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Geld- und Wertdienste leiden unter Bargeld-Rückgang
2020 hat Bargeld als Zahlungsmittel in vielen Bereichen zunehmend Anteile verloren. Die sinkende Nachfrage zeigt sich nun auch im Umsatz der Bundesvereinigung der Deutschen Geld- und Wertdienste e.V. (BDGW): Dieser ist im vergangenen Jahr um rund 150 Millionen Euro gesunken.

Im Vergleich zum Vorjahr sei dies ein Abfall um etwa 25 Prozent (2019: 600 Millionen Euro). Vor allem die abnehmende Bargeldnutzung und bevorratung im Handel und anderen Branchen und die daraus resultierende verringerte Anzahl an Geld-Transporten hätten sich auf den Umsatz ausgewirkt. Laut BDGW hat die Pandemie die Branche hart getroffen. Nach einem kurzen Anstieg der Bargeld-Nachfrage zu Beginn der Krise sei diese im weiteren Verlauf enorm abgesackt.

Beliebtheit des bargeldlosen Bezahlens steigt
Den vom BDGW gemeldeten, coronabedingten Rückgang der Bargeldnachfrage bestätigen auch andere Studien. So prognostizierte das EHI Retail Institute bereits für Ende 2020 einen Rückgang der Bargeld-Transaktionen an den deutschen Handelskassen um fünf Prozent, der Umsatzanteil werde sogar um 5,3 Prozent zurückgehen. Demzufolge büße Bargeld rund eine Milliarde Transaktionen im Gesamtwert von 27,9 Milliarden Euro ein.

Insbesondere das Bezahlen per Girocard (+6,6 Prozent) sowie in geringem Maße auch das Bezahlen per Kreditkarte (+0,8 Prozent) würden von dieser Entwicklung profitieren. Unter Berücksichtigung des Lastschriftverfahrens seien beide Varianten der Girocard-Nutzung im Handel mit einem gemeinsamen Anteil von 46 Prozent erstmals und deutlich umsatzstärker als Bargeld. 

Auch das kontaktlose Bezahlen erhielt im vergangenen Jahr einen erfreulichen Schub. Die Deutsche Kreditwirtschaft meldete 5,5 Milliarden Transaktionen mit der Girocard (eine Steigerung um 21,7 Prozent gegenüber 2019) – der Anteil der Kontaktlos-Zahlungen lag zum Jahresende bei 60,4 Prozent (2019: 35,7 Prozent). 

Das EHI erwartet in den kommenden Jahren, vor allem durch den Anstieg des kontaktlosen Bezahlens, weitere Zuwächse für unbare Zahlungsmittel in Höhe von etwa drei Prozent.

Hoffnungen für die Zeit nach Corona
Den Trend zum bargeldlosen Bezahlen bestätigt auch eine repräsentative Umfrage der Deutschen Bundesbank: Bei nunmehr 30 Prozent aller Zahlungen – an der Ladenkasse, im Online-Handel oder bei weiteren Anlässen – werde die Karte genutzt. In einer Studie von 2017 habe der Wert lediglich bei 21 Prozent gelegen. Der Anteil der Barzahlungen hingegen ist laut Bundesbank auf 60 Prozent (-14 Prozent) gesunken. 

Der BDGW hofft auf eine sukzessive Zunahme der Bargeld-Nachfrage, sobald sich der Alltag nach der Eindämmung der Pandemie wieder normalisiere und Geschäfte, Hotellerie, Gastronomie und Kultureinrichtungen wieder bundesweit öffnen könnten. Außerdem werde der Euro als harte Währung auch auf Reisen wieder eine größere Rolle spielen. Zugleich rechnet der Verband aber nicht damit, dass das Bargeld im Zahlungsverkehr seinen Anteil vor der Coronakrise wieder erreichen könne.
 

Jennifer Mayer, S-Payment GmbH
– 30. April 2021