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Bankenmarkt Spanien
Fusion unter Dach und Fach
Nach den Hauptaktionären haben auch die Gremien von Bankia und Caixabank einem Zusammenschluss zugestimmt. Die neue Caixabank hat 6300 Filialen und mehr als 50.000 Mitarbeiter.

Die Caixabank mit Sitz in Valencia hatte die spanische Börse schon im Vorfeld informiert. Jetzt ist eine Fusion von Caixabank und Bankia beschlossene Sache. Das fusionierte Institut werde das größte des Landes mit einer Marktkapitalisierung von gut 16 Milliarden Euro, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Die Verwaltungsräte beider Institute gaben jetzt laut Reuters grünes Licht für den Zusammenschluss, wie Bankia und Caixabank am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten.

„Die Fusion wird es uns ermöglichen, den Herausforderungen der nächsten zehn Jahre mit größerer Finanzkraft und Rentabilität zu begegnen“, sagte Caixabank-Chef Gonzalo Gortázar, der das fusionierte Institut künftig leiten soll. Branchenexperten rechnen damit, dass dies der Auftakt ist für eine weitere Konsolidierung in der Branche sein wird.

Das neu entstehende Institut soll unter dem Namen Caixabank geführt werden und künftig mehr als 20 Millionen Kunden in Spanien betreuen. Damit ist es das größte heimische Geldhaus mit 6300 Zweigstellen und mehr als 50.000 Mitarbeitern. Die Rivalen Santander und BBVA sind für sich genommen wegen ihres umfangreichen Auslandsgeschäfts jedoch größer.

Geplante Einsparungen von 770 Millionen Euro

Wie viele Jobs nun wegfallen, ist noch nicht klar. Die Gespräche mit den Gewerkschaften sollen demnächst beginnen. Die Häuser versprechen sich auf die nächsten drei Jahre gesehen Einsparungen von jährlich rund 770 Millionen Euro. Gemeinsam kommen sie auf einen Börsenwert von knapp 17 Milliarden Euro.

Die Transaktion wird komplett über Aktien abgewickelt. Die staatseigene Bankia wird dadurch mit 4,3 Milliarden Euro bewertet. Bankia musste in der spanischen Immobilienkrise mit Milliardenhilfen des Staats vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Dieser hielt zuletzt 62 Prozent. Am fusionierten Institut ist die Regierung mit 16,1 Prozent beteiligt.

Im November sollen die Aktionäre beider Banken auf Hauptversammlungen den Deal absegnen, auch die Kartellbehörden müssen noch zustimmen. Ein Abschluss der Transaktion ist für Anfang 2021 geplant.

Fehlender Schutz des Regionalprinzips

Im Ursprung sind beide Institute von Stiftungen getragene Sparkassen. Vor der Finanzkrise waren rund 45 Institute am Markt aktiv, oft mit sich überlappenden Geschäftsgebieten. Das Regionalprinzip war aufgegeben worden. Das führte vor allem nach dem Boom der 1990er-Jahre dazu, dass bei steigenden Risiken die Marktkenntnis fehlte – ganz anders als bei den deutschen Sparkassen, die sich geschäftlich nur dort bewegen, wo sie zu Hause sind.

Als dann der Immobilienboom im Zuge der Finanzkrise platzte, riss es viele zum Teil schwach kapitalisierte Sparkassen mit. Ihnen fehlte nicht nur der Schutz des Regionalprinzips – sondern auch der disziplinierende Effekt eines gemeinschaftlichen Sicherungssystems.

Neustart nach der Finanzkrise

Ab 2013 hat sich der spanische Sparkassenmarkt erholt. Die Grundlage dafür bildete ein neues Rahmengesetz, das die Governance neu sortierte: Die Bankgeschäfte wurden von den Trägerstiftungen klar getrennt und eine Rückbesinnung auf regionale Verankerung fixiert.

Die Caixabank ist heute die größte Original-Sparkasse Spaniens. Ihr Heimatmarkt ist Katalonien. Trotz ihrer Größe ist die Geschäftspolitik der Caixabank noch stark auf die ursprüngliche Sparkassenidee ausgerichtet: retail, regional, responsible – also verantwortlich zu handeln und die Breite der Bevölkerung und der Unternehmen anzusprechen.

Für Innovationskraft ausgezeichnet

In den vergangenen Jahren war das Institut mehrfach für seine Innovationskraft vor allem im Zahlungsverkehr ausgezeichnet worden. Die Stiftung der Caixabank investiert hohe Beträge in soziale Vorhaben – aktuell etwa in die biomedizinische Forschung.

 

Die heute größte „Original-Sparkasse“ Spaniens: die Caixabank.

 

Die Bankia ist ein in der Finanzkrise geschmiedeter Zusammenschluss aus vormals sieben Instituten. Sie musste 2009/2010 mit Milliardenhilfen des Staats vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. In der Hochphase der Krise musste Spanien sogar einen EU-Rettungsschirm in Höhe von 100 Milliarden Euro nutzen. Rund 40 Milliarden Euro wurden eingesetzt, um die Bankia zu stabilisieren.

2019 verkündete die Bankia ihr „erfolgreichstes Vertriebsergebnis seit Bestehen“. Der spanische Staat ist aber immer noch mit 60 Prozent beteiligt. Bis Ende 2021 muss Spanien seine Anteile wieder veräußern.

Deutsch-spanische Partnerschaft

Die deutschen Sparkassen hatten insbesondere in den 80er- und 90er-Jahren enge geschäftliche Kontakte zu den spanischen Schwesterinstituten. Damals gab es den Sepa-Raum noch nicht. Viele Zahlungsvorgänge, aber auch die Immobilienwünsche von Privatkunden im Urlaubsland Spanien brauchten die handwerkliche Unterstützung der hiesigen wie der dortigen Sparkassen.

Heute wird diese Partnerschaft im Geschäftlichen über das Netzwerk des S-CountryDesk fortgesetzt. In der Europäischen Sparkassenvereinigung vertreten die deutschen und spanischen Institute gemeinsam ihre Interessen gegenüber dem europäischen Gesetzgeber.

Rückhalt der Regierung

Aus dem spanischen Wirtschaftsministerium verlautete schon vor Wochen, der Rettungsfonds FROB werde Vorschläge der beiden Geldhäuser auf ihre Erfolgsaussichten prüfen. Die Stabilität des Finanzsektors müsse gestärkt und maximaler Gewinn aus dem Anteil herausgeholt werden, hieß es.

 

Ein während der Finanzkrise geschmiedeter Zusammenschluss von vormals sieben Instituten: die Bankia.

 

Bankwerte Europas im Aufwind

Auch die Börse reagierte sofort. Die Aktien von Bankia schnellten nach Bekanntwerden der Pläne um ein Drittel nach oben, die des Fusionspartners Caixabank gewannen 13,6 Prozent. Auch andere europäische Bankenwerte waren im Aufwind.

Seit der Finanzkrise ist die Zahl der Banken in Spanien insgesamt stark geschrumpft. Rückstellungen für die Coronakrise und die anhaltend tiefen Leitzinsen in der Eurozone setzen die Geldhäuser jedoch weiter unter Druck, sich zu konsolidieren, um Kosten zu senken.

Die Konkurrenten Santander und BBVA sind für sich genommen wegen ihres umfangreichen Auslandsgeschäfts zwar größer. Der Zusammenschluss von Bankia und Caixabank lässt jedoch die größte Bank Spaniens entstehen – und zwar eine mit Sparkassenwurzeln.

Informationen zu Sparkassen in anderen europäischen Ländern sind auch hier auf der Webseite des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands zu finden.

Anke Bunz
– 18. September 2020