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Wertpapiergeschäft
Mit Bonds gegen den Klimawandel
Die Berlin Hyp startet ein neues Kapitel bei der Refinanzierung. Als erste Bank weltweit emittiert sie einen „Sustainability-Linked-Bond“. Der Coupon steigt, wenn die Bank ihr selbst gesetztes Nachhaltigkeitsziel nicht erreicht.

2015 war die Berlin Hyp schon einmal Pionier. Damals emittierte sie den ersten Green Covered Bond weltweit. Dabei investieren institutionelle Anleger in Anleihen der Berlin Hyp und ermöglichen die Finanzierung von Gebäuden mit hoher Energieeffizienz.

Bei dem jetzt aufgelegten Sustainability-Linked-Bond investieren Anleger jedoch nicht mehr in „Steine und Beton“ aus dem Kreditportfolio, sondern in die Nachhaltigkeitsziele der Bank selbst. Der Clou: Verfehlt die Bank ihr selbst gesetztes Nachhaltigkeitsziel, zahlt sie Anlegern einen Aufschlag auf den Coupon.

Auf dem Klimapfad

Die Berlin Hyp bekennt sich zu den UN-Klimazielen und strebt im Einklang mit dem „Klimapfad“ der Bundesregierung eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 40 Prozent in ihrem Kreditbuch zwischen 2020 und 2030 an.

Ihre Nachhaltigkeitsagenda richtet sich zwar an sozialen, ökologischen und Governance-Aspekten aus. Dennoch ist der CO2-Fußabdruck eine ganz zentrale Messgröße für ihr Handeln und damit auch für den Sustainability-Linked-Bond. Denn Gebäude sind weltweit für ein Drittel der CO2-Emissionen verantwortlich und spielen daher bei der Erreichung der Pariser Klimaziele eine besondere Rolle.

Portfolio durchleuchtet

In den letzten Monaten hat die Berlin Hyp daher begonnen, für Tausende in ihrem Darlehensbestand befindliche Immobilien noch fehlende Energiewerte und vor allem den CO2-Verbrauch zu ermitteln. Die Werte lassen sich anhand des Baujahrs und des Gebäudetyps sowie weiterer Angaben hochrechnen.

Auf dieser Grundlage sind eine Datenbasis und ein Framework entstanden, die den strengen Kriterien des internationalen Standards „ICMA Sustainability-Linked Bonds Principles“ und der ESG-Rating-Agenturen genügen. So konnte das noch sehr junge Kapitalmarktinstrument jetzt gefüllt werden.

Klare Zwischenziele

Die Möglichkeit des „Straf-Coupons“ macht es für die Bank selbst wirtschaftlich attraktiv, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Die Zielerreichung wird jährlich an Zwischenzielen gemessen.

Bis 2025 soll die CO2-Intensität des Darlehensportfolios um 14 Prozent, bis 2028 um 27 Prozent und bis 2030 dann um 40 Prozent gegenüber dem Ausgangsjahr 2020 reduziert werden. Dazu wird immer die Prüfung und das Zertifikat beispielsweise einer Nachhaltigkeits-Rating-Agentur eingeholt.

CO2-Emissionen transparent machen: Bodo Winkler-Viti.

„Das Commitment zum Pariser Klimaabkommen im letzten Jahr konnte für uns nur der erste Schritt sein, dem wir im Anschluss zügig Taten folgen lassen wollten. Der Sustainability-Linked-Bond verknüpft unsere Nachhaltigkeitsambitionen mit unserer Refinanzierung und unserem Kerngeschäft“, so Bodo Winkler-Viti, Head of Funding & Investor Relations der Berlin Hyp. „Das schafft Transparenz in Bezug auf die CO2-Emissionen der von uns finanzierten Gebäude.“

Von Innovationen profitieren

Die selbst gesetzten Ziele hält die Berlin Hyp für ehrgeizig, aber machbar. Auch drei externe Effekte könnten dazu beitragen, dass sie den CO2-Fußabdruck ihres Portfolios weiter zurückführen kann.

Zum einen erwartet die Bank viele gesetzliche Vorgaben, die dann auch neue ingenieurtechnische Lösungen im Gebäudebereich fördern. Zweitens erwartet die Berlin Hyp eine steigende Zahl von Sanierungsprojekten im Gebäudebereich – dafür plant sie, in Zukunft auch besondere „Transformationskredite“ bereitzustellen. Drittens trägt die Energiewende dazu bei, dass die bezogene Energie der Gebäude weniger CO2-intensiv wird.

Eins ist aber schon jetzt klar: Mit der Emission eines Sustainability-Linked-Bonds liefert der Verbundspezialist der Sparkassen erneut Finanzinnovationen „made by Sparkassen-Finanzgruppe“ und unterstützt das gemeinschaftliche Vorhaben, CO2-neutral zu werden.

 

Mehr zum Thema auf der Webseite der Berlin Hyp und im Erklärvideo.

Anke Bunz
– 14. April 2021