Zurück
Konjunkturprognose
Erholung nur mit Impfkampagne
Die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe blicken optimistisch auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland und Europa. Allerdings sei der Erfolg der Impfkampagne auch für die Wirtschaft entscheidend.

Was derzeit die Konjunktur bremst und womit die Ökonomen rechnen erläutern Nord/LB-Chefvolkswirt Christian Lips und DSGV-Präsident Helmut Schleweis. Noch bremse der Lockdown zwar die Konjunktur, daher komme der erwartete Aufschwung noch nicht im ersten Quartal 2021.

Dennoch rechnen die Ökonomen aus Sparkassen, Landesbanken und der DekaBank mit einer Erholung der deutschen Wirtschaft: Im Jahr 2021 werde das Wirtschaftswachstum bei 3,5 Prozent liegen, im Jahr 2022 bei 3,1 Prozent.

Erholungsperspektive bleibt intakt

„Wenn durch die jetzigen Lockdown-Maßnahmen die Pandemie für die Gesundheitsbehörden wieder beherrschbar wird, werden die Investitionen und der Konsum schnell wieder anspringen. Die wirtschaftliche Erholung ist durch die aktuellen Maßnahmen nur unterbrochen und nach hinten verschoben. Die Erholungsperspektive an sich bleibt intakt“, sagte DSGV-Präsident Helmut Schleweis bei der Vorstellung der Konjunkturprognose.

 


„Wenn durch die jetzigen Lockdown-Maßnahmen die Pandemie für die Gesundheitsbehörden wieder beherrschbar wird, werden die Investitionen und der Konsum schnell wieder anspringen."

Helmut Schleweis, DSGV-Präsident


Die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe stimmt insbesondere optimistisch, dass die Auswirkungen der zweiten Infektionswelle und der Eindämmungsmaßnahmen bislang deutlich geringer ausfallen als während des ersten Lockdowns. Zwar seien einzelne Bereiche der Wirtschaft – der Dienstleistungssektor, das Hotellerie- und Gastgewerbe sowie der stationäre Einzelhandel stark betroffen.

Auslandsnachfrage und Konsum stützen die Konjunktur

Der Anteil dieser direkt betroffenen Betriebe an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung sei jedoch vergleichsweise gering, die fortgesetzte Erholung in der Industrie und auch eine zumindest bis Ende November sehr robuste Entwicklung im Einzelhandel könne deren Einbußen gesamtwirtschaftlich weitgehend kompensieren. 

Störungen der Lieferketten blieben im jüngsten Lockdown im Gegensatz zur ersten Pandemiewelle weitgehend aus, so dass vielerorts weiter produziert werden konnte.

Auch die Auslandsnachfrage habe die deutsche Wirtschaft spürbar gestützt. Zudem werde nach Einschätzung der Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe der private Konsum eine wesentliche Stütze für die Konjunkturerholung im laufenden und im kommenden Jahr.

 


„Noch sind Sparpläne der Verbraucher so ausgeprägt wie zuletzt direkt nach den Anschlägen auf das World Trade Center 2001. Der Hauptgrund dafür sind allerdings weggefallene Konsummöglichkeiten."
Christian Lips


„Noch sind Sparpläne der Verbraucher so ausgeprägt wie zuletzt direkt nach den Anschlägen auf das World Trade Center 2001. Der Hauptgrund dafür sind allerdings weggefallene Konsummöglichkeiten", sagt Lips. Die Sparquote habe sich – seit ihrem Höchststand im Frühjahr 2020 - bereits im dritten Quartal wieder deutlich normalisiert.

„Mit den unüblich hohen Ersparnissen während der Krise haben viele private Haushalte finanzielle Polster aufgebaut, sie dürften zumindest teilweise aufgrund aufgestauter Konsumwünsche nach dem Überwinden der Pandemie nachfragewirksam werden“, so Lips. 

Das aus 2019 bekannte Vorkrisenniveau beim realen BIP dürfte in Deutschland nach Einschätzung der Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe Ende des Jahres 2021 wieder erreicht werden. Damit wären aber die zwei Jahre ausgefallenen Wachstums noch nicht wieder aufgeholt. Das gelänge auch 2022 nur teilweise. Und, so betonte es DSGV-Präsident Schleweis: „Die wirtschaftliche Erholung steht und fällt mit dem Tempo und dem Anschlagen der Impfkampagnen!“

 

Im oben verlinkten Video befragt DSGV-Volkswirt Reinhold Rickes den Chefvolkswirt der NordLB, Christian Lips. Das Video ist hier abrufbar.

26. Januar 2021