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Umsetzungsbaukasten 03/20
Nachhaltig beraten als Chance und Imagefaktor
Die EU-Kommission hat ehrgeizige Pläne für einen Umbau der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit. Das DSGV-Projekt „Kapitalmarktunion“ unterstützt die Umsetzung in den Sparkassen kontinuierlich mit verschiedenen Materialien.

 

Im vergangenen Monat hat das DSGV-Projekt „Kapitalmarktunion“ den Sprung in die Top 10 im Ranking gestiegener Zugriffszahlen im Umsetzungsbaukasten geschafft. Nachhaltigkeit und vor allem der Beitrag der Finanzwirtschaft dazu – Stichwort „Sustainable Finance“ – ist eines der bestimmenden Themen in der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Debatte.

Die EU-Kommission hat mit ihrem ambitionierten Aktionsplan „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ die Zielrichtung und den Fahrplan zum Umbau der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit vorgegeben. Die ersten regulatorischen Maßnahmen aus dem Aktionsplan betreffen vor allem das Wertpapiergeschäft. Ihm wird eine besondere Rolle bei der Transformation zur Nachhaltigkeit zugesprochen.

Die EU-Kommission plant, die Anforderungen an die Geeignetheitsprüfung in der Anlageberatung und Vermögensverwaltung durch eine Änderung der MiFID II-Vorgaben zu erweitern. Sparkassen müssen danach künftig in der Anlageberatung und Vermögensverwaltung auch die Nachhaltigkeitspräferenz des Kunden erfragen und prüfen.

Die Gesetzesänderungen sollten ursprünglich bereits im ersten Halbjahr 2019 finalisiert werden. Aufgrund von Verzögerungen im Gesetzgebungsverfahren liegen die finalen Vorgaben allerdings noch nicht vor. Derzeit wird damit gerechnet, dass die Regelungen im Laufe kommenden Jahres verpflichtend anzuwenden sind.

Der DSGV hat den Gesetzgebungsprozess auf EU-Ebene von Beginn an eng begleitet und auf Basis der ursprünglichen Zeitplanungen des Gesetzgebers im Projekt „Kapitalmarktunion“ frühzeitig Umsetzungsmaßnahmen angestoßen.

Wesentliche Neuerungen

1. Verbändekonzept
Unter Federführung des DSGV ist ein gemeinsames Konzept der in der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) zusammengeschlossenen Verbände, dem BVI und dem DDV zu den Ausprägungen der Nachhaltigkeit für Wertpapiere entwickelt worden. Mit diesem nationalen Branchenstandard werden die Hersteller ihre Wertpapierprodukte nach einheitlichen Kriterien zur Nachhaltigkeit klassifizieren.

Der Standard ermöglicht den Produktherstellern einheitliche Datenlieferungen und den Vertriebsstellen automatisierte Prüfprozesse im Wertpapiergeschäft. Er ist ein wichtiger Eckpfeiler für die Umsetzung der Nachhaltigkeit im deutschen Markt, da derzeit noch keine verbindliche Definition der Nachhaltigkeit und Vorgaben für Produktklassifizierungen vorliegen.

2. Umsetzung zu OSPlus-Release 20.0
In einem ersten Schritt werden die Beratungsanwendungen zu OSPlus-Release 20.0 dahingehend erweitert, dass die Kunden auch gefragt werden können, ob bei der Produktempfehlung nachhaltige Anlagen berücksichtigt werden sollen. Folgende Beratungsanwendungen/Prozesse der Finanz Informatik sind betroffen (OSPlus-Neo):

  • WpHG-Stammdaten
  • Wertpapierberatung
  • Beratungsprozess Anlageberatung
  • Anlagekonfigurator
  • Bedarfsgerechte Wertpapierkompetenz.

Die Verbundpartner werden ihre Produkte (Fonds/Kooperationsfonds und Eigenemissionen der Landesbanken/DekaBank) entsprechend kennzeichnen, sodass die Sparkassen im Beratungsprozess wissen, ob ein Produkt nachhaltig ist oder nicht.

Auf dieser Basis erfolgt eine technische Prüfung von Kundenpräferenz und Produktausgestaltung, über deren Ergebnis die Berater mit der bewährten Logik informiert werden. Das Ergebnis wird in die Geeignetheitserklärung übernommen, wobei Abweichungen von Kundenpräferenz und Produktausgestaltung zu begründen sind.

Die Nutzung der Abfrage und Prüfung wird für die Sparkassen über einen Institutsschalter administrierbar sein. Die Häuser können somit entscheiden, ob sie die Anwendung bereits zu OSPlus-Release 20.0 oder erst später nutzen, wenn sie etwa noch mehr Zeit für die Vorbereitung auf das Thema Nachhaltigkeit benötigen.

Damit den Kunden mit Nachhaltigkeitspräferenzen auch nachhaltige Produkte empfohlen werden können, sollten die Sparkassen bei der Produktfreigabe im Produktausschuss dafür Sorge tragen, dass genügend als nachhaltig deklarierte Produkte in den jeweiligen Produktkörben oder Empfehlungslisten vorhanden sind.

3. Unterstützungsleistungen
Im DSGV-Projekt „Kapitalmarktunion“ sind umfangreiche Hilfsmittel für die Sparkassen-Finanzgruppe entwickelt worden:

  • Unter Beteiligung von Sparkassen, Regionalverbänden, DekaBank/Landesbanken und allen relevanten Verbundunternehmen (u. a. Finanz Informatik, Dwpbank) ist der Leitfaden „Nachhaltigkeit (ESG) im Wertpapiergeschäft“, Version 0.5 erarbeitet und Ende Januar 2020 veröffentlicht worden. Die Folgeversion ist am 13. März 2020 erschienen.
  • Ende Februar 2020 ist ein Beraterleitfaden (FAQ) veröffentlicht worden.
  • Weitere Informationen wie ein Flyer zur Kundeninformation „Nachhaltigkeit in der Beratung“ werden zeitnah zur Verfügung gestellt.
  • Die Regionalverbände haben bzw. erarbeiten aktuell in enger Abstimmung untereinander und in Zusammenarbeit mit den regionalen Akademien entsprechende Schulungsunterlagen und bieten auf dieser Grundlage Beraterschulungen an.

Fazit

Für die Sparkassen-Finanzgruppe kann die frühzeitige Umsetzung des strategisch und politisch wichtigen Themas einen enormen Imagegewinn bedeuten und vertriebliche Chancen bieten. Das DSGV-Projekt Kapitalmarktunion wird die Sparkassen auch weiterhin bei der anstehenden Implementierung der erweiterten Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenz unterstützen und die aktuellen (regulatorischen) Entwicklungen begleiten.

Zuständige DSGV-Ansprechpartner: Birgit Seydel, Klemens Bautsch, Michael Pullen, Frauke Lion.


Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) unterstützt die Institute und Institutionen der Sparkassen-Finanzgruppe mit den im Rahmen der strategischen Planung gemeinsam erarbeiteten Projektergebnissen. Das zentrale Medium in der Projektlandschaft, das gezielt Informationen über geplante, laufende und abgeschlossene Projekte bereitstellt, ist der Umsetzungsbaukasten (UBK).

Unter www.umsetzungsbaukasten.de können autorisierte Nutzer neben dem Projektsteckbrief des DSGV regionale Projektinformationen aufrufen. Spätestens mit Abschluss des Projekts werden dessen Ergebnisse (zum Beispiel Konzepte, Rollout-Leitfäden [Rolf], Kommunikations- und Schulungsunterlagen des DSGV) im Umsetzungsbaukasten (Rubrik: Ergebnisse/Umsetzungshilfen) eingestellt und stehen den Nutzern dort zum Download zur Verfügung.

In den Betriebswirtschaftlichen Blättern präsentieren wir Ihnen monatlich eine Liste mit Projekten, deren Nachfrage durch die Nutzer des UBK im Vergleich zum Vormonat deutlich gestiegen ist.

27. März 2020