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Edelmetall
Goldmarkt in turbulenten Zeiten
Goldanlagen sind derzeit sehr gefragt. Sparkassenberater sollten die Motive ihrer Kunden kennen und die passende Form empfehlen können.

Folgende Ereignisse bestimmten in letzter Zeit Marktentwicklungen und den Goldpreis:

  • Die Nervosität als Auswirkung der Coronakrise führte zu erheblichen Kursbewegungen nach oben und unten.
     
  • Die insgesamt hohe Nachfrage spiegelt sich im Interesse an Xetra-Gold.
     
  • Beim Kauf von physischem Gold verlangen die Händler beträchtliche Aufgelder.
     
  • Sparpläne für den regelmäßigen Golderwerb haben Zulauf.
     
  • Der Gesetzgeber senkte die Obergrenze für den anonymen Kauf von Edelmetallen.

Kräftige Veränderungen des Goldpreises nach unten und oben sind aufgrund von markanten Entwicklungen in der weltpolitischen Gemengelage und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht ungewöhnlich. Derzeit sehen viele Goldkäufer in dem Edelmetall die Krisenwährung für die Folgen der Corona-Epidemie, denn es droht die schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte.

Allein der Blick auf die letzten 20 Jahre zeigt die markanten Bewegungen am Goldmarkt: Der Preis je Feinunze hat sich von der Jahrtausendwende bis heute etwa verfünffacht. Seinen Spitzenpreis erreichte er im Jahr 2012, als Preise um die 1900 US-Dollar pro Feinunze gezahlt wurden. Der derzeitige Preis von 1770 US-Dollar liegt also etwa sechs Prozent unter diesem Höchstwert.

Der Goldpreis ist zuletzt gestiegen, liegt aber noch immer etwa sechs Prozent unter dem Höchstwert von 2008, als die Feinunze 1900 Dollar kostete.

Was den Goldpreis beeinflusst

Die Handelskonflikte zwischen den USA, China, Russland und der EU sorgen für Unruhe an den Finanzmärkten. Hinzu kommen die unklaren Konsequenzen des Brexit, bei dem derzeit völlig undurchsichtig ist, welche Entwicklung er nehmen wird.

Eine der Folgen dieser politischen Großwetterlage ist die stärkere Nachfrage nach Gold als dem vermeintlich sicheren Hafen. Ein weiteres gewichtiges Argument für Gold ist die Tatsache, dass sich die Zinsen weltweit auf niedrigstem Niveau bewegen, und dass dies wohl auch auf absehbare Zeit so bleiben wird.

Nachfragetreibend ist zudem, dass einige Zentralbanken markant als Käufer auftreten; insbesondere sind es die Institute in China, Indien, Russland und der Türkei. Die Notenbanken wollen vermutlich ihre Währungsreserven diversifizieren, um weniger vom US-Dollar abhängig zu sein.

Welche Anlageformen wie genutzt werden

Generell gilt Gold seit Jahrtausenden als wertbeständige Anlage in Krisenzeiten und als Schutz vor Groß- oder Totalverlusten anderer Investments. Wen derartige Befürchtungen plagen, der sollte einen Teil seines Vermögens in Gold investieren. Weil Gold weder Zinsen noch Dividenden liefert und aufgrund der großen Preisschwankungen eignet es sich jedoch nur bedingt zur Risikostreuung.

Unabhängig davon, ob in Barren, Münzen oder goldpreisabhängige Wertpapiere investiert wird, die Goldanlage ist stark mit Emotionen verbunden. Im Vordergrund stehen dabei seit Jahrtausenden die sogenannten vier Bs: Gold ist begehrt, begrenzt, beweglich und beständig.

Als „Fünftes B“ ist in Deutschland hinzugekommen: Befreit von der Mehrwertsteuer. Aus steuerlicher Sicht gibt es die weitere Besonderheit, dass die Besteuerung von Gewinnen aus dem Verkauf von Barren und Münzen entfällt, wenn zwischen Kauf und Verkauf mehr als ein Jahr liegt.

Stark vereinfacht ausgedrückt folgen Goldkäufer lediglich wenigen Kaufmotiven:

  • Ängstliche wollen Sicherheit und kaufen deshalb Münzen oder Barren und horten sie zu Hause oder im Schließfach.
     
  • Investoren rechnen mit Preissteigerungen und investieren in Aktien von Minenwerten und in entsprechende Fonds oder in Zertifikate wie zum Beispiel Xetra-Gold.
     
  • Sparer bevorzugen Sparpläne, die auf Goldinvestments beruhen.
     
  • Ästheten wissen vor allem edle Uhren und werthaltige Schmuckstücke zu schätzen.

Besonderheiten von Goldmünzen und -barren

Seit Beginn der Coronakrise berichten viele Goldhandelshäuser von Schwierigkeiten, Ware beschaffen zu können. Die Folge sind große Spreads zwischen den An- und Verkaufspreisen. Für gängige Münzen, wie den „Krügerrand“, die „Wiener Philharmoniker“ und den „American Eagle" beträgt die Preisspanne zwischen An- und Verkauf, je nach Anbieter, zwischen 30 und 50 Prozent.

Beim Kauf von Goldbarren steigen die Preise umso mehr, je kleiner die Barren sind. Xetra-Gold wird beispielsweise in Barren zu 12,5 Kilogramm aufbewahrt; andere Handelshäuser verwahren das Gold typischerweise in Zehnkilobarren.

Käufer bevorzugen dagegen den Kauf von deutlich kleineren Gewichten, von einem Kilo abwärts. Das Umformen in kleinere Barren und den Transport lassen sich die Anbieter bezahlen. Dies führt zu teils horrenden Kosten bei den Käufern; je kleiner der Barren, desto höher der Preis pro Gramm.

Gold-ETC: Die einfache und preiswerte Variante

Gold-ETFs, die mit einem Sondervermögen hinterlegt sind, sind in Deutschland nicht erlaubt. Die rechtlichen Rahmenbedingungen durch die UCITS-Richtlinien lassen dies hierzulande nicht zu. Eine echte Alternative stellen jedoch die sogenannten Exchange Traded Commodities (ETCs) dar, also Gold in Form von börsengehandelten Rohstoffen.

In Deutschland bieten verschiedene Emittenten derartige ETCs an; Xetra-Gold (DE000A0SGB0) ist wohl der bekannteste unter ihnen. Das Wertpapier wird in Form einer Inhaberschuldverschreibung am Handelsplatz Xetra in Euro gehandelt.

Xetra-Gold wurde Ende Dezember 2007 von der Deutsche Börse Commodities GmbH auf den Markt gebracht. Für jeden Anteilschein ist ein Gramm Feingold hinterlegt. Als weitere Gold-ETCs seien beispielhaft genannt:

  • Wisdomtree Physical Gold (DE000A0N62G0);
     
  • Xtrackers Physical Gold ETC (DE000A1E0HR8);
     
  • EUWAX Gold (DE000EWG0LD1).

Für Anleger ist wichtig, die Anbieter hinsichtlich der Kosten, der Art der Besicherung und der Möglichkeit der Barren-Auslieferung zu bewerten.

Besonderheit von Xetra-Gold

Bei Xetra-Gold handelt es sich formal sozusagen um Buchgold, denn der Käufer erwirbt kein Eigentum an Gold, sondern lediglich einen Lieferanspruch. Das physische Gold wird im Tresor der Clearstream International S.A., einer Tochtergesellschaft der Deutschen Börse, verwahrt.

Die erhöhte Nachfrage hat zur Folge, dass derzeit so viel Gold wie noch nie in den Tresoren der Deutschen Börse lagert; der Gegenwert beträgt rund zehn Milliarden Euro. Eine mögliche physische Auslieferung von Xetra-Gold muss über depotführende Institute erfolgen, was wiederum über eine reine Online-Bank logischerweise nicht möglich ist.

Die bei einer Auslieferung anfallenden Kosten sind institutsspezifisch geregelt. Die Auslieferung ist grundsätzlich schon ab einem Gramm möglich. Dabei sollten Anleger jedoch von Kleinstmengen aufgrund der aufwendigen Abwicklung und des damit verbundenen Kostenblocks absehen.

Kosten differieren nach Geldinstitut

Die anfallenden Kosten beim Kauf oder Verkauf differieren je nach Institut; gleiches gilt für die Depotverwahrung. Hinsichtlich der Besteuerung herrscht zwischenzeitlich Klarheit. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat im Mai 2015 endgültig entschieden, dass der Veräußerungsgewinn bei Xetra-Gold-Anteilsscheinen nicht der Abgeltungssteuer unterliegt.

Xetra-Gold wird steuerlich genau wie physisches Gold behandelt. Einzige Einschränkung: Wird Xetra-Gold vor Ablauf eines Jahres nach Ankauf wiederverkauft, muss ein dabei entstandener Gewinn versteuert werden.

Doch wie sieht es bei der Wandlung der Anteilscheine in Goldbarren aus? Auch hier können Gewinne entstehen, wenn der Goldpreis seit Kauf der Schuldverschreibung zugelegt hat. Der BFH hat im Februar 2018 geurteilt, dass die Umwandlung von Xetra-Gold-Anteilscheinen in physisches Gold keine Veräußerung darstellt und folglich auch zu keiner Steuerzahlung führt; selbst dann nicht, wenn die Auslieferung innerhalb von zwölf Monaten nach Erwerb der Anleihen erfolgt.

Sparpläne bieten viele Vorteile

Als beliebte Variante zur Einmalanlage haben sich mittlerweile Sparpläne etabliert. Offeriert werden sie entweder in Form von ETC-Sparplänen oder in Form des regelmäßigen Erwerbs von Barrengold. ETC-Sparplan-Anbieter sind in aller Regel Direktbanken.

In der Sparkassen-Finanzgruppe haben etwa der S Broker und die 1822direkt entsprechende Angebote. Durch den regelmäßigen Erwerb kommt zum einen der hinlänglich bekannte „Cost-Average-Effekt“ zum Tragen, zum anderen handelt es sich im Vergleich zum Sparen in Form von physischem Gold um die eher kostengünstigere Form.

Die Transaktionskosten und Mindestsparraten der Finanzinstitute differieren dabei – zum Teil sogar beträchtlich. Für den Kauf kompletter Goldbarren, und seien sie noch so klein, ist vergleichsweise viel Geld auf den Tisch zu legen. Die kostengünstigere Form ist der Kauf eines Bruchteils eines Barrens.

Einschlägige Handelshäuser bieten einen derartigen Bruchteilserwerb an; sie verlangen dabei in der Regel Sparraten von mindestens 25 oder 50 Euro. Extrem unterschiedlich sind bei den einzelnen Anbietern die Aufschläge auf den reinen Goldpreis und alle sonstigen Kosten. Der Gesamtbestand des auf diese Art erworbenen Goldes ist physisch hinterlegt.

Die Anbieter derartiger Sparpläne sind etwa Aureus, Degussa Goldhandel, Gran Valora, Sutor Bank und die in den Medien oftmals genannte Sparkasse Pforzheim Calw. Anleger sollten bei der Auswahl des passenden Anbieters spezielle Merkmale beachten:

  • Auf welche Weise wird der Preis ermittelt?
     
  • Wird das Gold auf den Namen des Käufers eingelagert?
     
  • Wo wird das Gold gelagert, um vor möglichen Zugriffen geschützt zu sein?
     
  • Wie hoch ist das Aufgeld beim Kauf?
     
  • Was kostet die Auslieferung des Goldes?

Goldhandel und Geldwäsche

Durch den Beschluss des Bundesrats vom 29. November 2019 wird der anonyme Kauf von Edelmetallen gegen Barzahlung erschwert. Seit dem 1. Januar 2020 gilt statt der vorherigen Höchstgrenze von 10.000 Euro nun die Grenze von 2000 Euro. Der Bundesrat regte aber erneut an, den Schwellenwert auf 1000 Euro zu senken und weist auf die angeblich sehr hohe Geldwäscheanfälligkeit des Goldhandels hin, jedenfalls soweit Goldprodukte in bar bezahlt würden.

Die Folge des Beschlusses war, dass sich im Dezember 2019 vor vielen Goldhandelshäusern Menschentrauben bildeten. Käufer wollten die höheren Grenzen noch vor dem Inkrafttreten des Gesetzes für ihre sogenannten Tafelgeschäfte nutzen. Die einschlägigen Bilder gingen mehrfach durch die Medien und machten vielen Bürgern erstmals die gesamte Problematik klar.

Wie sich eine Sparkasse zum Thema Gold stellt, ist sehr unterschiedlich. Wie weit kann und soll die Beratung der Kunden gehen? Die Beziehung zu diesem so herrlich glänzenden Edelmetall ist seit Menschengedenken eine emotionale Angelegenheit und mit den sachlich geprägten Risikoprofilen und Musterportfolien in den Sparkassen nur schwer in Einklang zu bringen. Hier ist Individualität gefragt.

Anleger sollten sich in jedem Fall über spezifische Eigenheiten der Goldanlage bewusst sein:

  • Gold gilt gemeinhin als Absicherung vor politischen oder finanziellen Crashs und derzeit auch als Krisenwährung.
     
  • Die bekanntesten Goldpreise werden in US-Dollar notiert und enthalten somit Währungschancen und -risiken.
     
  • Die Goldreserven sind begrenzt; das Edelmetall behält vermutlich immer einen gewissen Sachwert.

Der Beitrag von Autor Klaus Küsgen ist in der Juliausgabe der Zeitschrift „Privatkundenberatung“ erschienen.

Klaus Küsgen
– 1. Juli 2020