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Nigeria weltweit führend bei Kryptogeld-Zahlungen
Nigeria liegt laut „Global Consumer Survey“ von Statista weltweit auf Platz eins bei Besitz und Nutzung von Kryptogeld. Gerade die extreme Armut und gravierende sozio-ökonomische Probleme ebnen den Weg für den Erfolg von Bitcoin und Co.

Rund 32 Prozent der im Rahmen des Statista Global Consumer Survey befragten Nigerianer gaben an, Kryptowährung zu nutzen oder zu besitzen. Damit steht das westafrikanische Land an erster Position von 65 an der Umfrage beteiligten Ländern. Vor allem die wachsende Bedeutung von Peer-to-Peer-Zahlungen über das Smartphone sowie die hohe Abhängigkeit vieler Nigerianer von Geldtransfers im Ausland lebender Familienmitglieder würden dafür sorgen, dass sich Kryptowährungen in Nigeria rasant verbreiten. 

Infografik: Wie verbreitet ist Kryptowährung

Sozio-ökonomische Probleme treiben die Verbreitung von Kryptogeld
Nigeria ist zwar die größte Volkswirtschaft auf dem afrikanischen Kontinent, hat aber letztes Jahr Indien abgelöst als das Land mit dem höchsten in extremer Armut lebenden Bevölkerungsanteil – fast 87 von 200 Millionen Einwohnern. Die Inflationsrate lag im Dezember 2019 bei knapp zwölf Prozent.

Es klingt widersprüchlich, aber es scheinen gerade diese massiven wirtschaftlichen Probleme zu sein, die Kryptowährungen – trotz Warnungen der nigerianischen Zentralbank und grassierender Bitcoin-Betrügereien – für viele Notleidende im Land attraktiv machen. So beträgt nach Erhebungen der Bitcoin-Plattform „Coin Dance“ das wöchentliche Handelsvolumen auf der Peer-to-Peer-Börse „Localbitcoins“ über 600 Millionen Naira (die nigerianische Landeswährung). Wie kommt das? 

Laut einer Analyse auf bitcoin.com sind angesichts der hohen Armutsquote viele Nigerianer auf Überweisungen von Familienangehörigen oder Freunden angewiesen, die im Ausland leben und arbeiten. Wie die Central Bank of Nigeria im Januar mitteilte, lagen die Geldüberweisungen zwischen Januar und November 2019 bei 17,5 Milliarden US-Dollar, eine Steigerung um 56,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Und genau hier liege der Knackpunkt: Wie in vielen anderen afrikanischen Ländern auch, müssten Nigerianer für grenzüberschreitende Transaktionen sehr hohe Gebühren zahlen – laut bitcoin.com bis zu zehn Prozent. 

Viele Plattformen für den Kauf und Verkauf von Bitcoins
Das treibe die Nigerianer zunehmend dazu, Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether zu kaufen, da bei deren Einsatz keine Transaktionskosten für Auslandsüberweisungen anfallen würden. Die Verbreitung von Kryptogeld werde gefördert durch eine Vielzahl von lokalen Plattformen, die den Kauf und Verkauf digitaler Münzen mit der Landeswährung Naira unterstützen.

Die größte lokale Krypto-Börse sei Nairaex, auf der Nigerianer mit verschiedenen Zahlverfahren Bitcoins kaufen und verkaufen können. Bedeutend sei auch die Plattform „Bitpesa“, die mit dem populären Peer-to-Peer-Verfahren „M-Pesa“ über das Smartphone genutzt werden könne. 

Die nigerianische Wirtschaft scheint sich auf die Kryptowährungen als alternatives Zahlungsmittel eingestellt zu haben. Der Zahlungsabwickler Paychant etwa biete ein Kryptowährungs-Gateway an. Dieses wandle von Händlern und Geschäften akzeptierte digitale Coins unverzüglich in den Naira um. So sollen die Einnahmen vor der Preis-Volatilität der Kryptowährungen geschützt werden. Die Zahl der Unternehmen in Nigeria, die Kryptogeld für Zahlungen akzeptieren, wächst nach Angaben der Webseite buybitcoinworldwide.com stetig an. 

Und die anderen Länder?
Auch in Vietnam, Südafrika, der Türkei und Peru gaben viele der Befragten an, Kryptowährungen zu besitzen und zu nutzen. Laut der Umfrage ist Lateinamerika eine der Regionen der Welt, in der sich viele Nutzer von Kryptowährungen finden lassen: Brasilien, Kolumbien, Argentinien, Mexiko und Chile erreichten allesamt zweistellige Werte in Sachen Krypto-Adaption. In europäischen Staaten ist die Adaption von Kryptowährung laut Statista noch nicht weit fortgeschritten – Griechen (elf Prozent) und Spanier (zehn Prozent) sind hier die häufigsten Krypto-Nutzer. Auffällig ist, dass vor allem in großen, hochentwickelten Volkswirtschaften Kryptowährungen nur wenig verbreitet sind.

Wie die Statista-Grafik zeigt, haben nur sechs Prozent der in Deutschland Befragten die Nutzung von Bitcoin oder anderen Alternativen bejaht. Schlusslicht ist Japan, hier haben bisher nur etwa vier Prozent Erfahrungen mit Kryptogeld gemacht.
 

Sebastian Kunzelmann, S-Payment GmbH
– 31. August 2020