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Sparkassenverband Westfalen-Lippe/Halbjahreszahlen
„Die Sparkassen helfen den Unternehmen“
Die 57 Sparkassen in Westfalen-Lippe haben in den ersten Monaten der Coronapandemie alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ihren Firmenkunden wirtschaftlich durch die Krise zu helfen.

Die 57 Sparkassen in Westfalen-Lippe sagten Unternehmen und Selbstständigen im ersten Halbjahr 6,45 Milliarden Euro neue Kredite zu. Das waren 27,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auffällig: In der Coronazeit stieg die Sparquote von 10,9 auf 15,6 Prozent. Die Sparer legten 1,2 Milliarden Euro zusätzlich zur Seite und nutzten die Chancen auf dem Aktienmarkt.

In den ersten Monaten der Coronapandemie haben die Sparkassen alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ihren Firmenkunden wirtschaftlich durch die Krise zu helfen: Sie sagten Unternehmen und Selbstständigen im ersten Halbjahr 6,45 Milliarden Euro neue Kredite zu. Das waren 27,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. 1,24 Milliarden Euro davon entfielen auf KfW-Förderdarlehen. Daneben wurde über die westfälisch-lippischen Sparkassen in 107.000 Fällen die NRW-Soforthilfe in Höhe von 1,13 Milliarden Euro ausgezahlt. Zudem wurden bei 18.900 gewerblichen Kunden Tilgungsleistungen mit einem Volumen von 321 Millionen Euro ausgesetzt.

„Der Angebots- und Nachfrageschock, der durch die Coronapandemie und die Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung entstanden ist, stellt viele Unternehmen und Selbstständige nach wie vor vor große Probleme. Es fehlt Liquidität. Die Sparkassen helfen den Unternehmen seit Beginn der Krise, diese Phase so gut wie möglich bewältigen zu können“, so die Präsidentin des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, Prof. Liane Buchholz.

Weserrenaissancebauten am Markt in Lemgo, rechts das historische Alte Rathaus. Die Sparkassen des Verbands Westfalen-Lippe haben im ersten Halbjahr Unternehmen und Selbstständigen 6,45 Milliarden Euro neue Kredite zugesagt.

Eigenkapitalinstrumente in den Blick nehmen

Die Kreditprogramme von Bund und Ländern würden für Entlastung der Firmenkunden sorgen, so die Präsidentin. Buchholz erneuerte aber ihren Appell, auch Eigenkapitalinstrumente in den Blick zu nehmen: „Förderkreditangebote waren und sind unverzichtbar. Unternehmen müssen sich jedoch darauf einstellen, ihre Investitionsfähigkeit für die kommenden Monate zu sichern – besonders für die Zeit, in der die Auswirkungen der Pandemie spürbar und verlässlich zurückgehen werden. Dafür können Eigenkapitalinstrumente, die die Förderbanken anbieten, der bessere Weg sein.“

Bei den Privathaushalten sagten die Sparkassen in Westfalen-Lippe ebenfalls deutlich mehr Kredite zu: Hier war das Plus von 12,6 Prozent auf 4,16 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum jedoch weniger eine Folge der Pandemie, als vielmehr der ungebrochen starken Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten. Die Darlehenszusagen für Immobilien und Immobilienmodernisierung beliefen sich im ersten Halbjahr auf 3,48 Milliarden Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 17,2 Prozent. Nach wie vor machten sich hier die niedrigen Zinsen bemerkbar. Beim Sparverhalten zeigte sich eine deutlich vorsichtigere Einstellung der Sparkassenkunden als in den Vorjahren. Unternehmen haben im ersten Halbjahr 2020 ihren Einlagenbestand um 9,1 Prozent auf 18,6 Milliarden Euro ausgebaut (Vorjahr plus 0,5 Prozent). Privatkunden stockten ihn um 3,4 Prozent auf 83,9 Milliarden Euro auf.

Sparquote steigt kräftig an

Für Sparkassenpräsidentin Buchholz liegt auf der Hand: „Unsere Kunden haben Geld auf die hohe Kante legen können, das sie infolge des Lockdowns nicht ausgeben konnten. Außerdem sind viele Menschen vorsichtiger geworden: Die Sparquote der Privathaushalte in Deutschland dürfte infolge der Coronakrise von 10,9 Prozent im Vorjahr auf voraussichtlich 15,6 Prozent in diesem Jahr ansteigen.“ Beim Wertpapiergeschäft nutzten die Privatkunden den pandemiebedingten Kursrutsch: Vor allem im April und Mai stieg die Nachfrage nach Wertpapieren stark an. Der Umsatz (Summe aus Käufen und Verkäufen der Kunden) stieg um 50,5 Prozent auf 6,56 Milliarden Euro an. Der Nettoabsatz (Differenz zwischen Käufen und Verkäufen) legte um 115,3 Prozent auf 893 Milliarden Euro zu.

Die Geldvermögensbildung (Ersparnis) der Privatkunden summierte sich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres auf 3,64 Milliarden Euro. Das waren 50,2 Prozent mehr als im Vorjahr und sogar 91,4 Prozent mehr als im Durchschnitt der drei Vorjahre. Damit legt die Ersparnis der Privathaushalte bei den westfälisch-lippischen Sparkassen etwa im Gleichschritt mit der gesamtwirtschaftlichen Sparquote auf einen neuen Rekordwert zu.

30. Juli 2020