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Versicherer
In der Lebensparte wird es eng
Lebensversicherer sollten Kunden bei neuen Policen nur noch eine maximale Verzinsung von 0,25 Prozent versprechen. Das rät die Deutsche Aktuarvereinigung und mahnt die Politik zur Eile.

Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV), der Verband der Versicherungsmathematiker, hat vorgeschlagen, den bisher bei 0,9 Prozent liegenden Höchstrechnungszins drastisch abzusenken.

DAV-Vorstand Guido Bader, im Hauptberuf Vorstand der Stuttgarter Lebensversicherung, begründete die Empfehlung damit, dass die Zinsen am Kapitalmarkt in der Coronakrise noch einmal um 0,2 bis 0,5 Prozentpunkte gesunken seien.

Die Versicherer könnten die Verzinsung in der bisherigen Höhe mit sicheren Papieren nicht mehr garantieren: „Zudem hat die Europäische Zentralbank kürzlich angekündigt, dass sie Spielraum für weitere Zinssenkungen sieht“, sagte Bader.

Zudem raten die Versicherungsmathematiker der Assekuranz, künftig auf Garantien für den vollständigen Erhalt der gezahlten Beiträge zu verzichten. „Produkte mit einer 100-Prozent-Beitragsgarantie sind in der heutigen Negativzinswelt aktuariell nicht mehr sinnvoll“, erklärte Bader. „Sie verengen die Spielräume für eine Kapitalanlage im Sinne der Versicherten.“

Allianz kippt die 100-Prozent-Garantie

Der Marktführer Allianz hat bereits angekündigt, bei neuen Policen ab 2021 nur noch 60, 80 oder 90 Prozent der Einzahlungen zu garantieren. Andere Versicherer dürften folgen.

Die Abkehr von der 100-Prozent-Garantie würde auch eine Reform der Riester-Rente nach sich ziehen, die die Bundesregierung ohnehin plant. Dort ist der Beitragserhalt bisher noch obligatorisch.

Die Finanzaufsicht Bafin und das Bundesfinanzministerium folgen in der Regel den Empfehlungen der DAV. Die Aktuare hatten vor einem Jahr eine Senkung des Garantiezinses auf 0,5 Prozent empfohlen, zu einer Neuregelung war es aber in den Turbulenzen rund um die Coronapandemie nicht gekommen.

Politik und Aufsicht hatten aber im Frühjahr damit geliebäugelt, die maximale Verzinsung noch stärker abzusenken. Die Bafin hatte bereits klargemacht, dass sie neue Lebensversicherungsprodukte mit einer garantierten Verzinsung von 0,9 Prozent nicht mehr erlauben werde. Viele Versicherer könnten sie sich wegen der Niedrigzinsen am Kapitalmarkt schlicht nicht mehr leisten.

Aktuare drängen auf Eile

Die Aktuare drängen die Bundesregierung zu einer raschen Entscheidung. Sie müsse „unbedingt“ spätestens bis März fallen, damit sie Versicherer genügend Zeit hätten, ihre Produkte neu zu kalkulieren, forderte Bader.

Der Höchstrechnungszins hat zuletzt an Bedeutung verloren, weil immer mehr Lebensversicherer unter dem Druck der Solvency-II-Regulierung und der niedrigen Zinsen nur noch Produkte ohne oder mit geringeren Garantien anbieten.

Nach Schätzungen bietet ein Drittel der gut 80 Lebensversicherer in Deutschland Policen mit Garantiezins an. Branchenweit machen sie nach Daten des GDV aber noch fast ein Drittel des Neugeschäfts aus.

An laufenden Verträgen, für die die Lebensversicherer in der Vergangenheit zum Teil Zinsgarantien von vier Prozent ausgesprochen hatten, ändert sich durch eine Neuregelung nichts. (rtr)

2. Dezember 2020