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Kreditmärkte
Ein Negativszenario schreckt die Märkte
Das Coronavirus scheint der entscheidende Faktor im US-Wahlkampf zu sein. Die Märkte blicken mit Sorge auf die Präsidentschaftswahl, doch dabei geht es überraschenderweise nicht um einen Sieg von Trump oder Biden.

Bei aller Sorge um die Coronapandemie droht die Präsidentschaftswahl in den USA fast an den Rand gedrängt zu werden. Dabei sei der Einfluss dieser Entscheidung auf den Weg der weltgrößten Volkswirtschaft in den kommenden vier Jahren enorm, betonen die Analysten der LBBW. Das Coronavirus wird dabei zum entscheidenden Faktor der Wahl.

Während der amtierende US-Präsident Donald Trump die Pandemie für weitgehend beendet  erklärt, steigen die Zahlen der Erkrankten rasant an. Der 7-Tage-Durchschnitt hat auch in den USA ein neues Rekordniveau erreicht.

Märkte können mit Trump als auch Biden leben

Mit Blick auf die Kreditmärkte ist es nach Einschätzung der LBBW nicht von zentraler Bedeutung, wer die Wahl gewinnt. Zwar dürfte eine Fortsetzung der Präsidentschaft Trumps für weiterhin niedrige Steuern und weniger Regulierung stehen und somit mehrheitlich positiv von den Investoren gesehen werden.

Doch gemäß Umfragen bleibt Biden der klare Favorit und viele haben sich bereits mit diesem Ausgang arrangiert oder schätzen sogar die Vorzüge einer damit verbundenen erhöhten Verlässlichkeit. Die „Planungssicherheit“ könnte sich laut Landesbank sogar noch erhöhen, falls es zu der von einigen Umfragen prognostizierten „blauen Welle“ kommt, also einem deutlichen Sieg der Demokraten – nicht nur bei den Präsidentschaftswahlen, sondern auch bei den Wahlen zum Senat.

Böse Erinnerungen ans Jahr 2000 

Das „Worst Case“-Szenario wäre für die Kapitalmärkte dagegen eine tagelange oder gar wochenlange Hängepartie inklusive juristischer Auseinandersetzungen. Allerdings setzt das amerikanische Wahlrecht dieser Hängepartie zeitlich enge Grenzen: Spätestens sechs Tage vor der Zusammenkunft der Wahlmänner am 14. Dezember müssen die einzelnen Bundesstaaten ihre Wahlmännerliste bestimmt haben.

Dies decke sich auch mit den historischen Erfahrungswerten im Fall Bush versus Gore des Jahres 2000. Die Versammlung der Wahlmänner war damals für den 18. Dezember 2000 angesetzt, das US-Verfassungsgericht entschied am 12. Dezember 2000, weitere Auszählungen in Florida zu stoppen und erklärte damit faktisch George W. Bush zum Sieger. Somit sollte selbst bei Eintreten eines solchen Szenarios laut LBBW die Phase der Unsicherheit begrenzt bleiben.

30. Oktober 2020