartet ein offenes Ohr der politisch Verantwortlichen für diese Situation. „Wir helfen gerne in der Krise, erwarten aber auch, dass wir im politischen Alltag ernst genommen werden. Wir brauchen klare Signale der Politik, dass sie die Stärken der Sparkassen insbesondere für unsere mittelständische Wirtschaft und die Privatkunden nicht nur akzeptiert, sondern auch erkennt.“

4. Januar 2021