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Verbundlösungen
Ein rotes Sofa für jede Sparkasse
Mit der Optimierung des Roll-outs für Standardlösungen will die Sparkassen-Finanzgruppe Verbundlösungen noch schlagkräftiger und schneller in die Institute und zu den Kunden bringen. Die Initiatoren Joachim Schmalzl und Wolfgang Zender berichten über den verbindlichen neuen Prozess.

„Wir sind bei der Entwicklung von Standardlösungen gut unterwegs – alle Partner im Verbund produzieren für die Sparkassen viel Nutzenstiftendes, wie verschiedene zentrale Projekte und Initiativen zeigen“, sagt Wolfgang Zender, Geschäftsführer des Ostdeutschen Sparkassenverbands. Die Auslieferung einheitlicher Lösungen werde jedoch erschwert, weil es noch nicht durchgängig gelinge, umfassend und schnell genug mit den Lösungen vor Ort bei den Sparkassen zu sein.

„Unterschiedliche Ausgangssituationen in den Sparkassen, wie Größe, Komplexität oder der Grad der Standardisierung sind ein Grund hierfür. Auch Lösungen, die zum Teil zu mächtig und zu wenig auf die Situation der Institute abgestimmt sind, tragen dazu bei“, so Zender.

„Insgesamt sind wir im Roll-out noch zu wenig standardisiert und es gibt zu deutliche Unterschiede im Vorgehen“, ergänzt Joachim Schmalzl, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des DSGV.

 


„Wenn wir eine höhere Standardisierung erreichen wollen, müssen wir es den Sparkassen so einfach wie möglich machen.“
Joachim Schmalzl


„Wenn wir eine höhere Standardisierung erreichen wollen, müssen wir es den Sparkassen so einfach wie möglich machen“, so Schmalzl weiter. „Ein integriertes Team, bestehend aus Vertretern aus den Regionalverbänden, dem DSGV, FI, DSV und SR, hat deshalb Lösungen für ein bundesweit einheitliches, synchronisiertes und standardisiertes Vorgehen erarbeitet“, erklärt Schmalzl zum Projekthintergrund. Das Wissen von Sparkassen und der Roll-out-Partner, Roll-out-Projekt- und Teilprojektleiter wurde eingebunden.

„Der Roll-out beginnt nicht im letzten Drittel des Prozesses, sondern startet ganz zu Beginn“, erläutert Zender auf die Frage nach den zentralen Aspekten des optimierten Roll-outs. „Gemeinsam und frühzeitig“ seien wesentliche Faktoren. Eine enge und synchronisierte Zusammenarbeit spiele gerade bei bankfachlichen und technischen Rollouts eine entscheidende Rolle.

„Alle gemeinsam an einem Tisch – von Beginn an. Klarheit und Verbindlichkeit unter allen RO-Partnern, ein orchestriertes gemeinsames Vorgehen, jedoch“ – und das heben Schmalzl und Zender gemeinsam klar hervor – „unter Wahrung der jeweiligen Governances.“ 

Standardlösungen können passgenau sein

Was sind also die zentralen Punkte des optimierten Roll-outs? Gemeinsam arbeiten DSGV-Projektleiter, Teilprojektleiter Roll-out sowie alle Roll-out-Partner, beispielsweise FI und DSV, von Beginn an daran, die Auslieferung erfolgreich zu gestalten – und garantieren dadurch nicht nur eine einheitliche Lösung, sondern auch einen standardisierten Roll-out. „Sparkassen können sich nun auf eine passgenaue Lieferung von Standardlösungen verlassen“, so Zender. „Standards sind geballtes Wissen und die Institute verlangen es beim Roll-out genauso wie bei den Lösungen – alles kommt ab jetzt aus einem Guss.“

 


„Standards sind geballtes Wissen.“
Wolfgang Zender


Bei jedem Projekt werden von Anfang an Rollen und Verantwortlichkeiten in Sachen Roll-out klar definiert: Der DSGV-Projektleiter wird künftig eng mit dem Teilprojektleiter Roll-out und allen Roll-out-Partnern zusammenarbeiten. Der Teilprojektleiter Roll-out vereinbart mit dem DSGV-Projektleiter und den Roll-out-Partnern gemeinsam, welche Unterstützungsleistungen im Rahmen des Roll-outs den Sparkassen bereitgestellt werden und stellt die Synchronisation mit den Roll-out-Partnern sicher.

Diese erweiterte Zusammenarbeit bedeutet, dass jeder Projektantrag von nun an auch den Roll-out mit einbeziehen und muss. „Es ist, als ob man ein Sofa bestellt – rot, 1,5 Meter lang – und Preis, Lieferdatum und auch gleich die Lieferbedingungen festlegt“, berichtet Schmalzl. „Jede Sparkasse, die das rote Sofa bestellt, muss prüfen, ob es mit 1,5 Metern Länge durch die Tür passt.“ Nur wenn alle interessierten Institute die erforderliche Readiness aufwiesen, könnte eine echte Plug-and-play-Lösung entwickelt und ausgeliefert werden.

Um den Roll-out in der Projektphase zu testen, müssen sich alle am Projekt beteiligten Sparkassen verpflichten, den erarbeiteten Standard-Rollout auch zu nutzen. Schmalzl und Zender sehen das als zentrales neues Teil der synchronen bankfachlichen und technischen Praxisverprobung: die gesamte Pilotierung nicht nur der durch das Projekt entwickelten Lösung, sondern auch die Anwendung des gemeinsam erarbeiteten Standards. 

Vier Roll-out-Klassen

Entscheidende Struktur gewinnt die Auslieferung durch die Einstufung des Roll-out-Vorhabens in vier verschiedene Roll-out-Klassen. „Je nach Komplexität und Einführungsaufwand wird das Vorhaben als ‚zentraler Standardfall‘ und somit über den Standard-Serien-Roll-out ausgeliefert“, so Zender. „Oder am anderen Ende der Skala als ‚dezentraler Sonderfall‘ eingestuft, der bei Auslieferung der neuen Standardlösung mit einer ganzheitlichen Einzelberatung unterstützt werden muss.“

 

„Lücken müssen geschlossen werden, sodass die roten Sofas im Endeffekt garantiert durch alle Türen passen.“
Wolfgang Zender

 

Kern dieser Einstufung ist die bereits erwähnte Sparkassen-Readiness. Der Sparkassen-Readiness-Check (SRC) definiert die Aufnahmefähigkeit jeder Sparkasse, die an der Lösung interessiert ist. „Durch den SRC bekommen die Projektverantwortlichen ein genaues Bild von der Heterogenität der zu beliefernden Institute“, führt Zender aus. „Lücken müssen durch bundesweite, regionale oder lokale Maßnahmen geschlossen werden, sodass die roten Sofas im Endeffekt garantiert durch alle Türen passen.“

Es gibt zahlreiche zentral definierte Unterstützungsleistungen – sowohl im Hinblick auf die Roll-out-Unterstützung an sich als auch im Hinblick auf eine orchestrierte Kommunikation an die Sparkassen, um den Prozess möglichst reibungslos zu gestalten. Je nach Roll-out-Klasse werden verschiedene „Pakete“ zur Unterstützung angeboten. Diese und andere Projektdaten sind über die Zentrale Informationsplattform (ZIP) abrufbar. „Die ZIP ist die zentrale technische Basis für die Zusammenarbeit im Laufe eines jeden Projekts,“ erläutert Schmalzl. 

 

„Bei der Anlieferung des Sofas wird nichts fehlen und es wird garantiert durch die Tür passen, egal wie verschieden die Institute sind. So etwas gab es noch nie.“
Joachim Schmalzl

 

„Eine zentrale Ablage wie die ZIP gab es bislang nicht“, ergänzt Zender. „Die Regionalverbände können nun sehen, wo einzelne Institute stehen.“ Und die Institute könnten sich auf die sichere Auslieferung einer fertigen Lösung plus Leitfaden freuen. „Bei der Anlieferung des Sofas wird nichts fehlen, kein Fuß, keine Lehne, und es wird garantiert durch die Tür passen, egal wie verschieden die Institute sind“, zeigt sich Schmalzl begeistert. „So etwas gab es noch nie.“

„Ab dem 1. Januar 2021 ist die Anwendung dieser Ergebnisse für alle neuen DSGV-Projekte verbindlich. Bereits laufende Projekte können einzelne Komponenten – soweit sinnvoll – ebenfalls anwenden“, stellt Schmalzl heraus. „An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich für das Engagement und vorbildliche Miteinander bei allen Projektbeteiligten bedanken, bei den Verbundpartnern Finanz Informatik, Deutscher Sparkassenverlag und S Rating sowie den Regionalverbänden.“

„Das Lob gebe ich gerne zurück an den DSGV, der ebenfalls im Projekt mitwirkt. Vielen Dank für die tolle Zusammenarbeit über alle Bereiche hinweg!“, erwidert Zender.

 

 

Drei Fragen an ... Wolfgang Zender und Joachim Schmalzl

Die Sparkassen-Finanzgruppe profitiert bereits länger von Standard-Lösungen. Warum braucht sie nun den standardisierten Roll-out? 

Zender:
Weil wir bislang bei der Auslieferung von Standard-Lösungen zu dezentral vorgegangen sind. Da sich gerade die technische Ausstattung der Sparkassen teils stark unterscheidet, war es nicht immer möglich, alle Standard-Lösungen allen interessierten Instituten schnell und sicher zur Verfügung zu stellen. Das wird dank Standard-Roll-out nicht länger der Fall sein. 
 

Die Zinsen sind niedrig, die Regulierung nimmt zu, das Kundenverhalten ändert sich, neue Wettbewerber sind erschienen, und eine Pandemie... 

Schmalzl: Und jeder in der Sparkassen-Finanzgruppe weiß, was er zum Gesamterfolg beitragen kann und muss. Erfolgreich sind wir nur, wenn wir an einem Strang ziehen. So darf beim Roll-out nicht mehr der Satz gelten: ‚Das wusste ich nicht.‘ Alle Rollen im Prozess müssen voll gelebt werden. Erst wenn alle bereit sind, geht’s los. Es wird keine Lösung mehr schlecht – oder nur halbfertig – geliefert. 

Das Thema Roll-out hört sich sehr speziell an, aber beim Thema scheint es um mehr zu gehen als „nur“ Logistik.

Zender:
Genau. Es geht um die Optimierung der Fähigkeiten der gesamten Sparkassen-Finanzgruppe, um die Entwicklung und den Einsatz von nutzenstiftenden Lösungen für unsere Kunden. Beim Roll-out geht es um die Frage, wie wir den Instituten diese Lösungen schnell und effizient zur Verfügung stellen. Es ist das derzeit wichtigste Thema. 

20. Januar 2021