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Sechsstufenplan
Nachhaltigkeit schrittweise umsetzen
Viele Sparkassen planen, im Geschäftsbetrieb und im Kundengeschäft nachhaltiger zu werden. Ein bereichsübergreifendes Nachhaltigkeitsmanagement ist deshalb sinnvoll. In sechs Schritten kann das gelingen.

Kunden, Politik, Gesellschaft und Aufsicht erwarten von Kreditinstituten eine klare Haltung und messbare Leistungen im Bereich der Nachhaltigkeit. Das gilt vor allem für die öffentlich-rechtlichen Institute und freien Sparkassen.

Alle Bereiche der Sparkasse können durch passende Strategien, Ziele, Strukturen, Maßnahmen und Instrumente dazu beitragen, diesen Anspruch einzulösen. Eine wirklich nachhaltige Unternehmenskultur kann jedoch nicht im Hauruckverfahren einmalig eingeführt werden – sie ist ein Prozess.

Fortschritte lassen sich am besten erreichen, wenn Erfahrungen und Ziele in einem „Regelkreis Nachhaltigkeitsmanagement“ laufend zusammengetragen, geprüft und weiterentwickelt werden. So wird Nachhaltigkeit im Sparkassenbetrieb und in der Unternehmenskultur verankert und ein selbstverständlicher, aber auch konkret messbarer Teil der Geschäftsstrategie. Ein solcher Regelkreis für das Nachhaltigkeitsmanagement in Sparkassen hat sechs Stufen.

Stufe eins: Haltung klären

„Als erstes muss ein Institut seine Haltung zum Thema klären“, sagt Alexandra Burghardt, die Nachhaltigkeitsreferentin der Kreissparkasse Köln. „Und obwohl wir als Sparkassen gute Voraussetzungen mitbringen, ist das Thema Nachhaltigkeit vielschichtig und erfordert kontinuierliches Handeln und Überzeugen.“

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Die Sparkasse muss ihre Haltung zum Thema Nachhaltigkeit klären, bevor sie es angeht, sagt Alexandra Burghardt, die Nachhaltigkeitsreferentin der Kreissparkasse Köln.

Inhaltlich kann sich ein solches, grundlegendes Nachhaltigkeitsverständnis an den UN-Grundsätzen für verantwortliches Bankwesen, den „Principles of Responsible Banking“ orientieren. Der DSGV hat diese Prinzipien stellvertretend für die Institute der Sparkassen-Finanzgruppe vor wenigen Monaten gezeichnet.

Es geht darum, soziale, ökologische und unternehmerische Aspekte der Nachhaltigkeit in der eigenen Geschäftstätigkeit zu verankern und miteinander in Einklang zu bringen. „Wichtig ist aber auch ein echtes, aktives Commitment“, unterstreicht Ellen Weiland, Nachhaltigkeitsverantwortliche des Ostdeutschen Sparkassenverbandes. „Es sollte ausdrücken, dass die Sparkasse es als ihre Aufgabe versteht, in ihrem Geschäftsgebiet Wirtschaft, private Personen und Gesellschaft bei deren Transformation zu mehr Nachhaltigkeit durch geeignete Finanzdienstleistungen zu unterstützen.“

Stufe zwei und drei: Organisatorische Strukturen schaffen und Bestandsaufnahme

Neben der Verantwortlichkeit auf Vorstandsebene ist es sinnvoll, einen oder mehrere fachliche Koordinatoren zu ernennen. Bewährt hat sich zudem ein Koordinierungsteam, in dem grundsätzlich alle Abteilungen eines Hauses vertreten sind. In diesen Arbeitsstrukturen kann dann eine ehrliche Bestandsaufnahme (Stufe drei) vorgenommen werden.

Für einen solchen Soll-Ist-Abgleich können die Institute auf die Unterstützung der Regionalverbände zurückgreifen. Einen Nachhaltigkeitscheck oder Nachhaltigkeitskompass bieten aber auch Beratungsgesellschaften wie N-Motion oder KapN an, mit denen Sparkassen bereits zusammenarbeiten.

Stufe vier: Nachhaltigkeitsziele definieren

Wichtig für das Nachhaltigkeitsmanagement sind anspruchsvolle, messbare und erreichbare Ziele. Mit drei bis fünf Prozent weniger CO2-Ausstoß pro Jahr kann eine Sparkasse ihren „ökologischen Fußabdruck“ im eigenen Geschäftsbetrieb bereits 2035 so weit reduziert haben, dass betrieblich unvermeidbare Emissionen durch Kompensationsleistungen wie zum Beispiel den Kauf von Klima-Zertifikaten oder Investitionen in Aufforstungsprojekte ausgeglichen werden können.

Nachhaltigkeit in sechs Stufen umsetzen: Das Schaubild verdeutlicht nochmals die Abfolge der einzelnen Schritte, die Sparkassen zur Umsetzung gehen sollten. (Quelle: KSK Köln)

Erst reduzieren, dann ausgleichen – nur in dieser Schrittfolge werden Bestrebungen Richtung Klimaneutralität auch von gesellschaftlichen Anspruchsgruppen akzeptiert. Noch ehrgeiziger ist dieses Ziel übrigens, wenn es nicht an den Gesamtbetrieb geknüpft, sondern auf die Zahl der Mitarbeiter heruntergebrochen wird.

Wie hoch eine Sparkasse ihre Standards nachhaltiger Unternehmensführung ansetzt, entscheidet sie selber. Orientierung bieten aber bereits bestehende gesetzliche Anforderungen (etwa zur nicht-finanziellen Berichterstattung) und aufsichtliche Hinweise (wie das Bafin-Merkblatt zu Nachhaltigkeitsrisiken).

Stufe fünf: Konkrete Umsetzung

Das institutsindividuelle Nachhaltigkeitsprogramm spiegelt dann die Haltung und Ziele des Instituts. Für die konkrete Umsetzung (Stufe fünf) können sich Institute auf das Indikatorenset aus dem DSGV-Sparkassen-Standard für die nicht-finanzielle Berichterstattung stützen, Produktangebote aus dem Verbund einsetzen und die Anleitungen zur Beratung nach Nachhaltigkeitspräferenzen im Wertpapiergeschäft nutzen. Eine erste Anlaufstelle sind zudem die Nachhaltigkeits-Expertinnen und -Experten aus den regionalen Sparkassenverbänden.

So entsteht Schritt für Schritt ein wachsendes Profil einer Sparkasse, die nach innen und außen zeigen kann: Das sind wir. Und das ist unsere Leistung für eine nachhaltige Wirtschaft, Gesellschaft und Region.

Stufe sechs: Tue Gutes und rede darüber – Kommunikation

Der sechste Schritt im Regelkreis Nachhaltigkeitsmanagement heißt dann: Kommunikation. Denn nicht nur gesellschaftliche Gruppen wie „Finanzwende“ oder „Fridays for Future“ haben hohe Erwartungen an die Nachhaltigkeitsleistung von Sparkassen – auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen wissen, dass ihr Arbeitgeber über den Tag hinaus Verantwortung übernimmt. Und dabei gilt: Klare Ziele und messbare Leistungen sagen mehr als tausend Worte.

Weitere Hilfestellungen zum Thema Nachhaltigkeit finden Sie unter www.umsetzungsbaukasten.de. Im Projektsteckbrief „Nachhaltigkeit“ werden unter „Ergebnisse/Umsetzungshilfen“ regelmäßig weitere Handlungsanleitungen und Beispiele zu den einzelnen Handlungsfeldern eingestellt, unter anderem eine kurze Handreichung zum Nachhaltigkeitsmanagement.

Anke Bunz, DSGV
– 27. August 2020