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Jahresprognose 2021
Ein bisschen Normalität ...
Corona wird auch weite Teile des Jahres 2021 prägen. Dennoch blickt Prof. Carsten Wesselmann, Chefvolkswirt der Kreissparkasse Köln, zuversichtlich ins neue Jahr.

Ein bisschen Normalität – dieser Wunsch stand wohl bei vielen Bürgerinnen und Bürgern ganz oben auf dem Weihnachtswunschzettel, verbunden mit der Hoffnung, dass der Corona-Virus das Alltagsgeschehen zukünftig weniger dominiert. Die Nachrichten von der Impfstofffront wecken berechtigte Hoffnungen, dass wir uns im Jahresverlauf zumindest ein Stück in Richtung Normalität bewegen.

Aber man sollte sich keiner Illusion hingeben: Von heute auf morgen wird die Pandemie nicht verschwinden. Wir werden noch einige Zeit mit dem Virus leben müssen. AHA - Abstand wahren, auf Hygiene achten und – da wo es eng wird – eine Alltagsmaske tragen wird uns vorerst weiter begleiten.

Carsten Wesselmann
"Die Inflation ist nicht tot, sie hat sich in den letzten Jahren nur sehr zurückgehalten", so Prof. Carsten Wesselmann.

Das Wirtschaftsgeschehen wird demnach auch 2021 über weite Teile von der Pandemie geprägt sein. Bis ins Frühjahr hinein dürften weiterhin Lockdowns in unterschiedlicher Ausprägung in verschiedenen Teil der Welt das wirtschaftliche Leben dämpfen. Die weitere Entwicklung der Wirtschaft im Jahresverlauf 2021 hängt maßgeblich davon ab, wann und wie die einzelnen Länder nach der Stilllegung von Teilen des öffentlichen Lebens aus den Lockdown-Maßnahmen wieder herauskommen, ohne dass sich die Pandemie erneut ausbreitet.

Gelingt eine nachhaltige Eindämmung der Infektionszahlen und können die Lockdown-Regelungen zeitnah wieder aufgegeben werden, deutet sich für die Weltwirtschaft ab dem späten Frühjahr ein dynamischer Aufholprozess ab, der mindestens über das gesamte Jahr 2021 anhält.

Erst der Export, dann der private Konsum

Die Belebung der Weltwirtschaft begünstigt die Wachstumsperspektiven der exportabhängigen deutschen Wirtschaft. Unter der Voraussetzung, dass mit dem Impfstoff die Pandemie beherrschbar wird, ist damit die Basis für einen dynamischen Restart der deutschen Wirtschaft 2021 gelegt. Abgesehen von dem wieder an Fahrt gewinnenden Exportgeschäft sollten auch die Bremsen beim privaten Konsum sukzessive gelöst werden.

Trotz eines eher durchwachsenen Arbeitsmarktausblicks für das Jahr 2021 dürften die weiterstark expansive Geldpolitik, die anhaltenden staatlichen Unterstützungsmaßnahmen und eine Normalisierung der Sparquote förderlich auf den privaten Konsum wirken.

Bei der Investitionstätigkeit der Unternehmen sollte sich die Wegstrecke des Erholungsprozesses als steinig erweisen. Zwar dürften angesichts der zu erwartenden global besseren Stimmungslage die Ausrüstungsinvestitionen 2021 kräftig anziehen, der Anstieg relativiert sich jedoch vor dem Hintergrund des deutlichen Einbruchs im Jahr zuvor.

Alles in allem deutet sich für 2021 für die deutsche Volkswirtschaft ein Wirtschaftswachstum von etwas mehr als vier Prozent nach einem Wachstumseinbruch um fast 5,5 Prozent im Vorjahr an. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass das Corona-Virus zunehmend seinen Schrecken verliert.

Zins bleibt weiter niedrig

In diesem Umfeld dürften die Notenbanken an ihrer Niedrigzinspolitik festhalten. Aus „low for longer“ wird zunehmend „low for ‚noch‘ longer“ und manch einer denkt sogar über „low forever“ nach. Auch ich gehe davon aus, dass das Renditeniveau deutscher Staatspapiere noch geraume Zeit über weite Teile der Renditestrukturkurve im negativen Terrain verweilen wird.

Die These von ewig niedrigen Renditen teile ich jedoch nicht. Zum einen gehen aktuell Geld- und Fiskalpolitik Hand in Hand. Die Staatsschulden werden somit monetarisiert. Zumindest in der längeren Frist werden dadurch steigende Inflationsraten begünstigt.

Hinzu kommt, dass die Globalisierung ihren Zenit überschritten hat. Gerade diese war aber ein entscheidender Faktor, der die Inflation in den vergangenen Jahren so niedrig gehalten hat.

Die Inflation ist nicht tot, sie hat sich in den letzten Jahren nur sehr zurückgehalten. Anleger sollten ihren Vermögensmix daher breiter auch auf Aktien- und Immobilienfonds aufstellen.

Prof. Carsten Wesselmann
– 23. Dezember 2020