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Rheinischer Sparkassen- und Giroverband
Mit Tradition in die Zukunft
Bekannte Fragestellungen, aber auch neue Herausforderungen prägten die virtuelle Strategietagung der Vorstände der rheinischen Sparkassen.

Die großen Themen der Finanzindustrie seien schon zum „Standard“ der Sparkassen-Organisation geworden, so RSGV-Landesobmann Alexander Wüerst, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln, zum Auftakt der Veranstaltung. Die anhaltende Negativzinsphase, immer höhere und komplexere regulatorische Anforderungen, die fortschreitende Digitalisierung, die zunehmende Bedeutung des Nachhaltigkeitsgedankens sowie die Tatsache, dass in einer älter werdenden Gesellschaft Veränderungen im Verbraucherverhalten bewältigt werden müssten, seien zentrale Herausforderungen, die durch die Covid-19-Pandemie noch verstärkt würden. 

Um auch in der Post-Corona-Zeit erfolgreich zu sein, so Wüerst, müssten die Sparkassen ihren kundenfokussierten Ansatz weiterentwickeln und Investitionsprioritäten setzen. Das Know-how der Mitarbeitenden und die Kultur der Sparkassen müsse man nutzen, um das digitale Banking-Umfeld zu optimieren, für die Kunden und für das Wachstum der Sparkassen selbst. 

Man habe die langen Monate des Lockdowns gut bewältigt und das Ansehen der Sparkassen in der Kundschaft und bei den Verbrauchern festigen können. Angesichts der Flutkatastrophe hätten die rheinischen Sparkassen großes Engagement gezeigt. Man werde sich auch hier als verlässlicher Finanzpartner der Region erweisen. 

Zudem hob Wüerst die große Spendenbereitschaft von Mitarbeitenden und aus der Sparkassenkundschaft in ganz Deutschland hervor. Viele Millionen Euro seien aus unterschiedlichen Quellen innerhalb der Sparkassenorganisation für die Fluthilfe zur Verfügung gestellt worden. Sparkassen und Verbundunternehmen hätten sich gegenseitig mit Personal und Sachmitteln unterstützt. Die Kreativität, die hierbei zutage getreten sei, habe ihn sehr beeindruckt. 

Unter der Tagungsleitung von RSGV-Geschäftsführer Thomas Pennartz wurde der notwendige Veränderungsbedarf aufgrund der von Alexander Wüerst aufgerufenen Themen in den anschließenden Vorträgen, Diskussionen und Workshops intensiv beleuchtet. 

Schlaglichter aus Vorträgen und Diskussionen: 

  • Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, gab den Vorständen einen Überblick über die sich abzeichnende Einigung beim Sicherungssystem der Sparkassen-Finanzgruppe – auch ein wichtiges Thema für die Zukunftsfähigkeit der Sparkassen. Er warb dafür, dass die Sparkassen den Blickwinkel stärker auf das Kundenerlebnis richten und weiter „Sparkasse“ sein sollten, um relevanter Bestandteil der Gesellschaft zu bleiben. 
     
  • Prof. Key Pousttchi, Wirtschaftsinformatiker und Digitalisierungsexperte, ermunterte die Teilnehmenden, das regionale Profil der Sparkassen emotional auszuspielen, aber auch aufrichtig zu leben. Die Sparkassen hätten hier ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem sie das Vertrauen der Kunden rechtfertigen und ihnen Sicherheit in der digitalisierten Welt geben könnten. Tech-Konzerne vermittelten ihren Kunden das Gefühl, individuelle Lösungen zu bieten. In Realität offerierten sie allerdings das größte anzunehmende Massenprodukt. RSGV-Präsident Michael Breuer betonte, dass die öffentlich-rechtlichen Strukturen der Sparkassen schneller werden müssten und warb erneut für eine stärkere Arbeitsteilung der Verbände.
     
  • Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud informierte über die neuesten Entwicklungen rund um die Einführung des digitalen Zentralbankgeldes. Sie betonte, dass EZB-Chefin Christine Lagarde bei allen Unsicherheiten die Einführung des digitalen Euros in den nächsten fünf Jahren für möglich halte.
     
  • Alexander Wüerst hob, auch angesichts der Flutkatastrophe, die Bedeutung des Mega-Themas Nachhaltigkeit hervor. Klimaneutralität sei keine Kür mehr, sondern Pflicht für alle Sparkassen. Die Mitglieder der Sparkassenorganisation müssten an der Schnittstelle von Unternehmen, Anlegern, Verbrauchern und kommunalen Verwaltungen nicht nur eine verantwortungsvolle Rolle bei der Lösung komplexer Zukunftsaufgaben spielen, sondern auch mit ihrer eigenen unternehmerischen Haltung, ihren Produkten und den gesellschaftlichen Initiativen Entwicklungen und Umbrüche gestalten.
     
  • Birgit Dietl-Benzin, Vorstandsmitglied der Deka, betonte, dass Nachhaltigkeit neben einer ökologischen und sozialen auch eine ökonomische Komponente habe. So verwalte die Deka inzwischen nachhaltige Assets in einer Größenordnung von rund 35 Milliarden Euro. Auch für die Deka sei das Ziel, nachhaltige Zukunftsperspektiven für Unternehmen, Menschen und die Region zu kreieren. 
     
  • Birgit Roos (Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Krefeld) und Ulrich Voigt (Vorstandsvorsitzender der Sparkasse KölnBonn) erläuterten Nachhaltigkeitsinitiativen ihrer Häuser, warfen aber auch einen Blick auf das Spannungsfeld, in dem man sich bei Nachhaltigkeitsentscheidungen bewege. Sie betonten, dass es durchaus noch „Luft nach oben“ beim Nachhaltigkeitsprofil der Sparkassen gebe.   
     
  • Prof. Jürgen Bott (Fachhochschule Kaiserslautern) warb für eine größere Effizienz des Sparkassenbetriebs. Die Vorständinnen und Vorstände sollten den Blick schärfen für zusätzliche Geschäftsbereiche, die Sie mittels neuer Technologien in höherem Maße als bisher der Automatisierung zuführen können. So könne zukünftig ein wesentlich breiteres Leistungsspektrum in Marktsegmenten angeboten werden, in denen noch interessante Margen zu erzielen seien. 

In den vier Workshops zu den Themen „Digitalradar und digitale Fitness der Mitarbeitenden“, „Plattformökonomie“, „Digitale Agenda 2.0“ und „Nachhaltigkeit und Banksteuerung“ wurden am zweiten Tag Themenstellungen des Vortags aufgegriffen und vertiefend und praxisnah diskutiert.

13. September 2021