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Standortschließungen
Coronakrise beschleunigt Filialumbau
Die Frankfurter Sparkasse wird ihr digitales Angebot ausbauen und 17 von 60 Filialen schließen. Dennoch bleibt die Sparkasse das Kreditinstitut mit dem dichtesten Filialnetz in der Mainmetropole.

Das veränderte Kundenverhalten im Umgang mit den Finanzdienstleistungen habe sich bereits vor der Corona-Phase abgezeichnet, doch sei durch diese nochmals beschleunigt worden, erklärte Ingo Wiedemeier, Vostandsvorsitzender der Frankfurter Sparkasse. Die Zahl der Online Banking-Zugriffe habe sich für die Frankfurter Sparkasse im vergangenen Jahr um rund eine Million auf 15,5 Millionen erhöht.

Zunehmend greifen Kunden auf die Sparkassen App zurück, fügte Wiedemeier hinzu. So habe sich das Mobile Banking allein in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres um 10.000 auf über 90.000 Kunden bei seinem Institut erhöht.

Neues Digitalteam soll der passende Service für das veränderte Kundenverhalten sein. Ingo Wiedemeier erklärte, dass dies zunächst rund 50 Mitarbeiter umfassen werde.

"Analysen gehen davon aus, dass zukünftig nur noch 20 Prozent unserer Kunden in einer Filiale vor Ort betreut werden, während sich 60 Prozent situationsbedingt entweder stationär oder digital beraten lassen wollen", erläuterte der Vorstadschef. Weitere 20 Prozent der Kunden beabsichtigen, ausschließlich über digitale Wege mit der Sparkasse zu kommunizieren.

Aufbau eines eigenen Digitalteams

Der wichtigste und am stärksten sichtbare Schritt hierzu ist der Aufbau einer eigenen Einheit, etwa einer Direktfiliale, welche Kunden nur über Telefon, E-Mail oder Videochat berät und betreut, kündigte Wiedemeier an. Diese Einheit agiere unabhängig vom stationären Vertrieb. "Das Team, welches rund 50 Mitarbeitende umfassen wird, berät alle Produkte wie in einer stationären Filiale", so der Vorstandschef.

"Bereits in den vergangenen Monaten haben wir mit unserer Beratung über Telefon oder Videochat sehr gute Erfahrungen gemacht", fügt Wiedemeier hinzu. "Diese möchten wir nun nutzen, um uns noch enger an den aktuellen und zukünftigen Kundenbedürfnissen auszurichten. Wir sind dort, wo unsere Kunden uns haben wollen. Sei es vor Ort oder in der digitalen Welt."

Die Frankfurter Sparkasse sei stolz darauf, dass sie ihren Kunden das mit Abstand dichteste Filialnetz in Frankfurt und der Region biete, so Wiedemeier. Einer Auswertung des DSGV zufolge benötigen 90 Prozent der Bürgerinnen und Bürger im Stadtgebiet Frankfurt entweder mit dem Auto oder zu Fuß maximal fünf Minuten, um zur nächsten mitarbeiterbesetzten Filiale der Frankfurter Sparkasse zu gelangen.

"Wir wollen unseren Kunden an möglichst vielen Standorten den kompletten Service und eine umfassende Beratung in allen Finanzfragen bieten – und zwar von Mensch zu Mensch", bekräftigt Wiedemeier.

Standortüberprüfung führt zu Schließungen 17 meist kleinerer Filialen

Aber auch die Sparkasse sei gefordert, ihr Filialnetz auf seine Wirtschaftlichkeit hin zu untersuchen, und wo es notwendig wird, Filialen zusammenzulegen, so der Vorstandsvorsitzende. Vorangegangen sei eine lange Phase der Analyse und Überprüfung der Geschäftsstellenstruktur auf Basis einzelkritischer Faktoren wie betriebswirtschaftliche Kennziffern, Nähe zu anderen Filialstandorten sowie der Wettbewerbssituation und Lage vor Ort.

Die Frequenz variiert in den einzelnen Standorten, sie geht jedoch seit Jahren stetig weiter zurück. "Letztendlich haben wir 17 meist kleinere Standorte unserer derzeit bestehenden 60 Vertriebsstandorte identifiziert, deren Kundenfrequenz unterdurchschnittlich oder deren Nachbarfiliale sehr nahegelegen ist", sagt Wiedemeier. Die 15 Standorte im Umland blieben erhalten.

28. Juni 2021