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Symbioticon / Green Day
„Ihr könntet das Ende der Klimakrise finanzieren“
Klimaaktivistin Luisa Neubauer geht mit der Kreditpraxis der Sparkassen hart ins Gericht. Gleichzeitig sieht sie in den Instituten mögliche Verbündete.

Die Klimakrise sei nur deshalb so groß geworden, weil die Rolle von Finanzgebern seit Jahrzehnten übersehen oder ignoriert worden sei, sagt die Studentin und Klimaaktivistin Luisa Neubauer, hierzulande das Gesicht der Fridays-for Future-Bewegung.

Neubauer trat jetzt beim Green Day des Sparkassen Innovation Hubs auf. Das Innovationslabor der Sparkassen-Finanzgruppe veranstaltet sein Tech-Festival Symbioticon in diesem Jahr als mehrwöchigen Wettbewerb mit mehreren Thementagen.

Neubauer gilt vielen als Sprachrohr der jüngeren Generation, sie selbst sieht sich nicht so. Was wir tun, um uns selbst zu retten, sei nicht nur eine Frage der Jungen, erklärte Neubauer. Auch Banken und Sparkassen müssten sie sich stellen.

Klimaaktivistin Neubauer: Auch Sparkassen müssen sich die Fragen stellen, was sie tun, um uns selbst zu retten.

Historische Last

Neubauer kritisierte, dass „die Sparkassen wesentlicher Finanzierer von Konzernen wie RWE“ seien und daher Spargelder in Kohlekraftwerke flössen.

Damit suggerierte die Aktivistin einen Automatismus, den es so nicht gibt. Zudem bezieht die Sparkassen-Finanzgruppe als kritischer Investor aktiv Stellung zur Geschäftspolitik von Unternehmen, auch bei der RWE. Der Mischkonzern bedient ohnehin eine Vielzahl unterschiedlicher Geschäftsbereiche.  

Neubauer ließ die Leistungen der Sparkassen in der lokalen Kreditvergabe und bei der Förderung der Energiewende zwar unerwähnt, riet den Häusern aber zu einer aktiven Rolle bei der Transformation der Wirtschaft: „Nicht nur die Klimakrise wurde finanziert – auch der Klimaschutz muss finanziert werden“ sagte die Sprecherin von Fridays for Future Deutschland. Auf den Sparkassen liege eine gigantische historische Last, "und sie haben gleichzeitig eine unfassbare Möglichkeit“, so Neubauer.

Unfassbare Möglichkeit

Viele Sparkassenkunden fragten sich, wofür ihr Geld arbeite. Auch Mitarbeiter der Sparkassen wollten lieber in verantwortlich handelnden Unternehmen beschäftigt sein. Innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe gebe es hierzu im Grundsatz eine gute Antwort.

Neubauer sprach den Sparkassen nicht ab, am Gemeinwohl orientiert und für den Schutz von Werten in den Regionen engagiert zu sein. Gerade deshalb trügen die Häuser aber auch besondere Verantwortung, dafür zu sorgen, dass Heranwachsende überall Lebensgrundlagen vorfinden, mit denen sie alt werden könnten. Die Pariser Klimaziele umzusetzen, werde jeden Tag dringlicher.

Verantwortung für das Gemeinwohl

Neubauer wertete es als ersten guten Schritt, dass die Deka für Fondsvermögen der Sparkassen und von Sparkassenkunden klare Regularien zur Nachhaltigkeit aufgesetzt habe. Ankündigungen seien gut, wenn sie umgesetzt werden und sich Unternehmen erkennbar auf den Weg machten.

Sie erwarte jedoch weitergehende Ausschlusskriterien, etwa bei der Kohleverstromung und Rüstung: „Ich setze auf den Selbsterhaltungszwang der Sparkassen – und auf ihr Gewissen: Sie könnten das Ende der Klimakrise finanzieren!“ Neubauer appellierte an die Sparkassen: „Gerade wenn politische Instanzen weltweit nicht verantwortlich handeln, müssen es andere tun.“

Anke Bunz
– 17. November 2020