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Payment
Coronapandemie verändert das Online-Zahlverhalten
Händler bemerken im Online-Geschäft ein verändertes Zahlverhalten ihrer Kunden während der Coronapandemie. Die Zahlungen per Vorkasse sinken, während Transaktionen mit Paypal steigen, teilte das Forschungsinstitut ibi Research an der Universität Regensburg mit. Die Bezahlart „Nachnahme“ bieten viele Händler aufgrund zu geringer Nachfrage gar nicht mehr an.

Laut der aktuellen ibi-Research-Studie „Zahlungsabwicklung und Forderungsmanagement im Online-Handel in Zeiten von Corona“ rechnet über die Hälfte der befragten Unternehmen damit, dass die Zahlungsstörungen (54 Prozent) und -ausfälle (52 Prozent) im Zuge der wirtschaftlich angespannten Situation durch die Coronapandemie zunehmen.

Allerdings würden vor allem große Handelsunternehmen ihren Kunden in dieser Ausnahmesituation auch entgegenkommen. 55 Prozent würden einen Zahlungsaufschub gewähren und 20 Prozent würden ihrer Kundschaft anbieten, offene Forderungen in Ratenzahlungen zu tilgen.

Die Hälfte der Händler will neue Online-Zahlverfahren einführen
Laut der Studie bieten acht von zehn Handelsunternehmen Paypal in ihrem Online-Shop als Zahlverfahren an. Mit etwas weiterem Abstand folgen auf den nächsten Plätzen Zahlung auf Rechnung (67 Prozent), Kreditkarte (66 Prozent) und Vorkasse per Überweisung (63 Prozent). 

Rechnung und Kreditkarte würden häufiger von großen Unternehmen angeboten (jeweils 85 Prozent), wohingegen kleine Unternehmen eher die Zahlung per Vorkasse (86 Prozent) bevorzugten. 

Knapp über die Hälfte der befragten Händler plane aktuell die Einführung neuer Zahlungsverfahren in ihrem Online-Shop. Am häufigsten genannt wurden laut ibi Research – neben der Kreditkarte – die Lösungen der großen amerikanischen Tech-Firmen: Apple Pay, Google Pay und Amazon Pay. 

Neue Zahlverfahren müssen klaren Mehrwert bieten
Fast alle Unternehmen seien sich einig, dass neue Zahlungsverfahren nur dann von den Kunden genutzt würden, wenn sie einen klaren Mehrwert im Vergleich zu den bereits vorhandenen Möglichkeiten bieten. Hierzu zähle vor allem die Multikanalfähigkeit des Bezahlverfahrens (83 Prozent). „Request to Pay“, also das Versenden einer Zahlungsaufforderung durch den Händler an den Kunden, sähen knapp zwei Drittel der Befragten als interessante neue Bezahloption. Jedoch hätten auch 56 Prozent angegeben, dass die bisherigen Zahlverfahren ausreichen und keine neuen Anbieter mehr gebraucht würden.

Handel setzt auf Instant Payments für das Online-Geschäft
Die EU-Kommission hat Ende September 2020 ihre Überlegungen dazu veröffentlicht, wie sie sich den Massenzahlungsverkehr der Zukunft vorstellt. Einigen ausgewählten Maßnahmen hätten die teilnehmenden Unternehmen überwiegend zugestimmt. 80 Prozent seien der Meinung, dass Echtzeitzahlungen bis Ende 2021 flächendeckend angeboten werden müssen. Die Kosten dürften aber nicht höher sein als für Standardüberweisungen. Die Echtzeitzahlungen (oder Instant Payments) eignen sich nach Einschätzung der Handelsunternehmen auch für den Online-Handel und können zum Beispiel eine Alternative zu Kreditkartenzahlungen darstellen.

„Es bedarf einer gesamteuropäischen und einheimischen Zahlungslösung, die stationär und online genutzt werden kann und nicht abhängig von globalen Akteuren (Mastercard, Visa, Paypal etc.) ist.“ 70 Prozent der Befragten stimmten dieser Aussage zu. Jedoch würden nur 22 Prozent glauben, dass eine gesamteuropäische Zahlungslösung den großen amerikanischen Tech-Unternehmen und den Kreditkartenanbietern erfolgreich entgegentreten könne.
 

Stephan Arounopoulos, S-Payment GmbH
– 23. April 2021